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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Pips - Piraya.

Pips, Krankheit der Vögel, besonders der Körnerfresser, ein katarrhalisches Leiden, bei welchem die Nasenlöcher durch Schleim verstopft sind, so daß die Vögel den Schnabel aufsperren, husten, keuchen und bisweilen erschöpft zu Boden fallen. Bei länger andauernder Krankheit verhärtet sich die Oberhaut der Zunge und des Schlundes, und es treten alle Zeichen eines heftigen Schnupfenfiebers ein. Zimmervögel, welche in dieser Weise leiden, bringt man in einen gleichmäßig warmen, sonnigen Raum; man sucht die Nasenlöcher mit lauwarmem, schwach salzigem Wasser zu reinigen, bestreicht sie mit Baumöl oder bepinselt die kranken Partien mit 3proz. Karbollösung. Vgl. Zürn, Krankheiten des Hausgeflügels (Weim. 1882).

Piqua, Stadt im Westen des nordamerikan. Staats Ohio, am Miami River und Miamikanal, hat lebhaften Handel, einige Fabriken und (1880) 6031 Einw.

Pique (franz., spr. pik), s. Pik.

Piqué (franz.), s. Pikee.

Piquet (franz., spr. -kä), s. Pikett.

Piquette (Piqueton, spr. pikett, pik'tóng, ital. Aquarello), Wein, welcher gewonnen wird, indem man Wasser auf die bereits ausgepreßten Trester gießt und gären läßt; überhaupt ordinärer, saurer Wein (Krätzer, Kutscher).

Piqueur (franz., spr. -kör), s. Pikör.

Piquieren (franz.), s. Pikieren.

Piqûre (franz., spr. -kühr), Stich, s. Leber.

Pir (pers.), geistliches Oberhaupt, Ordenschef, gleichbedeutend mit dem arabischen Scheich, von größtem Einfluß auch außerhalb seines Ordens.

Piracicaba, Stadt in der brasil. Provinz São Paulo, mit Santos durch eine Eisenbahn verbunden, hat verschiedene gewerbliche Anstalten, Ausfuhr von Kaffee und Zucker und 7000 Einw.

Piräeus (Peiraieus), bergige Halbinsel, 8 km südöstlich von Athen, mit dem zu 86,5 m Höhe ansteigenden Berg Munychia, welcher in makedonischer Zeit eine Burg trug, und drei tief eingeschnittenen runden Hafenbecken (Peiraieus, Zea und Munychia), welche Themistokles seit 493 v. Chr. zum Hafen Athens bestimmte und zunächst mit Mauern umgeben ließ. Über den Bau der langen Mauern zwischen P. und Athen, deren mittelste erst Perikles hinzufügte, s. Athen, S. 999. In Perikleischer Zeit wurde auch von Hippodamos aus Milet die Stadt P. mit rechtwinkelig sich schneidenden Straßen angelegt, die Häfen ausgebaut und mit Säulenhallen und Schiffshäusern versehen. Nach Beendigung des Peloponnesischen Kriegs zerstört, ward P. zum Hauptsitz der Demokratie und blühte bald durch die Bemühungen eines Konon, Lykurg, Demosthenes u. a. von neuem auf, namentlich als Handelshafen. Verschiedene fremde Gottesdienst fanden hier Eingang; in den Jahren 347-323 wurde das vielbewunderte Arsenal des Philon errichtet, das erst Sulla 86 v. Chr. mit den übrigen Hafenanlagen niederbrannte. Die Heiligtümer blieben zwar erhalten, aber die Stadt war und blieb verödet, wenn auch nicht ganz entvölkert, wie Reste aus byzantinischer Zeit beweisen. Im Mittelalter hatten hier die Venezianer sich verschanzt, während des griechischen Befreiungskriegs die Türken, und als diese 1827 kapitulierten, war nichts als Schutt und Ruinen übriggeblieben und selbst der Name P. verschollen. Nur zehn Jahre später war bereits unter dem alten Namen eine freundliche Stadt mit geraden Straßen, schönen Wohnhäusern und massiven Warenmagazinen nach den Plänen von Kleanthes, Schaubert und Klenze entstanden; 1871 zählte P. bereits über 11,000 Einw. und 1879 deren 21,055. P. gehört zum Nomos Attika-Böotien, hat ein Gymnasium, Marineschule, Kriegsschule, Börse, Arsenaldepots, Hospitäler, Wasserleitung, Fabriken (Gasfabrik, Dampfmühlen, 6 Baumwollspinnereien, 2 Maschinenfabriken, Holzschneiderei, Bierbrauerei etc.) und ist Hauptexportplatz für Öl und Oliven. Die antiken Reste (2 Theater, Ringmauern, Schiffshäuser, einige Tempel etc.) sind unbedeutend. Über Athen steht P. mit Paträ in Eisenbahnverbindung (vgl. Karte "Umgebung von Athen") und ist seit 1880 Hauptstation des Österreichischen Lloyd (außerdem von drei griechischen und zahlreichen andern Dampfschiffahrtsgesellschaften) und durch denselben in direkter Verbindung mit Konstantinopel, Smyrna, Alexandria, Korfu und Triest. Die Ausfuhr aus P. belief sich 1883 auf 2,422,191 Frank, die Einfuhr auf 48,448,331 Fr.; es liefen 1886: 2426 Dampfer und 7114 Segelschiffe ein, zusammen mit 2,370,231 Ton. Die Anzahl der deutschen Schiffe ist sehr gering (1887 nur 3). Trotzdem exportiert das Deutsche Reich (über Triest) viel nach dem P., namentlich in den letzten Jahren Schienen, Lokomotiven, Eisenbahnwagen, Kriegsmaterial etc. P. ist Sitz eines deutschen Konsuls.

