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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Phosphorsäuresalze

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Phosphorsäuresalze.

Temperatur Nitrate und Sulfate, koaguliert Eiweiß nicht, fällt, mit Ammoniak neutralisiert, Silbersalze gelb und Magnesiasalze bei Gegenwart von überschüssigem Ammoniak weiß. Eine höchst verdünnte Lösung wird durch molybdänsaures Ammoniak gelb gefärbt, bei etwas größerer Konzentration gelb gefällt. P. bildet drei Reihen Salze. Sie wird als Arzneimittel benutzt (spez. Gew. 1,12), wirkt im allgemeinen wie die übrigen Mineralsäuren, nur milder, und soll am wenigsten die Verdauung stören. Man gibt sie besonders bei subakuten entzündliche Zuständen mit mäßigem oder geringem Fieber. Erhitzt man die gewöhnliche sirupdicke P. (Orthophosphorsäure) auf 210-215°, so verliert sie Wasser und verwandelt sich in Para- oder Pyrophosphorsäure H4P2O7^[H_{4}P_{2}O_{7}]. Diese bildet eine weiche, farblose, glasartige Masse, löst sich leicht in Wasser, gibt beim Erhitzen der verdünnten Lösung gewöhnliche P., fällt, mit Ammoniak neutralisiert, Silbersalze weiß, Magnesiasalze bei Gegenwart von überschüssigem Ammoniak nicht, auch nicht molybdänsaures Ammoniak und koaguliert Eiweiß nicht. Sie bildet nur zwei Reihen Salze. Bei stärkerm Erhitzen der gewöhnlichen P. entweicht noch mehr Wasser, und es bleibt Metaphosphorsäure HPO3^[HPO_{3}] zurück, welche sich auch in der frisch bereiteten Lösung von Phosphorsäureanhydrid findet. Sie bildet ein farbloses, hygroskopisches Glas und ist der Hauptbestandteil der glasigen P. (Acidum phosphoricum glaciale) des Handels. Ihre Lösung verwandelt sich schnell in gewöhnliche P. Sie fällt, mit Ammoniak neutralisiert, Silbersalze weiß und koaguliert Eiweiß. Sie bildet nur eine Reihe Salze.

