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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Physik

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Physik (im 18. und 19. Jahrhundert).

satz zwischen positiver und negativer Elektrizität; Kleist in Köslin und Cunäus in Leiden erfanden fast gleichzeitig (der erstere 11. Okt. 1745, der letztere Anfang 1746) die Leidener Flasche; Franklin wies 1752 die Identität des Blitzes mit dem elektrischen Funken nach und gab den Blitzableiter an, den vor ihm schon Prokop Divisch erfunden hatte; Volta erfand 1775 den Elektrophor und 1783 den Kondensator; Lichtenberg entdeckte 1777 die nach ihm benannten elektrischen Staubfiguren, und Coulomb erforschte 1784 mit seiner Drehwage die Gesetze der elektrischen und magnetischen Anziehung und Abstoßung. Auch Peter van Musschenbroek (gest. 1761) erwarb sich sowohl um die Elektrizitätslehre als um die P. überhaupt, deren universellster Bearbeiter er zu jener Zeit war, große Verdienste. Black entdeckte 1764 die latente Wärme des Wassers und des Dampfes, und in demselben Jahr konstruierte Watt die erste doppelt wirkende Dampfmaschine. Deluc (1772) und Saussure (Hygrometer, 1783) machten sich um die Meteorologie verdient, Montgolfier u. Charles erfanden 1783 den Luftballon, und Chladni (Klangfiguren, 1787) begründete die moderne Akustik.

Die Wiederbelebung des chemischen Studiums, namentlich aber die Umwälzung der Anschauungen, welche Lavoisier (guillotiniert 1794) in dieser Wissenschaft hervorbrachte, mußten notwendig auch auf die Entwickelung der P. einen tiefgreifenden Einfluß üben. Das Ende des Jahrhunderts wurde durch eine epochemachende Entdeckung bezeichnet, welche den Physikern ein neues Feld erfolgreicher Forschung eröffnete. Nachdem Galvani 1791 den Galvanismus entdeckt und Volta bald darauf die elektrische Natur dieser Erscheinungen erkannt hatte, konstruierte der letztere 1799 die nach ihm benannte Säule. Mittels derselben zerlegten Nicholson und Carlisle 1800 das Wasser, Davy 1807 die Alkalien und Erden und entdeckte letzterer die leichten Metalle. Dalton (1801), Gay-Lussac (1802), Leslie (1804), de la Roche und Bérard (1813), Dulong und Petit (1819) bereicherten die Wärmelehre durch ihre wertvollen Untersuchungen; W. Herschel entdeckte 1800 die schwach brechbaren dunkeln Wärmestrahlen des Sonnenspektrums. Auf dem Gebiet der Optik entbrannte der Kampf der Undulationstheorie gegen die Emissionstheorie, welcher, durch Young 1802 entfacht, von Fresnel (Diffraktion, 1815) siegreich entschieden wurde. Mittlerweile hatte Malus 1808 die Polarisation durch Reflexion entdeckt, während Wollaston, Brewster und Biot, obgleich Anhänger der Emissionshypothese, durch zahlreiche experimentelle Untersuchungen die Kenntnis der Thatsachen förderten. Von deutschen Forschern ist aus dieser Zeit nur der Optiker Fraunhofer zu nennen. In Deutschland nämlich wurde der ruhige Gang fleißiger Forschung auf einige Zeit unterbrochen durch die an Schelling sich anschließende Schule der sogen. Naturphilosophen, welche, den eindringlichsten Lehren der Geschichte zum Trotz, die Naturgesetze durch bloße Spekulation zu ergründen suchten. Die abenteuerlichen Phantasmen, zu welchen sie auf diesem Irrweg gelangten, führten jedoch baldige Ernüchterung herbei und fielen rasch verdienter Vergessenheit anheim.

