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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Pius-Orden; Pius-Verein; Pivot; Pix; Pixis; Piz; Pizarro

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Pius-Orden - Pizarro.

jeder Gelegenheit mit Schmähungen. Auch mit dem neuen deutschen Kaiserreich, das die jesuitischen Pläne so unerwartet durchkreuzte, nahm er den Kampf in der herausforderndsten Weise auf. Nachdem er 24. Juni 1872 die drohende Äußerung vom Steinchen, das den Fuß des Kolosses zerschmettern werde, gethan, richtete er 3. Aug. 1873 den anmaßenden Brief an Kaiser Wilhelm und erklärte in der Encyklika vom 5. Febr. 1875 die preußischen Maigesetze für ungültig. Mit unverwüstlicher Siegesgewißheit verfolgte er seine überspannten Ziele, und das Glück begünstigte ihn insofern, als er trotz seines hohen Alters und seiner mitunter schwankenden Gesundheit nicht bloß sein 25jähriges, sondern 1876 sogar sein 30jähriges Jubiläum feierte. Im 86. Lebensjahr starb er 7. Febr. 1878 und wurde 1881 in San Lorenzo beigesetzt. Vgl. die Biographien von M. Marocco (Turin 1861 ff., 5 Bde.), Legge (Lond. 1875, 2 Bde.), Gillet (franz., Münster 1877), Wappmannsperger (Regensb. 1878), Stepischnegg (Wien 1879, 2 Bde.) und Pougeois (Par. 1877-86, 6. Bde.), sowie die kürzeren Lebensbilder von R. Pfleiderer (Heilbr. 1878) und Hasemann (Leipz. 1878).

Pius-Orden, vom Papst Pius IX. 17. Juni 1847 gestifteter Ritterorden zur Belohnung von Männertugend und Verdienst, hat zwei Grade: Ritter der ersten Klasse, welche den Erbadel, Ritter der zweiten Klasse, welche den persönliche Adel erhalten. Die Insignien sind: ein goldener achtspitziger, dunkelblauer Stern mit goldenen Flammen zwischen den Armen, in der Mitte ein weißer Schild mit dem Namen "Pio IX" in Gold, um den Schild ein goldener Rand mit der Devise: "Virtuti et merito", auf der Rückseite: "Anno MDCCCXLVII". Die Ritter erster Klasse tragen ihn an einem blauen, doppelt mit Purpur geränderten Band um den Hals, die der zweiten Klasse auf der Brust; außerdem trägt die erste Klasse einen silbernen Bruststern von ganz gleicher Form. Endlich tragen die Piusritter eine dunkelblaue Uniform, mit Gold gestickt, je nach der betreffenden Klasse.

Pius-Verein, im April 1848 zu Mainz entstandene und über das ganze katholische Deutschland verzweigte Verbindung, welche die unbeschränkte Autonomie des römisch-katholischen Kirchenwesens erstrebt. Zu diesen Vereinen gehören unter andern der auf Erhaltung katholischer Gemeinden in protestantischen Gegenden gerichtete Bonifacius-Verein, welcher als Gegenstück zum Gustav-Adolf-Verein zu Regensburg im Herbst 1849 auf Betreiben des Grafen Stolberg gestiftet wurde, und der im Mai d. J. auf einer ähnlichen Versammlung in Breslau ins Leben gerufene Vincentius-Verein für innere Mission, Armenpflege etc. Der Bonifacius-Verein hatte bis 1881 über 260 Missionsstellen und über 310 Schulen errichtet oder im Bestehen gesichert. Im J. 1882 hat er 638,682 Mk. eingenommen, 668,893 Mk. ausgegeben; davon sind 474 Missions- und Schulstellen in 27 Diözesen unterstützt, bez. neu errichtet worden. Im ganzen hat er bisher über 10 Mill. Mk. verwenden können. Der P. selbst erhielt im Februar 1849 die päpstliche Sanktion und betreibt seither mit Erfolg Konzentration der Erziehung in den Händen des Klerus, Wiedererwerbung der eingezogenen Klostergüter für die Kirche, Herstellung von Klöstern und klösterlichen Vereinen und geschlossene Opposition gegen die Staatsregierungen, wo diese solchem Streben hindernd entgegentreten. Das Absehen ist geradezu auf Dienstbarmachung des gesamten geselligen Verkehrs bis in die Studentenkreise und Gymnasialverbindungen herab für die Zwecke des Vereins gerichtet. Den Mittelpunkt für seine so ziemlich alle Gebiete des Lebens umfassende Thätigkeit bilden die jährlichen Generalversammlungen, die in den größern katholischen Städten stattfinden.

