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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Phosphorsuperchlorid; Phosphorvergiftung

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Phosphorsuperchlorid - Phosphorvergiftung.

pulver etc. Neutraler phosphorsaurer Kalk CaHPO4+4H2O ^[CaHPO_{4}+4H_{2}O] findet sich in Harnsteinen und in den Bodensätzen, welche der Harn bisweilen bildet; er wird aus Chlorcalciumlösung durch gewöhnliches phosphorsaures Natron gefällt, ist unlöslich in Wasser und zerfällt durch Kochen mit Wasser in saures und basisches Salz. Saurer phosphorsaurer Kalk Ca4H4P2O8 ^[Ca_{4}H_{4}P_{2}O_{8}] entsteht bei Behandlung des basischen oder neutralen Salzes mit Säuren, bildet farblose Kristalle, verwittert bei 100°, nimmt an der Luft wieder Wasser auf, löst sich in Wasser und verwandelt sich beim Kochen der Lösung in das neutrale Salz und Phosphorsäure. Mit basischem Kalkphosphat, mit Eisenoxyd und Thonerde gibt das saure Salz neutralen phosphorsauren Kalk und Eisenoxyd- und Thonerdephosphat. Das saure Salz wird zur Bereitung der Phosphorsäure nach alter Methode und des Phosphors dargestellt, auch ist es Bestandteil des Superphosphats und dient in mehr oder weniger reinem Zustand zur Darstellung von Backpulver, in der Zuckerfabrikation und zum Harten von Steinen. Basisch phosphorsaures Kupferoxyd findet sich als Libethenit, Tagilit und in andern Mineralien. Es ist blau oder grün, in Wasser unlöslich. Phosphorsaure Magnesia Mg3(PO4)2 ^[Mg_{3}(PO_{4})_{2}] findet sich in Getreidesamen und Knochen und wird aus der Lösung von Magnesiasalzen durch gewöhnliches phosphorsaures Natron als farbloser, kristallinischen sehr schwer löslicher Niederschlag gefällt. Phosphorsaure Ammoniakmagesia ^[richtig: Ammoniakmagnesia] (NH4)MgPO4+6H2O ^[(NH_{4})MgPO_{4}+6H_{2}O] findet sich in der Natur als Struvit, in manchen Harnsteinen und in faulendem Harn und wird aus einer mit Salmiak und Ammoniak vermischten Lösung von Magnesiasalzen durch gewöhnliches phosphorsaures Natron gefällt, ist farblos, kristallinisch, sehr schwer löslich in Wasser, besonders in ammoniakalischem, leicht in Säuren, hinterläßt beim Glühen pyrophosphorsaure Magnesia Mg2P2O7 ^[Mg_{2}P_{2}O_{7}]. Man bedient sich dieser Verbindung in der chemischen Analyse zur Bestimmung der Phosphorsäure und der Magnesia. Phosphorsaures Natron Na2HPO4+12H2O ^[Na_{2}HPO_{4}+12H_{2}O] findet sich im Blut und in andern tierischen Flüssigkeiten und entsteht beim Neutralisieren von Phosphorsäure mit kohlensaurem Natron. Man bereitet es aus Knochenasche, indem man diese mit Schwefelsäure behandelt, die vom abgeschiedenen schwefelsauren Kalk getrennte Lösung von saurem phosphorsaurem Kalk mit kohlensaurem Natron neutralisiert und zur Kristallisation bringt. Man kann auch ein aus phosphorsaurem Kalk bestehendes Mineral, wie Apatit, Sombrerit, mit Eisenoxyd, Sand und Kohle im Schachtofen einschmelzen und das erhaltene Phosphoreisen im Flammofen mit schwefelsaurem Natron behandeln. Hierbei entsteht Schwefeleisen, Eisenoxyd und phosphorsaures Natron, welches mit Wasser ausgezogen wird. Es bildet große, farblose Kristalle, schmeckt kühlend salzig, verwittert leicht, ohne zu zerfallen, reagiert schwach alkalisch, ist leicht löslich, absorbiert in Lösung viel Kohlensäure, schmilzt leicht, wird wasserfrei und gibt beim Glühen pyrophosphorsaures Natron. Man benutzt es als mildes Abführmittel, auch bei Gicht, Rheumatismus, Steinkrankheiten etc. Pyrophosphorsaures Natron Na4H2O7+10H2O ^[Na_{4}H_{2}O_{7}+10H_{2}O] bildet luftbeständige Kristalle, reagiert alkalisch, ist weniger löslich als das gewöhnliche Salz, schmilzt beim Erhitzen und erstarrt zu einer farblosen kristallinischen Masse. Man benutzt es beim Hartlöten, beim Härten und Schweißen von Gußstahl, in der Glas- und Porzellanfabrikation, zum Verzinnen etc. Phosphorsaure Thonerde findet sich in der Natur als Wavellit, Gibbsit, Kalait, Lazulith, als Rodondophosphat etc.

