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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Piotin; Piotrkow; Piove di Sacco; Piovérna; Pipa; Pipe; Piper

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Piotin - Piper.

sind. Die 4. Kompanie ist die Mineurkompanie, welche als Stamm für die Aufstellung von 3 Festungs-Pionierkompanien für den Festungskrieg (beim Angriff zur Besetzung der Ingenieur-Belagerungstrains) bei der Mobilmachung dient. Außerdem werden von den Pionieren im Krieg die 12 Feld- und 7 Etappen-Telegraphenabteilungen (auch Bayern und Württemberg formieren solche) aufgestellt. Infanterie- und Kavalleriepioniere sind in den einfachsten technischen Verrichtungen des Feldpionierdienstes ausgebildete Mannschaften dieser Waffen zur Ausübung derselben im Biwak, auf Märschen u. auf dem Gefechtsfeld; sie sind zu diesem Zweck mit tragbarem Schanzzeug ausgerüstet. Österreich hat 1 Pionierregiment.

Piotin, s. Saponit.

Piotrkow, Stadt, s. Petrokow.

Piove di Sacco, Distriktshauptort in der ital. Provinz Padua, mit schöner Hauptkirche, Stadthaus, Erzeugung von Binsenmatten und (1881) 2952 Einw.

Piovérna, Fluß in der ital. Provinz Como, entspringt in mehreren Quellen auf dem Monte Grigna und Monte Aralatta, durchströmt das an Eisenwerken reiche und guten Honig liefernde Val Sassina und mündet, einen 64 m hohen Wasserfall bildend, bei Bellano in den Comersee.

Pipa, Wabenkröte.

Pipa, Flüssigkeitsmaß, in Spanien und Portugal besonders für Wein, in Porto = 534 Lit., in Malaga = 583 L., in Katalonien = 482 L., in Kastilien = 436 L., in Alicante = 485 L.

Pipe (engl., spr. peip), Flüssigkeitsmaß, in England à 2 Hogsheads = 126 Gallons. Die Imperialpipe = 572,48 Lit. Im englischen Zollamt wird die P. importierter Weine, je nach Bezugsorten, tarifmäßig und den Originalgebinden nahe entsprechend, zu 92-117 Imperialgallons gerechnet. Die alte P. in Nordamerika = 476,94 L.; am Kap = 110 alten engl. Gallons = 416,37 L. - Auch ein dän. Flüssigkeitsmaß, s. Ahm.

