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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Pius

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Pius (P. VI., P. VII.).

Trienter Konzils möglichst durchzuführen, drang auf streng sittliches Leben der Geistlichen und Mönche und führte 1566 den "Catechismus romanus" ein. Den Protestantismus bekämpfte er mit allen Kräften. Er bestärkte Philipp II. in seinen grausamen Maßregeln gegen die Niederländer, sprach über die Königin Elisabeth von England den Bann aus, bestätigte das englische Thronrecht Maria Stuarts und befahl 1568 die Verbreitung der Bulle "In coena Domini" durch die ganze Kirche. Mit den Venezianern und dem König Philipp II. von Spanien brachte er eine Liga gegen die Türken zu stande, welche den Seesieg von Lepanto 7. Okt. 1571 herbeiführte. Er starb 1. Mai 1572 und ward 1712 von Clemens XI. kanonisiert. Seine "Epistolae apostolicae" gab Gobau (Antw. 1640) heraus; sein Leben beschrieb Falloux (deutsch, Regensb. 1873).

6) P. VI., eigentlich Giovanni Angelo Braschi, geb. 27. Dez. 1717 zu Cesena, wurde 1744 Auditor bei der päpstlichen Kanzlei, 1753 Geheimschreiber Benedikts XIV., 1766 Generalschatzmeister der päpstlichen Kammer und 1773 Kardinal. Am 15. Febr. 1775 nach langem Streit zwischen Freunden und Gegnern der Jesuiten zum Papst gewählt, erlangte er durch die Schönheit seiner äußern Erscheinung wie durch die Reinheit seiner Sitten große Beliebtheit. Der Verschleuderung der Pfründen machte er ein Ende, behielt aber dafür den einträglichen Ämterhandel bei und begünstigte das Lottospiel. Zwar baute er einen Hafen für Ancona, schaffte die Durchgangszölle in seinem Staat ab und verwendete auf die Austrocknung der Pontinischen Sümpfe ungeheure Summen; doch erregte die Begünstigung seiner Nepoten im Land Unzufriedenheit. Große Schwierigkeiten bereitete ihm die Haltung der weltlichen Mächte. Neapel erkannte die Lehnsherrlichkeit des päpstlichen Stuhls nicht mehr an; Leopold II. von Toscana und Kaiser Joseph II., den P. in Wien 1782 persönlich um Schonung der Rechte der Kirche anging, ließen sich durch ihn in der Ausführung ihrer Reformen nicht stören, und nur der Egoismus mehrerer deutscher Bischöfe hinderte die Durchführung der Emser Punktation (s. Emser Kongreß). 1794 erließ P. ein großes Glaubensedikt in der Bulle "Auctorem fidei", in dem er in wesentlichen Punkten zu gunsten der päpstlichen Hierarchie über das Tridentinum hinausging. Eine Reihe der schwersten Leiden brach infolge der französischen Revolution über P. herein, der vergeblich gegen die Maßregeln derselben gegen die katholische Geistlichkeit protestierte, Avignon und, nachdem er durch die Zahlung von 31 Mill., die Abtretung von Ferrara, Bologna und Ravenna und die Herausgabe wertvoller Kunstwerke von Bonaparte den Frieden von Tolentino (19. Febr. 1797) erkauft hatte, doch schließlich seine weltliche Unabhängigkeit verlor. Da P., nachdem der Kirchenstaat von den Franzosen besetzt und 18. Febr. 1798 zur Republik erklärt worden, sich beharrlich weigerte, die Regierung niederzulegen, ließ die französische Regierung den kranken Greis gefangen über Parma, Piacenza und Turin nach Frankreich bringen, wo er 20. Aug. 1799 zu Valence starb. Sein Leben beschrieben Bourgoing (Par. 1799, 3 Bde.; deutsch von Meyer, Hamb. 1800, 2 Bde.), Artaud de Montor (Par. 1847). Vgl. auch Wolf, Geschichte der römisch-katholischen Kirche unter P. VI. (Zürich 1793-1802, 7 Bde.).

