Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

126

Plattgatt - Plattner.

weniger bedeutende Vertiefung sich bildet, die natürliche Wölbung des Fußrückens und die Aushöhlung der Fußsohle und des innern Fußrandes verloren gehen und der Fuß mit der ganzen Fläche der Sohle gleich stark den Boden berührt. Der Fuß hat dabei in der Fußwurzel seine größte Breite. Der P. ist meist ungewöhnlich kalt und dabei sehr zum Schwitzen geneigt. Beim Gehen richten die Plattfüßigen die Kniee nach innen, die Füße nach außen, so daß sie am meisten mit dem innern Fußrand auftreten. Der P. verursacht leicht Ermüdung, Schmerzen beim Gehen, Anschwellung der Füße um die Knöchel und Wundwerden der Fußsohlen. Aus diesem Grund sind auch die mit P. Behafteten zum Militärdienst bei der Infanterie nicht tauglich. Fortgesetzte Anstrengung des Plattfußes führt zu chronischer Entzündung der Fußgelenke. Der P. ist angeboren und zeigt sich in verschiedenem Grad gleich nach der Geburt, oder er entwickelt sich später, selten beim weiblichen Geschlecht und bei Kindern unter zehn Jahren. Beim erworbenen P. besteht wahrscheinlich eine Disposition zu dem Übel, welche bei Anstrengung durch Stehen, Gehen etc. zur Deformität selbst führt. In manchen Familien und vielfach bei dem semitischen Völkerstamm ist der P. erblich. Auf seine Entwickelung haben anhaltendes Stehen und manche Gewerbe (Schlosser, Bäcker, Kellner) Einfluß. Zur Heilung des Plattfußes hat Stromeyer einen Stiefel angegeben, in dessen mittlerm Teil ein Stück Leder befestigt ist, welches von unten nach oben und von innen nach außen den mittlern Teil des Fußes umfaßt, dann spitz zuläuft und durch einen Schlitz im Oberleder an dem äußern Fußrand mittels einer Schnalle befestigt wird.

Plattgatt, s. Heck.

Platthuf (Flachhuf), eine Hufform, bei welcher die Sohle nicht ausgehöhlt ist wie beim normalen Huf, und dessen Zehenwand sowie teilweise die Seitenwände eine schrägere Richtung gegen den Erdboden haben, mit der Sohle also einen spitzern Winkel bilden, kommt vornehmlich bei schweren Pferdeschlägen vor, kann auch die Folge von Hufentzündung (Rhehe, Verschlag) sein. Der P. erfordert die Benutzung recht starker und breiter Hufeisen.

Platthufer, s. Klippschliefer.