Phosphorsäuresalze (Phosphate), Verbindungen der Phosphorsäure mit Basen, finden sich weitverbreitet in der Natur, besonders ist phosphorsaurer Kalk (Apatit, Phosphorit) ein regelmäßiger Bestandteil vieler Gesteine und bildet die Hauptmasse der Knochen (s. Phosphor). Gewöhnliche Phosphorsäure (Orthophosphorsäure) H3PO4^[H_{3}PO_{4}] bildet drei Reihen Salze. 1 Molekül derselben gibt mit 1 Molekül Natronhydrat zweifachsaures (sogen. saures) Salz NaH2PO4^[NaH_{2}PO_{4}], mit 2 Molekülen Natronhydrat einfachsaures (sogen. neutrales oder gewöhnliches) Salz Na2HPO4^[Na_{2}HPO_{4}] und mit 3 Molekülen normales (sogen. basisches) Salz Na3PO4. Von den normalen Phosphorsäuresalzen sind die der Alkalien in Wasser löslich und reagieren stark alkalisch, die übrigen lösen sich nur in verdünnten Säuren, und diese Lösungen enthalten saure Salze. Beim Neutralisieren von Phosphorsäure mit Natronhydrat entsteht das gewöhnliche phosphorsaure Natron Na2HPO4^[Na_{2}HPO_{4}], welches aber noch alkalisch reagiert, aus Metallsalzlösungen meist unlösliches basisches Salz fällt und beim Erhitzen pyrophosphorsaures Salz gibt. Die zweifachsauren Salze sind in Wasser löslich, reagieren schwach sauer und geben beim Erhitzen metaphosphorsaures Salz. Pyrophosphorsäure bildet zwei Reihen Salze, von denen die normalen R4P2O7^[R_{2}P_{2}O_{7}] alkalisch, die sauren H2R2P2O7^[H_{2}R_{2}P_{2}O_{7}] schwach sauer reagieren. Die der Alkalienmetalle sind in Wasser löslich, die andern nicht, doch lösen sie sich zum Teil in überschüssigem phosphorsauren Natron. Die Lösungen bleiben beim Erhitzen unverändert, beim Kochen mit Säuren aber und beim Schmelzen mit Alkali entstehen die Salze der gewöhnlichen Phosphorsäure. Metaphosphorsäure bildet nur eine Reihe Salze, und man kennt nur die der Alkalimetalle, welche in Wasser unlöslich sind. Die Salze der gewöhnlichen Phosphorsäure sind, ins Blut gespritzt, ganz unschädlich, die der Pyrophosphorsäure sind heftige, die der Metaphosphorsäure schwache Gifte. Phosphorsaures Ammoniak (NH4)2HPO4^[(NH_{4}_{2}HPO_{4}] findet sich im Guano, entsteht beim Neutralisieren von Phosphorsäure mit Ammoniak, bildet große, farblose, leicht lösliche Kristalle, verwittert an der Luft und hinterläßt saures Salz, welches beim Erhitzen Metaphosphorsäure liefert. Phosphorsaures Natronammoniak (Phosphorsalz, Sal microcosmicum) Na(NH4)HPO4+4H2O^[Na(NH_{4}HPO_{4}+4H_{2}O] findet sich im Guano, entsteht beim Neutralisieren von Phosphorsäure mit gleichen Teilen Soda und Ammoniak, bildet farblose Kristalle mit 4 Molekülen Kristallwasser, schmeckt stechend salzig, verwittert, ist leicht löslich, schmilzt leicht, gibt beim Erhitzen metaphosphorsaures Natron, welches beim Schmelzen Metalloxyde löst und sehr charakteristische Färbungen annimmt; es dient daher als Lötrohrreagenz. Phosphorsaures Bleioxyd PbHPO4^[PbHPO_{4}], aus überschüssigem Bleizucker durch gewöhnliches phosphorsaures Natron gefällt, ist farblos, amorph, unlöslich; eine Verbindung desselben mit Chlorblei findet sich in der Natur als Pyromorphit. Phosphorsaures Eisenoxydul Fe3(PO4)2+8H2O^[Fe_{3}(PO_{4})_{2}+8H_{2}O] findet sich als Vivianit, im Raseneisenerz, in manchen Torfsorten, die es oberflächlich schön blau färbt, auch in fossilen Knochen. Aus Eisenvitriol fällt gewöhnliches phosphorsaures Natron farbloses Salz, welches in Wasser unlöslich ist, an der Luft sich durch Oxydation schnell bläut und offizinell ist. Phosphorsaures Eisenoxyd findet sich im Braun- und Raseneisenerz, im Grüneisenstein und im blau angelaufenen Vivianit. Aus Eisenchloridlösung wird durch gewöhnliches phosphorsaures Natron ein weißes Salz Fe2(PO4)2+4H2O^[Fe_{2}(PO_{4})_{2}+4H_{2}O] gefällt, welches amorph und unlöslich ist. Pyrophosphorsaures Eisenoxyd Fe4P6O21+9H2O^[Fe_{4}P_{6}O_{21}+9H_{2}O] wird aus Eisenchloridlösung durch pyrophosphorsaures Natron als weißer Niederschlag gefällt, ist unlöslich in Wasser, löst sich aber mit grünlicher Farbe in pyrophosphorsaurem Natron, und aus dieser Lösung fällt Alkohol weißliches amorphes pyrophosphorsaures Eisenoxydnatron 2Na4P2O7^[2Na_{4}P_{2}O_{7}. Fe4P6O21+14H2O^[Fe_{4}P_{6}O_{21}+14H_{2}O], welches mild salzig schmeckt, in kaltem Wasser sich langsam löst, durch kochendes Wasser zersetzt wird und als mildes Eisenmittel arzneiliche Verwendung findet. Mit zitronensaurem Ammoniak gemischt, bildet das pyrophosphorsaure Eisenoxyd ein Präparat, welches eine amorphe, gelblichgrüne, leicht lösliche Masse darstellt, mild eisenartig schmeckt und als leichtverdauliches Eisenmittel benutzt wird. Basisch phosphorsaurer Kalk Ca3P2O8^[Ca_{3}P_{2}O_{8}] findet sich mit Fluorcalcium im Apatit und Phosphorit, bildet auch den Hauptbestandteil der Knochen, der Koprolithen, des Sombreroguanos und ähnlicher Guanosorten. Geringe Mengen phosphorsauren Kalks finden sich in der Ackererde und in den Gewässern. Er wird aus ammoniakhaltiger Chlorcalciumlösung durch phosphorsaures Natron gefällt, ist farblos, amorph, in kaltem Wasser kaum, bei Gegenwart von Ammoniaksalzen, Chilisalpeter, Kochsalz etc. reichlicher löslich. Leicht löst er sich in Säuren und selbst in kohlensäurehaltigem Wasser, und in letzterer Form nehmen ihn die Pflanzen aus dem Boden auf. Man benutzt ihn arzneilich und hat vorgeschlagen, ihn auch bei der Ernährung zur Begünstigung der Knochenbildung zu verwenden. Für diesen Zweck genügt ein Präparat, welches man durch Lösen von Knochenasche in Salzsäure, Fällen mit Ammoniak und Auswaschen des Niederschlag erhält. Den natürlichen phosphorsauren Kalk benutzt man als Dünger, zur Darstellung von Phosphorsäure, Phosphor, Milchglas, als Material für die Kapellen beim Probieren, als Putz-^[folgende Seite]