Pivot (franz., spr. -woh), Zapfen, Angel, Angel- oder Drehpunkt; daher beim Militär der Punkt, um den eine Schwenkung stattfindet.

Pix (lat.), Pech; P. liquida, Teer; P. navalis, nigra, solida, Schiffspech.

Pixis, 1) Friedrich Wilhelm und sein Bruder Johann Peter, ersterer Violin-, letzterer Klavierspieler, geb. 1786 und 1788 zu Mannheim, bildeten sich unter Leitung ihres Vaters, eines namhaften Organisten, aus und unternahmen gemeinsam mehrere Kunstreisen, bis sich der ältere 1810 als Orchesterdirektor am städtischen Theater zu Prag niederließ, wo er später Professor am Konservatorium wurde und 20. Okt. 1842 starb. Der jüngere wirkte von 1825 bis 1845 in Paris, dann in Baden-Baden und starb 22. Dez. 1874 in letzterer Stadt. Ihre Kompositionen bestehen in Solosätzen für Klavier und Violine, Trios, Quartetten etc.; auch hat der ältere die Oper "Bibiana" auf die Bühne gebracht. Die Adoptivtochter des jüngern, Francilla P., geborne Göhringer, geb. 1816 zu Lichtenthal bei Baden-Baden, erwarb sich einen geachteten Namen als Opernsängerin und errang, teils als Mitglied der Münchener Hofbühne, teils auf Gastspielen in ganz Europa, glänzende Erfolge, bis sie sich um 1846 mit einem italienischen Edelmann, Minofrio, verheiratete. Theodor P., Sohn von Friedrich Wilhelm P., geb. 15. April 1831 zu Prag, Violinvirtuose, wirkte von 1850 an als Lehrer an der rheinischen Musikschule zu Köln und starb 1. Aug. 1856 daselbst.

2) Theodor, Maler, geb. 1. Juli 1831 zu Kaiserslautern, studierte anfangs auf der Münchener Universität die Rechte, widmete sich aber bald unter Phil. Foltz und W. v. Kaulbach der Malerei und trat 1854 zuerst mit einem Coriolan auf. Von 1856 bis 1858 verweilte P. in Italien und zeichnete dann mehrere Kartons aus der Gudrunsage. 1859-61 führte er im bayrischen Nationalmuseum drei Wandgemälde aus der Geschichte Karls X. und Karls XI. aus. 1862 malte P. Calvin bei Servet im Gefängnis, und später entstanden zwölf Kartons zu deutschen Volks- und Lieblingsliedern, drei Kartons zur Schiller-Galerie Bruckmanns, vier Kartons der Jahreszeiten, zahlreiche Illustrationen zu Miltons "Verlornem Paradies" (Lond.), Federzeichnungen zu Richard Wagners Musikdramen für König Ludwig II. und das Sammelwerk "Wagner-Galerie", in welchen Illustrationen er sich als gewandter Nachahmer Kaulbachs zeigte. Seine Ölbilder: Naturgenuß, Abschied der Neuvermählten, vor dem Ball, nach dem Ball, die Zigeunerbeute, der Thespiskarren in der Klemme (1873), Ankunft wandernder Schauspieler (1876) und glückliche Fahrt auf dem Starnberger See halten sich mehr an die elegant-sentimentale Art v. Rambergs. Neuerdings hat er sich durch die Erfindung der nach ihm benannten P.-Patentmalerei bekannt gemacht, welche mit Hilfe der Photographie Ölgemälde alter und neuer Meister reproduziert; doch ist die etwas kompliziert Herstellung dieser Reproduktion sehr bald durch einfachere Methoden verdrängt worden.

Piz (ladin.), s. v. w. Pik, in Graubünden mit vielen Bergnamen verbunden, z. B. P. Languard.

Pizarro, Francisco, der Entdecker und Eroberer von Peru, geb. 1478 zu Trujillo in Spanien als natürlicher Sohn eines Hauptmanns, war in seiner Ju-^[folgende Seite]