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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Pietra fungája; Pietramala; Pietraperzia; Pietrasánta; Pietri; Pietsch; Pieve di Cadore; Piëzometer

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Pietra fungaja - Piëzometer.

Mission; ein Zögling Franckes, Ziegenbalg (s. Mission), ging 1706 nach Ostindien. In die Fußstapfen Speners und seiner nächsten Schüler traten später als Häupter des P.: Ch. B. Michaelis, der jüngere Francke, Freylinghausen (s. d.), Rambach u. a. Aber die Einseitigkeit und das Schiefe der ganzen Richtung traten doch trotz persönlicher Ehrenhaftigkeit ihrer Anhänger immer mehr hervor, und bald war der P. wirklich das, was die Gegner schon lange ihm schuld gegeben, eine krankhaft überspannte, in Bekehrungsunternehmungen und Bußkrämpfen schwebende, nicht selten auch zum hochmütigen Absprechen über die "Welt", ja zur schnöden Heuchelei herabsinkende Richtung. Während der Herrschaft des Nationalismus und des Indifferentismus zog er sich in engere Kreise zurück und schien ganz erstorben zu sein, bis er in unserm Jahrhundert, durch die gewaltigen Zeitbewegungen gefördert, sich nochmals als moderner P. erhob. Eine begeisterte Vertreterin und Verbreiterin fand derselbe an der Frau v. Krüdener. Es entstanden die frommen Konventikel, Kassen zur Verbreitung von Traktätchen und Vereine für Belebung der innern und äußern Mission, welche in Opferfreudigkeit, aber auch in Vielgeschäftigkeit wetteiferten, sich hin und wieder, wie in Königsberg 1835 (s. Ebel 2), mit schwärmerischer Mystik verbinden oder, wie im Elberfelder Waisenhaus 1861, in eine Erweckungsepidemie ausarteten. Berlin, Halle, das Mulde- und Wupperthal, dann Württemberg waren die Plätze, wo dieser moderne P. die zahlreichsten Anhänger fand. Durch seine Vorliebe für die alten Formen des Kirchenglaubens und seine Opposition gegen den Rationalismus wurde der P. ein natürlicher Verbündeter der wieder auflebenden Rechtgläubigkeit, und beide Richtungen, die sich früher bekämpft hatten, söhnten sich nunmehr aus, um infolge der politischen und sozialen Stürme der Jahre 1848 und 1849 das Übergewicht in der evangelischen Kirche Deutschlands zu erringen. Verwandt sind den deutschen Pietisten die Mômiers (s. d.) in der Schweiz und die Methodisten (s. d.) in England. Vgl. Märklin, Darstellung und Kritik des modernen P. (Stuttg. 1839); Hüffell, Der P. geschichtlich und kirchlich beleuchtet (Heidelb. 1846); Schmid, Geschichte des P. (Nördling. 1863); Heppe, Geschichte des P. und der Mystik in der reformierten Kirche (Leid. 1879); Ritschl, Geschichte des P. (Bonn 1880-86, 3 Bde.); Sachsse, Ursprung und Wesen des P. (Wiesbad. 1884); Renner, Lebensbilder aus der Pietistenzeit (Brem. 1886).

Pietra fungája (ital.), Pilzstein, s. Polyporus.

Pietramala, Bergflecken in der ital. Provinz Florenz, Gemeinde Firenzuola, an der Straße von Bologna nach Florenz, unter dem auch nach P. benannten Paß Futa (s. d.), mit brennender Naphthaquelle.

Pietraperzia, Stadt in der ital. Provinz Caltanissetta (Sizilien), Kreis Piazza Armerina, mit normännischem Kastell, Handel mit Schwefel, Gips, Getreide und Südfrüchten und (1881) 10, 836 Einw.

