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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Pilatus - Pillau.

von weißem Gestein, ein Naturspiel, steht. Der P., schon im J. 1518 von dem St. Gallischen Reformator Vadian bestiegen, bietet dem Botaniker eine reiche Flora dar. Der zum Alpnacher See abfallende Teil des Bergs heißt Lopperberg, welchen der Bergpfad von Alpnach nach Hergiswyl im Renggpaß (883 m) überschreitet. Man ersteigt den Esel am häufigsten von Hergiswyl in 4 Stunden; etwas länger, aber bequemer und schöner ist der Weg von Alpnach, von wo aus seit 1888 eine Zahnradbahn hinaufführt. Vgl. Kaufmann, Der P. (in den "Beiträgen zur geologischen Karte der Schweiz", Bern 1867).

Pilatus, Pontius, röm. Prokuratur von Judäa zur Zeit Jesu, den er gegen bessere Überzeugung dem Haß der Priester und Pharisäer opferte. Er bekleidete sein Amt zehn Jahre lang, erregte aber durch sein willkürliches, gewaltsames Verfahren mehrmals Unruhen in Jerusalem und ward deshalb von dem Präses von Syrien, Vitellius, nach Rom geschickt, um vor dem Kaiser Tiberius selbst Rechenschaft abzulegen. Hier traf er jedoch erst nach des Tiberius Tod 37 ein. Darauf soll er sich nach der christlichen Sage selbst entleibt haben. Nach der mittelalterlichen Pilatus-Legende wurde sein Leichnam in den Tiber geworfen; da derselbe aber den Fluß über die Ufer trieb, versenkte man ihn in den Pilatussee in der Schweiz, wo er noch heute die wilden Stürme verursacht. Die kirchliche Tradition nennt des P. Frau, die ihn infolge eines Traums vor der Verurteilung Jesu gewarnt habe, Procla oder Claudia Procula; sie wird in der griechischen Kirche als Heilige verehrt. Über die ihm untergeschobenen Schriftwerke s. Acta Pilati.

Pilaw (pers., Pillaw, Pilau, Pilo), eine Reisspeise, das Hauptgericht in der Türkei, in Persien und Mittelasien, welches, verschieden zubereitet, zu Anfang oder zum Schluß der Mahlzeit genossen wird. Der türkische P. besteht aus in Wasser gekochtem und in Fett gedämpftem Reis, gemischt mit Safran, Pfeffer, Paradiesäpfelsauce oder Honig, Fruchtsaft oder Maiskörnern; in Persien werden gedörrte Früchte, Huhn- oder Schaffleisch beigegeben, während der mittelasiatische (uzbekische) P. aus Fleisch, Grünzeug, Früchten, Gewürzen und vielem Fett besteht.

Pilchard (spr. piltscherd, echte Sardine, Alosa pilchardus Art.), ein Fisch aus der Gattung Alse, bis 30 cm lang, dem gewöhnlichen Hering ähnlich, aber kleiner und dicker; oberseits bläulichgrün, an den Seiten und unterseits silberweiß, auf den Kiemendeckeln goldig schimmernd und dunkler gestreift, lebt an den westeuropäischen Küsten von Gibraltar bis Schweden, besonders an der Südküste Englands, verhältnismäßig vereinzelt am Meeresgrund, vereinigt sich aber im März zu großen Scharen und erscheint in diesen bis Juli an den Küsten. Die Laichzeit zieht sich vom Mai bis in den Herbst hinein. Er nährt sich von kleinen Garneelen und andern Seetieren. An den englischen Küsten wird eine bedeutende Fischerei auf den P. betrieben, und in Einem Zug werden oft unglaubliche Mengen erbeutet. Man salzt den Fisch ein (Sardellen), mariniert ihn oder kocht ihn schwach gesalzen in Öl, in welchem Zustand er dann als Sardine in den Handel kommt. Die gesalzene Ware geht hauptsächlich nach Italien.

Pilchowitz, Flecken im preuß. Regierungsbezirk Oppeln, Kreis Rybnik, 260 m ü. M., mit kath. Pfarrkirche, Schullehrerseminar und (1885) 899 Einw.

