Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

58

Piki - Piktographie.

zelne Blätter. Folge oder Sequenz nennt man die in einer Reihe aufeinander folgenden Blätter von derselben Farbe. Nach ihrem Umfang haben sie besondere Namen und Werte. Ein Reihe von 3 Karten heißt Terz (und gilt 3 Points), von 4 Quarte (4), von 5 Quinte (15), von 6 Sexte (16), von 7 Septime (17), von 8 Oktave (18). Kunststück heißt das vier- oder dreifache Vorhandensein von Karten im Wert zwischen As und Zehn; im erstern Fall wird es Geviert, im andern Gedritt genannt; dieses gilt 3, jenes 14 Points. Nach geschehener Zählung spielt die Vorhand aus. Es muß stets Farbe bekannt werden. Jedes einzelne Ausspielen und jeder gemachte Stich zählen 1; doch wird, wenn der Ausspieler auch den Stich macht, ihm für beides zusammen nur 1 gerechnet. Für den letzten Stich, der beim Ausspielen der 12 Karten gemacht wird, zählt man meistenteils 3. Wer die größere Zahl von Stichen gemacht hat, rechnet dafür 10. Hat jeder 6 Stiche, so bleiben sie stehen und werden je nach Übereinkunft demjenigen zugeschrieben, der im nächsten Spiel die meisten Stiche macht. Ist der Gegner nicht im stande, etwas Gültiges anzusagen, und kann er keinen einzigen Stich machen, so zählt die Vorhand, wenn sie eine Anzahl von Augen angesagt hat und mit diesen durch das ununterbrochene Ausspielen bis auf 30 gekommen ist, statt 30 nun 60 (macht einen "Sechziger") und weiterhin 61, 62 etc. Wenn einer von den Spielenden nichts Gültiges anzumelden hat, der andre aber durch fortgesetztes Anmelden bis auf 30 kommt, so macht er einen "Neunziger". Macht einer alle Stiche (capot oder Vole), so zählt er dafür 30 extra. Hat einer der Spieler nach beendigtem Kauf lauter Bilder (Figuren, cartes blanches), so trägt ihm dies 10 ein. Gewöhnlich wird hierbei auch die Zehn als Bild betrachtet. Das P. wird entweder nach Partien oder nach Augen gespielt. Beim Partiespiel wird nicht weiter als bis zu 100 Augen gespielt. Bekommt der Verlierende nicht 50 Augen, so muß er das Doppelte des ausgemachten Preises zahlen.

Piki, neugriech. Bezeichnung für Meter.

Pikieren (piquieren, franz.), stechen; sticheln, reizen; sich auf etwas p., seine Ehre in etwas setzen, etwas eifrigst treiben; pikiert, gereizt, empfindlich. - Als technischer Ausdruck der Violinspieler bezeichnet P. das non legato (Halbstakkato), d. h. das nicht eigentlich abgestoßene, sondern nur nicht gebundene Spiel eines schnellen Ganges mit einem Bogenstrich, gefordert durch Stakkatopunkte unter den Legatobogen, eins der schwierigsten Probleme des virtuosen Spiels, das ein ungemein leichtes Handgelenk und lose Bogenführung erfordert. - In der Gärtnerei heißt P. das Weiterpflanzen junger Sämlinge, die in Samenschale, Beet u. dgl. gewöhnlich zu dicht stehen, zum Zweck der Erstarkung vor dem Aussetzen an den Ort ihrer Bestimmung (ins Treibbeet, freie Land oder in Töpfe). Das P. geschieht oft mehrere Male, zuerst bei kleinsten Pflanzen mit größter Vorsicht vermittelst eines Griffels, später, indem man die Pflanzen immer weiter auseinander stellt. Nach dem Angießen müssen die pikierten Pflanzen beschattet, auch wohl kurze Zeit in geschlossene Luft gebracht werden.

Pikör (franz. Piqueur), Name der dienstthuenden Jäger bei der Parforcejagd; auch s. v. w. Bereiter, reisender Leibdiener eines Vornehmen.

Pikrāte, s. v. w. Pikrinsäuresalze, z. B. Kaliumpikrat, pikrinsaures Kali.

Pikrātpulver, s. Schießpulver.

