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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Pica; Picadores; Picander; Picard; Picarden; Picardie; Picaro; Piccadilly; Piccini

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Pica - Piccini.

Pica, Elster.

Picadores (span.), die reitenden Kämpfer bei den spanischen Stiergefechte (s. d.).

Picander, Pseudonym, s. Henrici.

Picard (spr. -kár), 1) Jean, Astronom, geb. 21. Juli 1620 zu La Flèche in Anjou, Prior zu Rillé, seit Gründung der Pariser Akademie (1666) Mitglied derselben, starb 12. Juli 1682 in Paris. P. war ein Schüler von Gassendi und hat sich besonders durch die 1669-70 zwischen Malvoisine und Amiens ausgeführte Gradmessung bekannt gemacht, bei welcher zuerst Winkelmesser mit Fernrohren in Anwendung kamen (vgl. Gradmessungen). Die Resultate hat er in "La mesure de la terre" (Par. 1671) niedergelegt. P. ist auch der Begründer der "Connaissance des temps" (erster Jahrgang 1679).

2) Louis Benoît, einer der fruchtbarsten und ausgezeichneten franz. Lustspieldichter, geb. 29. Juli 1769 zu Paris, dichtete schon mit 20 Jahren für die Bühne, machte sich einen Namen aber erst 1797 durch das Lustspiel "Médiocre et rampant" (von Schiller bearbeitet u. d. T.: "Der Parasit"). Er trat selbst als Schauspieler auf und wurde 1801 Direktor des Théâtre Louvois. 1807 entsagte er der Bühne, wurde Mitglied der Académie française und Direktor der kaiserlichen Akademie der Musik (Große Oper), übernahm 1816 das Odéon, legte 1821 die Direktion nieder und starb 31. Dez. 1828. Die große Charakterkomödie gelang ihm weniger ("Médiocre et rampant"; "L'entrée dans le monde"; "Duhautcours"), um so besser aber die Sittenkomödien, die sich durch lebhaften Dialog, treffenden Witz und gute Entwickelung auszeichnen und alle eine liebenswürdige, praktische Moral enthalten. Die besten sind: "La petite ville", "Monsieur Musard", "Les Marionnettes", "Les deux Philiberts" u. a. Schillers "Neffe als Onkel" ist eine Übersetzung des Lustspiels "Encore des Ménechmes". Das "Théâtre de P." (1812, 6 Bde.; 1821, 8 Bde.; neue Ausg. von Fournier, 1879) enthält nur die Stücke, welche der Autor selbst des Druckes für würdig hielt. Außerdem schrieb er eine Reihe ziemlich mittelmäßiger Romane.

3) Louis Joseph Ernest, franz. Politiker, geb. 24. Dez. 1821 zu Paris, ward 1844 Advokat daselbst und schloß sich früh der republikanischen Partei an, in deren Reihen er gegen das zweite Kaiserreich ankämpfte. 1856 in den Gesetzgebende Körper gewählt, gehörte er zu der berühmten Gruppe der Fünf und zeichnete sich als glänzender Redner, besonders in Finanzfragen, aus, indem er das verschwenderische System der kaiserlichen Regierung, namentlich in der Verwaltung der Stadt Paris und der mexikanischen Expedition, aufdeckte. Im September 1870, unter der Regierung der nationalen Verteidigung, ward er Finanzminister; Februar bis Mai 1871 war er unter Thiers Minister des Innern; 3. 1. Okt. 1870 bei der kommunistischen Emeute in Paris rettete P. die Regierung durch seine Geistesgegenwart und Umsicht. 1871-73 war er Gesandter in Brüssel, zugleich bis 1876 Mitglied des linken Zentrums in der Nationalversammlung. Seit 1876 Mitglied des Senats, starb er 13. Mai 1877. Seine "Discours parlementaires" erschienen in 2 Bänden (Par. 1882-86).

Picarden (verstümmelt aus Begharden), in der katholischen Kirche Bezeichnung für die Brüder und Schwestern des freien Geistes sowie für die Mährischen Brüder.