Piper L., Gattung aus der Familie der Piperaceen, Kräuter oder Bäume, meist Sträucher, häufig schlingende mit einfachen, gestielten Blättern, ährigen, selten doldigen, terminalen oder blattgegenständigen Blütenständen, sitzenden oder der verdickten Blütenstandsachse eingesenkten, zwitterigen oder eingeschlechtige Blüten und sitzender oder gestielter Beere. Etwa 600 Arten in den gesamten Tropen. P. angustifolium Ruiz et Pav. (P. elongatum Vahl, Arthante elongata Miq.), ein Strauch in den feuchten Wäldern der Kordilleren von Peru, Brasilien, Panama, mit kurzgestielten, oblong lanzettlichen, lang zugespitzten, fast lederigen, stumpf gekerbten, oberseits warzigen und rauhhaarigen, unterseits weicher behaarten Blättern und dicht gedrängten, grünlichen Blüten, wird hier und da kultiviert und liefert, wie P. aduncum L., ein Strauch in Brasilien, Guayana, Neugranada, Panama, Mexiko und Westindien, mit größern, länglich elliptischen, sehr lang zugespitzten, ganzrandigen, unterseits fast kahlen Blättern, das Matikokraut, welches schwach aromatisch nach Kubeben oder Minze riecht, angenehm oder wenig scharf bitterlich und aromatisch schmeckt und Harz und ätherisches Öl neben Gerbstoff enthält. Es wirkt blutstillend und wird in Brasilien schon seit sehr langer Zeit arzneilich benutzt; 1827 wurde es in Amerika, 1839 durch Jeffreys in Europa bekannt, fand aber erst in neuerer Zeit größere Verwendung gegen Schleimflüsse. Man benutzt auch ein aus den Blättern gewonnenes hellgelbes, dickflüssiges, schweres, brennend gewürzhaft schmeckendes ätherisches Öl in Gelatinekapseln. Wurzeln und Blätter von P. aduncum werden in Brasilien als stimulierendes Mittel, die Früchte wie Kubeben benutzt. Von P. heterophyllum Ruiz et Pav., in Peru, werden die Blätter wie Betel gekaut und als magenstärkender Thee benutzt. P. Cubeba L. fil. (Cubeba officinalis Miq., Kubebenpfeffer, s. Tafel "Arzneipflanzen II"), bis 6 m hoher Strauch mit kurzgestielten, länglich bis eiförmig elliptischen, zugespitzten Blättern, diözischen Blüten, schlank walzenförmigen männlichen Blütenähren, dickern weiblichen Ähren und gestielten, fast kugeligen Beeren, in Südborneo, auf Java und Sumatra heimisch, wird auf den beiden letztern Inseln und auf den Antillen (häufig in Kaffeeplantagen) kultiviert und liefert die Kubeben (s. d.). P. nigrum L. (schwarzer Pfeffer, s. Tafel "Gewürzpflanzen"), ein mittels Luftwurzeln kletternder, über 5 m hoher Strauch mit fingerdickem Stengel, kurzgestielten, breit eiförmigen, zugespitzten Blättern, monözischen oder diözischen Blüten in schlanken, lockerblütigen Ähren und kugeligen, erbsengroßen, grünen, dann roten, zuletzt gelben Beeren, ist heimisch in den heißen und feuchten Wäldern von Travankor und Malabar und wird jetzt auf Ceylon, Sumatra, Java, Borneo, den Philippinen, in Hinterindien und Westindien kultiviert. Man vermehrt ihn durch Stecklinge, läßt ihn rebenartig an Bäumen mit wenig dichtem Laub (Mangifera, Erythrina, Uncaria Gambir, Areca etc.) oder an Stangen emporklettern, wobei er an der Rinde der Bäume wurzelt, und hält ihn niedrig. Er beginnt schon im ersten Jahr zu tragen, liefert im Alter von 5-15 und 20 Jahren 4-5 kg Beeren und geht dann allmählich ein. Man erntet die Früchte im unreifen Zustand, sobald sich die untern Beeren eines Fruchtstandes zu röten beginnen, löst die Beeren nach dem Pflücken von den Spindeln ab und trocknet sie an der Sonne oder über mäßigem Feuer. Die dünne Fruchthaut des Pfeffers schließt einen einzigen Samen fest ein, dessen Embryo wegen der frühzeitigen Ernte nicht entwickelt, sondern gewöhnlich nur durch eine unter der Spitze liegende Höhlung vertreten ist. Der Same selbst enthält in der dünnen, braunroten Samenschale ein glänzendes, außen grünlichgraues, hornartiges, im Innern weißes, mehliges Eiweiß. Der beißend scharfe Geschmack des Pfeffers ist durch Harz bedingt; ein ätherisches Öl (1 Proz.), isomer mit Terpentinöl, besitzt mehr den Geruch als den Geschmack des Pfeffers, welcher außerdem 5 Proz. Mineralstoffe und etwa 2-8 Proz. Piperin C17H19NO3 ^[C_{17}H_{19}NO_{3}] enthält. Letzteres bildet farb-, geruch- und geschmacklose Prismen, löst sich leicht in Alkohol (die alkoholische Lösung schmeckt pfefferartig), schwer in Äther, kaum in Wasser, reagiert neutral, ist nicht flüchtig und gibt, mit Kalilauge gekocht, stark basisches Piperidin C5H11N ^[C_{5}H_{11}N] u. Pikrinsäure C12H10O4 ^[C_{12}H_{10}O_{4}]. Letztere wird durch übermangansaures Kali in Piperonal C8H6O3 ^[C_{8}H_{6}O_{3}] verwandelt, welches heliotropartig riecht und als Heliotropin in der Parfümerie benutzt wird. Weißer Pfeffer wird von derselben Pflanze gewonnen, aber aus reifen Beeren bereitet, indem man diese nach mehrtägigem Liegen im Wasser so lange zwischen den Händen reibt, bis die fleischige Schicht völlig entfernt ist. Die Straits Settlements liefern davon jährlich 1-1,25 Mill. kg, welche größtenteils nach China gehen, während man in Europa den schärfern schwarzen Pfeffer vorzieht. Hauptmärkte für den Pfeffer sind in Europa: London, Amsterdam und Hamburg; der beste Pfeffer ist der von Malabar, Mittelsorten sind die von Singapur, Pinang; die holländische Sorte, der Bataviapfeffer, hat