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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Picholinen - Pictet.

ohne jemals förmlich aus der römischen Kirche auszutreten. Leider führte eine bis zur Geisteskrankheit entwickelte Bibliomanie zu einem Prozeß, in welchem er 1870 von russischen Geschwornen wegen Diebstahls von Büchern verurteilt und nach Sibirien geschickt wurde. Durch Vermittelung des Prinzen Leopold von Bayern begnadigt, kehrte er nach München zurück und starb 2. Juni 1874 in Siegsdorf bei Traunstein. Von seinen Schriften nennen wir: "Geschichte der kirchlichen Trennung zwischen dem Orient und Occident" (Münch. 1865, 2 Bde.); "Die Theologie des Leibniz" (das. 1869, 2 Bde.) und "Die wahren Hindernisse und die Grundbedingungen einer Reform der katholischen Kirche" (das. 1870).

Picholinen (franz., spr. piko-), s. v. w. Picciolini (s. d.).

Pichurimtalgsäure, s. Laurostearinsäure.

Pickelbeere, gemeine Heidelbeere, s. Vaccinium.

Pickelflöte (Piccolo), s. Flöte.

Pickelhaube, die volkstümliche Bezeichnung des preußischen Helms.

Pickelhering, s. v. w. Hanswurst.

Pickles (engl., spr. pick'ls), s. v. w. Mixed pickles.

Picknick (engl.), gesellige Vereinigung, zu der jeder Gast einen Beitrag an Speisen mitbringt.

Pickpocket (engl.), Taschendieb, Beutelschneider.

Pickwickĭer, die Helden des humoristischen Romans von Ch. Dickens: "Adventures of Mr. Pickwick", der seinen Ruhm begründete.

Pico, Insel, s. Azoren, S. 195.

Pico, Giovanni, Gras von Mirandola, Fürst von Concordia, ital. Gelehrter, geb. 24. Febr. 1463, zeigte schon als Kind ungewöhnliche Fassungskraft und ein außerordentliches Gedächtnis und bezog im 14. Jahr die Universität Bologna, wo er besonders Philosophie und Theologie studierte. Hierauf besuchte er die bedeutendsten Schulen Italiens und Frankreichs und eignete sich rasch eine Fülle der verschiedenartigsten Kenntnisse an. Außer Griechisch und Lateinisch verstand er auch Hebräisch, Chaldäisch und Arabisch. Stolz auf sein Wissen, glaubte er das Problem einer Versöhnung der Religion mit der Philosophie und einer Verschmelzung der Platonischen und Aristotelischen Philosophie lösen zu können, indem er neuplatonische und kabbalistische Ideen mit hineinzog. 1486 begab er sich nach Rom und veröffentlichte 900 Thesen ("Conclusiones philosophicae, cabalisticae et theologicae", Rom 1486), die er gegen alle Gelehrten Europas zu verteidigen sich erbot. Da aber einige derselben von seinen Neidern dem Papst als ketzerisch dargestellt wurden, begab sich P., um Verfolgungen zu entgehen, wiederum nach Frankreich und kehrte erst 1493, von Alexander VI. freigesprochen, nach Italien zurück, wo er nunmehr den profanen Wissenschaften ganz entsagte, um sich ausschließlich der Theologie und einem strengen Leben zu widmen. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in Florenz im Umgang mit den bedeutendsten Männern des Mediceischen Hofs und starb 17. Nov. 1494 daselbst. Seine zahlreichen lateinischen, jetzt meist vergessenen Werke genossen ihrer Zeit eines bedeutenden Rufs und sind mehreremal ("Opera", Bologna 1496, Vened. 1498, Basel 1557 u. öfter) gedruckt worden. Vgl. Dreydorff, Das System des Joh. P. (Marb. 1858). - Sein Neffe Giovanni Francesco P. von Mirandola, geb. 1469, von einem seiner Neffen 15. Okt. 1533 auf dem Schloß Mirandola ermordet, beschäftigte sich gleichfalls eifrig mit Religionsphilosophie, ohne jedoch seines Oheims Talente und Kenntnisse zu besitzen. Von seinen Werken sind die Lebensbeschreibung seines Oheims vor den Ausgaben von dessen "Opera" und die Savonarolas (Mirandola 1530) die interessantesten. Seine philosophischen Schriften sind mit denen seines Oheims in den spätern Ausgaben (Basel 1573, 1601, 2 Bde.) zusammengedruckt.