Eine neue Epoche begann 1820 mit Örsteds Entdeckung der Ablenkung der Magnetnadel durch den galvanischen Strom, auf welche noch in demselben Jahr die Herstellung von Elektromagneten durch Arago folgte. Ebenfalls noch 1820 konstruierte Schweigger den Multiplikator, mit dessen Hilfe Seebeck 1821 die Thermoelektrizität entdeckte. Ampère wies 1826 die gegenseitige Einwirkung elektrischer Ströme nach (Elektrodynamik), und Ohm machte 1827 das seinen Namen tragende Gesetz der Stromstärke bekannt. Faraday entdeckte 1831 die Induktion, die Magnetelektrizität, durch welche sich der schon 1825 von Arago entdeckte sogen. Rotationsmagnetismus erklärte, ferner die magnetische Drehung der Polarisationsebene und den Diamagnetismus. 1833 legten Gauß und Weber den ersten elektromagnetischen Nadeltelegraph zwischen der Sternwarte und dem physikalischen Kabinett zu Göttingen an; verbesserte Nadeltelegraphen wurden bald von Wheatstone und Steinheil ausgeführt, wobei letzterer 1838 die wichtige Entdeckung der Bodenleitung machte; Morse erfand 1835 den Schreib-, Wheatstone 1840 den Zeiger-, Hughes 1859 den Typendrucktelegraph. Die Galvanoplastik wurde 1838 fast gleichzeitig von Jacobi in Petersburg und von dem Engländer Spencer erfunden. Von großer Wichtigkeit für das ganze Gebiet des Galvanismus und Elektromagnetismus war die Erfindung der konstanten Batterien durch Becquerel und Daniell (1836), Grove (1839) und Bunsen (1842). Als hervorragende Forscher auf diesem Feld sind noch Ritter, Fechner, Poggendorff, Lenz, Plücker, Kohlrausch, de la Rive, Tyndall und Wiedemann zu nennen. Um die Theorie machten sich besonders F. Neumann und W. Weber verdient, der letztere durch die Aufstellung des nach ihm benannten umfassenden Grundgesetzes (1846). Auch das Gebiet der Reibungselektrizität gewann in Armstrongs Dampfelektrisiermaschine (1840) einen wertvollen neuen Apparat und erfuhr durch Rieß in seinem 1853 erschienenen Werk eine wesentliche theoretische Umgestaltung. Die Lehre vom Erdmagnetismus wurde durch Hansteen (1819), Gauß (1833) und Alexander v. Humboldt, die Meteorologie durch Kämtz (1831), Dove (1852) und Buys-Ballot gefördert und letztere durch wertvolle Instrumente, Daniells Hygrometer (1820) und Augusts Psychrometer (1828), bereichern als bemerkenswerte Erfindung ist das zuerst 1847 von dem Italiener Vidi konstruierte Aneroidbarometer zu erwähnen, welches abgeändert und verbessert wurde durch Bourdon (Metallbarometer und -Manometer, 1853), Naudet (Holosterikbarometer, 1864), und die Züricher Mechaniker Becker und Goldschmid (1866), so daß es sogar zu barometrischen Höhenmessungen dienen kann. Wurde hiermit dem Torricellischen Barometer ein Instrument ohne Quecksilber an die Seite gesetzt, so kam man anderseits auf die bereits von Gelehrten der Florentiner Akademie del Cimento im 17. Jahrh., noch bevor Guericke die Kolbenluftpumpe (1650) erfunden hatte, angewendete Quecksilberluftpumpe zurück, welche zuerst von dem Franzosen Gairaud (1859), dann von Geißler in Bonn und Jolly in München zu einem sicher und effektvoll arbeitenden Apparat ausgebildet wurde. Auf die 1822 von Dutrochet entdeckte und 1849 von Jolly weiter untersucht Diosmose gründete 1861 Graham sein "Dialyse" genanntes Verfahren zur Trennung gelöster kristallisierbarer Körper ("Kristalloide") von beigemengten schleimigen Substanzen ("Kolloide"). An die ebenfalls von Graham untersucht Diffusion der Gase durch poröse Scheidewände schloß sich 1863 der von Sainte-Claire Deville gelieferte Nachweis der Durchdringlichkeit erhitzter Metalle durch Gase. Um die Akustik machten sich Cagniard de la Tour (1819), Savart, Scheibler (1833) verdient.

Auch die mechanische P. blieb hinter den Fortschritten der übrigen Zweige nicht zurück. Poinsot (1804), Poisson (1811), Gauß, Hamilton vervollkommten die