Pietrasánta, Stadt in der ital. Provinz Lucca, an der Bahnlinie Pisa-Spezia, unweit des Golfs von Genua, liegt teils auf einem Hügel, mit Mauern umgeben, teils in der mit Oliven und Wein bebauten Strandfläche, hat eine schöne Hauptkirche, San Martino, aus dem 14. Jahrh., mit bemerkenswerten Chorstühlen, einem Tabernakel von L. Stagi sowie einer Taufkapelle mit Bronzen von Donatello, einen alten Glockenturm, ein Rathaus (von 1346) und (1881) 3951 Einw. Dabei Marmorbrüche.

Pietri, Joachim, franz. Polizeipräfekt, geb. 1820 zu Sartène in Corsica, machte seine Studien in der Rechtsschule zu Paris, ließ sich dann in seiner Vaterstadt als Advokat nieder und ward 1848 Präfekt, 1866 Polizeipräfekt von Paris. In dieser Stellung entwickelte er eine große Thätigkeit und brachte namentlich das geheime Polizeiwesen in großen Aufschwung. 1879-85 war er Senator.

Pietsch, Ludwig, Schriftsteller und Zeichner, geb. 25. Dez. 1824 zu Danzig, bezog 1841 die Berliner Kunstakademie, trat 1843 in das Atelier des Porträtmalers Otto ein und verschaffte sich bald als einer der fruchtbarsten und talentvollsten Illustrationszeichner allgemeine Anerkennung. In der Folge widmete er sich mehr der litterarischen Thätigkeit, besonders seit seinem Engagement als Feuilletonist der "Vossischen Zeitung" (1864). Aus der Menge seiner Reisefeuilletons sammelte er das Beste in den Bänden: "Aus Welt und Kunst" (Jena 1866, 2 Bde.); "Orientfahrten" (Berl. 1870); "Kriegsbilder von Berlin bis Paris" (das. 1871); "Marokkobriefe von der deutschen Gesandtschaftsreise" (Leipz. 1879); "Wallfahrt nach Olympia 1876" (Berl. 1879).

Pieve di Cadore (d. h. Kirchspiel von Cadore), Distriktshauptort in der ital. Provinz Belluno (Venetien), malerisch im Alpenthal des Piave gelegen, mit einem Kastell, Holzhandel und (1881) 664, als Gemeinde 3384 Einw., berühmt als Tizians Geburtsort. Hier 1797 Sieg der Franzosen über die Österreicher. Nach P. werden auch die das Thal des Piave und des Tagliamento umgebenden Friauler Alpen Cadorische Alpen genannt (Antelao 3253 m, Cridola 2583 m, Premaggiore 2471 m).

Piëzometer (Örstedscher Kompressionsapparat, auch Sympiëzometer, griech., "Druckmesser"), physikal. Apparat, mit welchem man die Zusammendrückbarkeit der Flüssigkeiten prüfen kann. Ein birnförmiges Gefäß a (s. Figur), welches in eine feine Thermometerröhre ausläuft, wird mit der zu untersuchenden Flüssigkeit, z. B. mit reinem ausgekochtem Wasser, gefüllt. Man stellt das Gefäß mit der Röhre nach unten und läßt durch Erwärmen und Abkühlen etwas Quecksilber in die Röhre treten. Nun hat man in dem Gefäß ein bestimmtes Volumen Wasser, dessen Verhalten an einer auf dem Thermometerrohr angebrachten Skala abgelesen wird. Vorher war genau festgestellt worden, wie sich der Rauminhalt eines zwischen zwei Teilstrichen der Skala befindlichen Röhrenstückes zum Rauminhalt des ganzen Gefäßes verhält. Das Gefäß stellt man nun nebst einem ebenfalls in das Quecksilber b eintauchenden Luftmanometer in einen starken Glascylinder ce, füllt diesen mit Wasser, welches gleiche Temperatur mit dem im kleinen Gefäß enthaltenen haben muß, und komprimiert es mittels einer auf dem fest schließenden Deckel befindlichen Druckpumpe d. Hierbei steigt das Quecksilber im Ther-^[folgende Seite]

^[Abb.: Piëzometer.]