Pilcomayo, Fluß in Südamerika, entspringt am Ostabhang der Andes im Departement Potosi der Republik Bolivia in zwei Quellflüssen, fließt in sehr gewundenem Lauf südöstlich durch den Gran Chaco, indem er die Grenze zwischen Paraguay und Argentinien bildet, und mündet, der Stadt Asuncion gegenüber, rechts in den Rio Paraguay. Ein Arm des Flusses soll weiter nördlich (24° 47' südl. Br.) in den Paraguay münden. Der P. ist der aus der größten Höhe stammende Zufluß des Paraguaysystems, sein Lauf beträgt 2500 km, und er soll für flach gehende Boote schiffbar sein.

Pilee, s. Zucker.

Pileus (lat.), runde, fest an den Schläfen anliegende Filzmütze der alten Römer (vgl. Abbildung). P. ruber, roter (Kardinals-) Hut.

^[Abb.: Pileus.]

Pilger (Pilgrim, v. lat. peregrinus, "Fremder"; auch Waller, Wallbruder genannt), Reisender zu Fuß, besonders der aus Andacht nach fernen heiligen Orten Wallfahrende, daher Pilgerfahrt. Das Pilgerkleid bestand früher in einer braunen oder grauen Kutte mit Kragen; der Pilgerhut hatte einen sehr breiten Rand und war gewöhnlich mit Muscheln geziert. Der Pilgerstab war ein langer, oben mit einem Knopf, unten mit einer Spitze, an der Seite mit einer Kugel versehener Stab, welcher oft besonders geweiht worden war; die Pilgerflasche war ein ausgehöhlter Kürbis. Vgl. Wallfahrten.

Pilgerflasche, s. Gurde.

Pilgermuschel, s. Kammmuscheln.

Pilgram (tschech. Pelhrimov), Stadt im südöstlichen Böhmen, an der Eisenbahn Iglau-Tabor, Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichts, hat eine Dechanteikirche, ein Bezirksgericht, ein Obergymnasium, eine Kunstmühle, Stärkefabrik und (1880) 4202 Einw. 8 km südöstlich liegt der Berg Krzemeschnik mit besuchter Wallfahrtskirche.

Pilgrim, s. v. w. Pilger.

Pilis (spr. -lisch), 1) Markt im ungar. Komitat Pest, an der Österreichisch-Ungarischen Staatsbahn, mit schönem Kastell, Wein- und Getreidebau und (1881) 3900 reform. Einwohnern (Slawen und Ungarn). Bis 1659 gab es ein Komitat P. - 2) Berg im Vérteser Gebirge (s. Bakonyer Wald), westlich von Budapest (755 m).

Piliza (Pilica), Flecken im russisch-poln. Gouvernement Kjelzy, an der P., einem linken Nebenfluß der Weichsel, hat 3 Kirchen, ein Kloster, eine Synagoge und (1885) 4982 Einw., welche Fabrikation von Tuch und Zucker betreiben.

Pillau, Stadt mit Festung dritter Klasse im preuß. Regierungsbezirk Königsberg, Kreis Fischhausen, liegt zwischen der Ostsee und dem Frischen Haff auf einer von Flugsand gebildeten Landzunge am Eingang zum Haff (dem 1510 entstandene Gatt oder Pillauer Tief), dicht neben der Festung, die, ein ziemlich regelmäßiges Fünfeck, das Gatt beherrscht, und an der Linie P.-Prostken der Ostpreußischen Südbahn. Der Hafen, zugleich Vorhafen von Königsberg, Elbing und Braunsberg, ist im letzten Jahrzehnt durch großartige Bauten erweitert und gesichert. Auf der Nordermole steht der durch Gas gespeiste Leuchtturm, auf der Südermole eine 6 m hohe Leuchtbake. P. hat eine evangelische und eine reform. Kirche, ein Realprogymnasium, eine Navigationsschule, ein Amtsgericht, ein Hauptzollamt, eine Reichsbankneben-^[folgende Seite]