Picardie, alte Provinz im nordöstliche Frankreich, zerfiel in die Ober- und Niederpicardie und ist gegenwärtig unter die Departements Pas de Calais, Somme, Oise, Aisne und Nord verteilt. Die Hauptstadt war Amiens. Zur P. gehörte auch die Grafschaft Ponthieu (s. d.) mit der Hauptstadt Abbeville, jetzt im Departement Somme. Die P. kam schon frühzeitig unter die Herrschaft der Franken, deren Könige zuerst in Amiens residierten. Philipp von Elsaß, Graf von Flandern, erhielt die Grafschaft P. 1167 mit seiner Gemahlin Elisabeth als Brautschatz. Nach seinem und seiner Verwandten Tod kam sie jedoch an Frankreich zurück. Vgl. Janvier, Histoire de P. (Amiens 1884).

Picaro (span.), Gauner, Schelm; daher picarischer Roman, der sogen. Schelmenroman, wie ihn die Spanier Mendoza und Quevedo aufbrachten.

Piccadilly, eine der Hauptstraßen Londons, soll ihren Namen einem "Pickadille" genannten Hemdenkragen verdanken, durch dessen Verkauf ein hier lebender Schneider 1605-20 ein großes Vermögen erwarb.

Piccini (spr. pitschini), Niccolò, Komponist, geb. 1728 zu Bari in Unteritalien, besuchte das Konservatorium Sant' Onofrio zu Neapel und komponierte schon als Schüler Psalmen, Motetten und eine Messe, widmete sich aber von 1754 an, wo er mit der Oper "Le donne dispettose" zu Neapel glücklich debütierte, ganz der dramatischen Komposition und wurde durch seine weitern Opern: "Zenobia" (1756), "Alessandro nell' Indie" (1758), "Cecchina" (1760) und "Olimpiade" (1761), bald der gefeiertste Komponist Italiens. Nachdem er binnen 15 Jahren 130 Opern vollendet, folgte er einem Ruf nach Paris, wo er von den Gegnern der Gluckschen Oper diesem gegenübergestellt wurde und mit seinem "Roland" (1778) solchen Beifall fand, daß seine Partei, welche sich die Piccinisten nannte, mehrere Jahre hindurch der der Gluckisten gewachsen schien, bis der Sieg, den Glucks "Iphigenia in Tauris" (1779) über die gleichnamige Oper Piccinis (1781) errang, den Kampf zu gunsten des deutschen Meisters entschied. Nachdem dieser nach Wien zurückgekehrt war, setzte P. seine Wirksamkeit in Paris fort, schrieb hier unter mehreren andern Opern sein Hauptwerk: "Didon" (1783), und wurde im folgenden Jahr auch als Gesanglehrer an der königlichen Musikschule angestellt, verließ jedoch beim Ausbruch der Revolution Frankreich und begab sich nach Neapel zurück. Hier fand er anfangs den frühern Beifall; bald aber kam er in den Ruf revolutionärer Gesinnung und sah sich von Verfolgungen jeglicher Art betroffen, wurde sogar vier Jahre lang polizeiliche Aufsicht unterstellt, komponierte jedoch auch während dieser Zeit vieles, namentlich Psalmen für Kirchen und Klöster, die ihm 1794 den Titel eines Kapellmeisters an der spanischen Kirche zu Rom erwarben. 1798 gelang es ihm, mit Hilfe des französischen Gesandten in Neapel nach Paris zu entkommen, wo er von Bonaparte eine Inspektorstelle am Konservatorium zugesichert erhielt; allein noch ehe er dieselbe antreten konnte, starb er 7. Mai 1800 in Passy bei Paris. Die italienische Oper hat zu keiner Zeit einen würdigern Vertreter gehabt als P., und wenn auch die Anmut und der Melodienreichtum der neapolitanischen Schule das Hauptmerkmal seiner Musik sind, so erhebt sich dieselbe doch erforderlichen Falls zu einer Höhe des dramatischen Ausdrucks, die es begreiflich macht, daß sich seine Opern neben und nach denen Glucks in der Gunst des kunstgebildeten Publikums von Europa erhalten konnten. Vgl. Desnoiresterres, Gluck et P. (2. Aufl., Par. 1875). - Sein Sohn Louis P., ebenfalls Komponist, geb. 1762 zu Neapel, trat 1784 in Paris mit der