7) P. VII., eigentlich Barnabas Luigi, Graf Chiaramonti, geb. 14. Aug. 1742 zu Cesena, trat 1758 in den Benediktinerorden, ward 1775 zum Abt, nachher zum Bischof von Tivoli, später zum Bischof von Imola und 1785 zum Kardinal ernannt und 13 März 1800 in Venedig unter österreichischem Schutz als Nachfolger des vorigen zum Papst erwählt. Als solcher suchte er die alten hierarchischen Grundsätze in ihrer vollen Strenge geltend zu machen. Ein Hirtenbrief von ihm verdammte sogleich die Philosophie als die Urheberin aller Drangsale der Zeit, und mehrere seiner Bullen brachen über jede freiere Geistesbewegung den Stab. Nachdem er 3. Juli 1800, von österreichischen Truppen beschützt, in Rom eingezogen war, ging er, von seinem Staatssekretär Consalvi unterstützt, klug und vorsichtig an die Ordnung des zerrütteten Staatswesens. Durch den Frieden zu Lüneville erhielt P. den größern Teil des Kirchenstaats zurück, und 15. Juli 1801 schloß er ein Konkordat mit Frankreich, welches ihm das wenn auch vielfach beschränkte Supremat über die französische Kirche zurückgab. Von Napoleon eingeladen, zur Salbung und Kaiserkrönung nach Paris zu kommen, hielt er daselbst 28. Nov. 1804 einen glänzenden Einzug; doch setzte sich Napoleon die Krone selbst aufs Haupt und bewilligte weder die Aufhebung der gallikanischen oder organischen Artikel noch die Rückgabe Avignons und der Legationen. Am 4. April 1805 kehrte P. in tiefem Mißmut nach Rom zurück. Im November 1807 rückten wiederum französische Truppen in den Kirchenstaat ein, und 7. Mai 1809 erklärte Napoleon zu Wien, daß der Papst als weltlicher Herrscher aufgehört habe zu regieren. Der ganze Kirchenstaat wurde dem Kaiserreich einverleibt. Nur die geistliche Macht wurde dem Papst gelassen. Da P. gegen diese Beschlüsse protestierte und 10. Juni über jeden, der zu ihrer Ausführung mitwirken würde, den Bann aussprach, drang in der Nacht des 6. Juli der französische General Radel gewaltsam in den Quirinal ein, verhaftete P. und deportierte ihn mit seinem Staatssekretär, dem Kardinal Pacca, erst nach Grenoble, dann nach Savona; 1812 ward P. nach Fontainebleau gebracht. P.' Haltung während seiner Gefangenschaft war würdig und standhaft; er wies den Glanz einer Hofhaltung und die ihm von Napoleon bestimmten großen Einkünfte zurück und erteilte den Bischöfen, die Napoleon ernannte, die kanonische Bestätigung nicht; auch sprach er sich unumwunden gegen des Kaisers Scheidung von Josephine aus. Als Napoleon aus Rußland zurückkam, nötigte er 25. Jan. 1813 in Fontainebleau P. zur Abschließung eines Konkordats, in dem sich derselbe zur Bestätigung jener Bischöfe verpflichtete und gegen 2 Mill. Frank jährlicher Rente auf seine frühern Besitzungen verzichtete. Da Napoleon dasselbe aber früher, als verabredet war, publizierte, zog P., der seine Nachgiebigkeit als eine Sünde wider die Kirche bitter bereute, 24. März auf den Rat seiner Kardinäle seine Zustimmung zurück, und Napoleon wurde durch die Weltereignisse gehindert, ihn zur Unterwerfung zu zwingen. Am 24. Mai 1814 zog P. unter dem Jubel des Volkes wieder in Rom ein. Mit großer Geschicklichkeit benutzten P. und Consalvi die günstigen Zeitumstände zu einer Restauration der päpstlichen Hierarchie. Die auf dem Wiener Kongreß vertretenen Mächte garantierten ihm den Besitz des Kirchenstaats, mit Ausnahme von Avignon und Venaissin. In der innern Politik der Kirche ging P. seitdem von streng hierarchischen Grundsätzen aus; er stellte den Jesuitenorden und die Inquisition wieder her, verdammte 1816 die Bibelgesellschaften, verbot die nicht approbierten Bibelübersetzungen und erließ scharfe Gesetze gegen die Freimaurer und Karbonari. Über die