Phosphorsuperchlorid, s. Phosphorchloride.

Phosphorvergiftung, schwere, meist tödliche Erkrankung infolge des absichtlichen oder zufälligen Genusses von Phosphor oder phosphorhaltigen Substanzen. Seit der allgemeinen Einführung der Phosphorzündhölzer in den Haushalt auch der ärmsten Leute sind Phosphorvergiftungen ziemlich häufig geworden. Absichtliche wie zufällige Vergiftungen wurden bisher hauptsächlich durch Einführung von phosphorhaltigem Rattengift (Phosphorlatwerge) oder von Kuppen der Phosphorzündhölzer in den Organismus bewerkstelligt. Die Symptome der P. sind je nach der Menge des eingeführten Gifts sehr verschieden.

1) Gelangen große Mengen davon in den Körper, so entsteht eine heftige Entzündung des Magens, welche unter heftigem Durstgefühl, brennenden Schmerzen im Hals und im Bauch einhergeht. Es werden phosphor- oder knoblauchartig riechende Massen erbrochen, welche im Dunkeln, besonders beim Zerreiben oder Erwärmen, leuchten. Dazu kommen reichliche Durchfälle mit mehr oder weniger ausgebreiteten Schmerzen im Leibe. Bald tritt rascher allgemeiner Verfall der Kräfte ein, die Haut ist sehr blaß, bekommt meist kurz vor dem Tod eine gelbe Färbung, und der Tod erfolgt unter zunehmendem Verfall der Kräfte, wahrscheinlich an Herzlähmung.

2) Bei Einführung geringerer Mengen von Phosphor in den Körper treten alle Symptome in schwächerm Grad auf, und es kann Heilung eintreten. Es ist nicht genau bekannt, wie groß die Menge des Phosphors ist, welche den Tod absolut bedingt.

3) Gelangen kleine Mengen von Phosphor während eines längern Zeitraums andauernd in den Körper, so entsteht eine chronische P., welche durch eigentümliche Knochenerkrankungen, namentlich durch Beinhautentzündung und Absterben des Unterkiefers, sogen. Phosphornekrose, ausgezeichnet ist. Die Fütterung von Phosphor an junge, wachsende Tiere übt einen eigentümlichen Entzündungsreiz auf die Knochenvermehrung aus, der sich in Anlagerung elfenbeinharter Gewebsmasse in der Markhöhle kennzeichnet. Diese chronische P. wurde früher häufig in Zündholzfabriken beobachtet, gegenwärtig ist sie fast gänzlich durch die allgemeine Verbreitung der aus amorphem Phosphor hergestellten sogen. schwedischen Zündhölzer und durch die erheblich verschärften Vorsichtsmaßregeln verschwunden. - Der gerichtliche Nachweis einer P. an der Leiche gründet sich bei akuter P. auf das Vorhandensein größerer Mengen von Phosphorsäure im Magen und Darmkanal bei gleichzeitiger starker Trübung der Magenschleimhaut, die oft mit schwacher Anätzung und Blutungen verbunden ist. Ist der Tod bei verzögertem Verlauf nach 8-14 Tagen erfolgt, so ist ein chemischer Nachweis der giftigen Substanz zwar nicht mehr möglich, da dieselbe längst umgesetzt und abgeschieden ist, es treten dann aber so ausgesprochene anatomische Organveränderungen auf, daß die Diagnose nun noch weniger zweifelhaft ist als bei rasch tödlicher P. Der Magen ist stark getrübt, seine Drüsenschicht schmutzig lehmgelb, im Zustand einer Gastroadenitis parenchymatosa, oft geradezu in Verfettung. Ebenso trübe, gelbrötlich sind das Herz und die Körpermuskeln; in ältern Fällen, die zehn Tage und später nach der P. tödlich endeten, findet man oft alle Muskeln, die Leberzellen und die Nieren in voller Fettmetamorphose, die Haut ist gelb, in vielen Organen sind kleine versetzte Gefäße geborsten und Blutaustritte erfolgt, so daß die P. in spätern Sta-^[folgende Seite]