Pikrīnsäure (Trinitrophenol, Pikrinsalpetersäure, Weltersches Bitter, Indigbitter, Kohlenstickstoffsäure, Trinitrokarbolsäure) C6H3N3O7 ^[C_{6}H_{3}N_{3}O_{7}] entsteht beim Kochen sehr vieler tierischer und pflanzlicher Stoffe, wie Salicin, Indigo, Seide, Wolle, Leder, Aloe, Benzoe, Xanthorrhöaharz etc., mit Salpetersäure. Zur Darstellung läßt man Phenol in Salpetersäure vom spez. Gew. 1,3 tropfen, solange noch Einwirkung erfolgt, erwärmt dann, läßt die entstandene P. kristallisieren und reinigt sie durch Umkristallisieren. Vorteilhafter verwendet man statt des Phenols phenolsulfosaures Natron, oder man behandelt Botanybaiharz mit Salpetersäure. Die gereinigte P. bildet hellgelbe, geruchlose, glänzende Kristalle, schmeckt intensiv bitter, ist giftig, löst sich ziemlich schwer in kaltem, leicht in heißem Wasser, in Alkohol, Äther und Benzol, schmilzt bei 122,5°, sublimiert bei vorsichtigem, verpufft bei schnellem Erhitzen, färbt Wolle und Seide, nicht aber vegetabilische Faser intensiv gelb, reagiert sauer und bildet mit Basen im allgemeinen lösliche, kristallisierbare, rote oder gelbe Salze (Pikrate), welche zum Teil beim Erhitzen und durch Schlag sehr heftig explodieren. Man hat bisweilen statt reiner P. das Natronsalz (als Anilingelb) in den Handel gebracht, welches infolge seiner explosiven Eigenschaft zu großen Unglücksfällen Veranlassung gegeben hat. Mit Cyankalium bildet P. Isopurpursäure (s. d.). P. dient besonders zum Gelbfärben und in Verbindung mit Anilingrün, Indigo oder Berliner Blau zum Grünfärben von Wolle und Seide. Man kann sie auch benutzen zur Unterscheidung animalischer und vegetabilischer Fasern. Bisweilen soll sie als Hopfensurrogat benutzt worden sein; ihre Salze dienen zur Bereitung des sogen. Pikrin- oder Pikratpulvers.

Pikrocyamīnsäure, s. Isopurpursäure.

Pikrolith, Mineral, s. Serpentin.

Pikromerīt, Mineral, s. v. w. Schönit.

Pikrotoxīn (Kokkulin, Kokkolin) C12H14O5 ^[C_{12}H_{14}O_{5}] findet sich in den Kokkelskörnern und wird erhalten durch Auskochen des alkoholischen Extrakts derselben mit Wasser, Entfärben des Auszugs mit Bleizucker und Verdampfen der wieder entbleiten Flüssigkeit. Es bildet farb- und geruchlose Kristalle, schmeckt sehr bitter, löst sich leicht in Alkohol, schwerer in Wasser und Äther, reagiert neutral, ist nicht flüchtig und bildet mit Basen kristallisierbare Verbindungen. Es scheint auf alle Tierklassen äußerst giftig zu wirken, erregt in sehr geringen Dosen Schwindel und wirkt in größern Dosen unter Konvulsionen tödlich.

Piktăver (Pictavi, Pictones), kelt. Volk im aquitanischen Gallien, südlich von dem untern Liger, mit der Hauptstadt Limonum (jetzt Poitiers).

Pikten (auch Peghten, lat. Picti), die kelt. Bewohner von Kaledonien (s. d.), werden meist in Verbindung mit den aus Irland eingewanderten Skoten genannt, mit denen sie häufige Einfälle in das römische Britannien, namentlich nach dem Abzug der Römer, unternahmen, wurden aber um 450 von den Angelsachsen zurückgetrieben und nach langen Kämpfen auch aus dem südlichen Schottland verdrängt, worauf ihr Name verschwindet.

Piktenhäuser (Picts' houses), oberirdische, außen mit Erde bedeckte Wohnungen der vorgeschichtlichen Bevölkerung Schottlands; bestehen aus mehreren aus Steinen erbauten Kammern, die im Innern miteinander kommunizieren, und sind den Bienenkorbhäusern (s. d.) Schottlands nahe verwandt.

Piktenmauer (Piktenwall), s. Hadrianswall.

Piktographie (lat.-griech., Bilderschrift), die primitivste Art und Weise, um durch auf Baumrinden,