Picot (spr. -ko), 1) François, franz. Maler, geb. 1786 zu Paris, Schüler Vincents, gründete seinen Ruf 1819 mit dem großen Gemälde: Amor und Psyche, welchem Raffael und die Fornarina in einer Abendlandschaft und der Tod der Saphira (St.-Séverin zu Paris) folgten. Für die Galerie des Luxembourg wurde ein in den Armen der Elektra schlafender Orest angekauft. Für die Loretokirche zu Paris malte er eine Madonna. Im Louvre schuf er als Plafondgemälde zwei Allegorien, das Verhältnis Ägyptens zu Griechenland und den Untergang von Herculaneum und Pompeji darstellend, in der Apsis der Kirche St.-Vincent de Paul zu Paris einen kolossalen Christus mit den Propheten, von byzantinisch-statuarischer Strenge, aber nicht ohne Großartigkeit. Mehr als durch seine Gemälde hat er durch seine Lehrthätigkeit gewirkt. Er starb 15. März 1868.

2) Georges, franz. Geschichtschreiber, geb. 24. Dez. 1838 zu Paris, studierte die Rechte, machte mehrere Reisen nach England, um das dortige Gefängniswesen zu studieren, und trat 1865 in das Seinetribunal als Richter ein. 1877 wurde er von Dufaure als Direktor der Kriminal- und Begnadigungsangelegenheiten in das Justizministerium berufen, 1879 Redakteur des "Parlement", des Organs des linken Zentrums (der gemäßigten Republikaner). 1878 ward er an Thiers' Stelle zum Mitglied des Instituts erwählt. Von seinen Schriften sind anzuführen: "Recherches sur la mise en liberté sous caution" (1863); "Les élections aux États généraux dans les provinces de 1302 à 1614" (1874); "Le parlement de Paris sous Charles VIII" (1877); "M. Dufaure, sa vie et ses discours" (1883) und die "Histoire des États généraux et leur influence sur le gouvernement de la France de 1355 à 1614" (1872, 4 Bde.; neue Ausg. 1888, 5 Bde.), sein Hauptwerk, welches zweimal von der Akademie den Preis Gobert erhielt.

Picotage (franz., spr. -tahsch'), wasserdichter Schachtausbau mit Holz, wurde in Belgien und Nordfrankreich beim Durchteufen wasserreiche Kreideschichten ausgebildet und dann auch in Deutschland beim Grubenbau angewandt.

Picoterie (franz.), Anzüglichkeit, Stichelei.

Picpus (spr. pikpüs), ursprünglich Name einer alten Vorstadt von Paris; dann von Abbé Coudrin 1805 gestiftete, vom Papst Pius VII. bestätigt Kongregation zur Verbreitung des katholischen Glaubens in Frankreich, begann im Juli 1825 eine besonders in Australien wirksame Missionsthätigkeit.

Picraena excelsa, s. Quassia.

Pict., bei naturwissenschaftl. Namen Abkürzung für François Jules Pictet (s. d.).

Pictavĭum, antike Stadt, s. Poitiers.

Pictet (spr. piktä), 1) Marcus Auguste, Naturforscher, geb. 23. Juli 1752 zu Genf, ward Schüler und Reisebegleiter Saussures, dem er 1786 als Professor und später als Präsident der Akademie zu Genf folgte. 1796 begründete er mit seinem Bruder, dem Diplomaten Charles P. de Rochemont, und Maurice die "Bibliothèque britannique" (seit 1816 "Bibliothèque universelle"), welche die Verbreitung aller in England gemachten wichtigern Entdeckungen und herausgekommenen Werke bezweckte. Im Interesse seiner Vaterstadt unterhandelte er 1798 mit der französischen Republik und erwirkte für Genf freie Übung