Piranēsi, 1) Giambattista, ital. Zeichner und Kupferstecher, geb. 4. Okt. 1720 zu Venedig, bildete sich in Rom zum Zeichner und Kupferstecher aus und war abwechselnd in Venedig und in Rom thätig, wo er 9. Nov. 1778 starb. Er stach mit Vorliebe die römischen Ruinen, denen auch sein Hauptwerk: "Le antichità romane" (Rom 1756; Par. 1836 ff., 29 Bde. mit über 2000 Kupfern; in Auswahl Wien 1887 ff.), gewidmet ist.

2) Francesco, Sohn des vorigen, geb. 1756 zu Rom, setzte die von seinem Vater begründete Kunsthandlung fort und gab ebenfalls Kupferwerke heraus. Er ward schwedischer Geschäftsträger und 1798 Minister der Römischen Republik in Paris, wo er 27. Jan. 1810 starb. - Auch seine Geschwister Pietro und Laura stachen in Kupfer, teilweise als seine Gehilfen. Pietro kehrte später von Paris nach Rom zurück, wo er unter anderm T. Pirolis Abbildungen von Basreliefs herausgab. Laura radierte in einer gefälligen Manier Ansichten römischer Monumente.

Piranhas (spr. -ránjas), Fluß in Brasilien, entsteht in der Provinz Parahyba und mündet in mehreren Armen unterhalb Assu in den Atlantischen Ozean. An der Mündung liegt eine Barre mit 1,5 m Wasser, und der Fluß ist nur 65 km weit, bis Assu, schiffbar. Er ist indes sehr fischreich.

Pirāno, Stadt im österreich. Kronland Istrien, Bezirkshauptmannschaft Capo d'Istria, am Meerbusen Largone, Sitz eines Bezirksgerichts, hat eine gotische Hauptkirche, ein Minoritenkloster und ein Rathaus (beide mit sehenswerten Gemälden), 2 geräumige Häfen (der eine, Porto Rose, etwas südlicher gelegen) mit einem Leuchtturm, ein altes Kastell, eine Kommunalbibliothek, Wein- und Ölkultur, Schiffbau und Schiffahrt: Fischerei, bedeutende Salinen (jährliche Produktion ¼ Mill. metr. Ztr.), Fabriken für chemische Produkte, Seife, Glas und Ziegel, Handel mit Salz, Wein, Oliven etc. und (1880) 9419 Einw. Vom Hafen von P. sind 1885: 2484 Schiffe mit 184,228 Ton. ausgelaufen (von Porto Rose außerdem 242 Schiffe mit 11,489 T.). P. stammt noch aus der Römerzeit und kam 1283 unter venezianische Herrschaft. Am 20. Jan. 1810 wurde es von den Briten beschossen. P. ist die Vaterstadt Tartinis.

Pirāt (lat.), Seeräuber; Piraterie, Seeräuberei.

Piraya, s. Sägesalmler.