Plattierte Waren, Blech- oder Drahtwaren, deren Material (gewöhnlich Kupfer, auch Eisen, Neusilber) auf einer oder auf beiden Seiten mit einer Lage von edlem Metall (Gold, Silber, Platin) bedeckt ist. Um Kupfer zu plattieren, wird eine sorgfältig gereinigte und durch Walzen verdichtete Kupferplatte auf einer oder auf beiden Seiten mit einer starken Auflösung von salpetersaurem Silberoxyd bestrichen, wieder abgetrocknet und mit gewalztem und sorgfältig gereinigtem Blech aus feinem Silber belegt. Die Silberplatte wird dann am Rand umgeklopft und durch einen Draht befestigt. Nun erhitzt man die belegte Platte zum starken Rotglühen, reibt sie kräftig mit einer breiten Hammerfinne, um die Metalle in innige Berührung miteinander zu bringen, und läßt sie dann mehrere Male durch ein Walzwerk passieren. Hierdurch vereinigen sich beide Metalle so vollständig, daß sie bei weiterm Auswalzen des Blechs sich gleichmäßig strecken und nicht mehr voneinander zu trennen sind. Man bezeichnet die Stärke der Plattierung, indem man angibt, den wievielten Teil der Verbindung das Silber dem Gewicht nach ausmacht. In der Regel beträgt die Versilberung 1/40-1/10 des Ganzen. Bei 1/40 ist die Silberschicht, wenn das Blech zu 1/5 mm ausgewalzt wird, nur 1/200 mm dick und trotzdem noch viel stärker als bei den meisten andern Versilberungen. Gold- und Platinplattierung wird ebenso hergestellt, nur bestreicht man das Kupfer mit Gold- oder Platinchloridlösung. Die aus platinplattiertem Blech zu fertigenden Gegenstände müssen durch Prägen (Stampfen) hergestellt werden, weil sich infolge der ungleichen Dehnbarkeit die beiden Metalle beim Hämmern voneinander trennen. Die dünnsten gold- und silberplattierten Bleche sind die unechten Folien. Silber kann man mit Gold oder Platin auf dieselbe Weise wie Kupfer plattieren, darf aber keine Chloridlösung der Metalle anwenden, weil diese auf dem Silber Chlorsilber erzeugt, welches die Vereinigung der Metalle verhindert. Goldplattierung auf Silber wird namentlich für Schmucksachen (Dublee) hergestellt (Hanau, Pforzheim, Schwäbisch-Gmünd) und gibt bedeutend haltbarere Vergoldung als das galvanoplastische Verfahren. Blei wird mit Zinn plattiert, indem man gereinigte Platten der beiden Metalle durch Walzen miteinander vereinigt. Wegen der sehr ungleichen Streckbarkeit von Blei und Zinn ist es aber vorteilhafter, eine Bleiplatte in einer eisernen Gußform ganz mit Zinn zu umgießen und dann auszuwalzen. Große Bedeutung hat in neuerer Zeit die Plattierung von Eisen- und Stahlblech mit Nickel gewonnen, welche viel haltbarere Fabrikate liefert als die galvanische Vernickelung. Massive eiserne Gegenstände werden ebenfalls plattiert. Man prägt die Gegenstände in Stanzen oder zwischen Prägstempeln, beizt sie dann mit Salmiaklösung, trocknet sie ab und verzinnt sie. Nun wird das Silberblech in denselben Stanzen hohl ausgepreßt, innen mit Terpentin bestrichen und dann auf den Kern geschoben (wenn nötig in mehreren Stücken). Man umwickelt hierauf das Ganze mit Draht und erhitzt es im Kohlenfeuer, so daß das Zinn schmilzt und als Lot wirkt. Bei diesen Arbeiten ist der Silberüberzug viel stärker als bei dem durch die deutsche Plattierung mit Blattsilber erhaltenen. Kupferdraht wird auf die Weise mit Silber plattiert, daß man ein Rohr von Silberblech heiß auf eine kalte Kupferstanze schiebt, mit einem Polierstahl fest anreibt und dann beide zugleich auszieht. Vgl. Leonische Ware. Die Plattierung ist seit Einführung der Galvanoplastik stark zurückgedrängt worden, und die im Handel vorkommenden "plattierten Waren" sind in der Regel nur galvanisch belegt, also minder wertvoll. - In der Hutmacherei heißt Plattieren das Überziehen von grobem Filz mit einer Schicht feiner Biber- oder Fischotterhaare.

Plattköpfe, Indianer, s. Omagua.

Plattlack, s. v. w. Schellack.

Plattling, Flecken im bayr. Regierungsbezirk Niederbayern, Bezirksamt Deggendorf, an der Isar, Knotenpunkt der Linien Passau-Würzburg und Rosenheim-Eisenstein der Bayrischen Staatsbahn, 318 m ü. M., hat eine kath. Pfarrkirche, ein Schloß und (1885) 2645 kath. Einwohner. Im Nibelungenlied bewirtet hier der Bischof Pilgrim seine Nichte Kriemhild.

Plattmenage (spr. -nahsch), bei den Deutschen (für das franz. surtout) gebräuchlicher Ausdruck für Tafelaufsatz mit Gefäßen für Salz, Pfeffer, Essig, Öl etc.

Plattmönch (Mönch), s. Grasmücke.

Plattnagel, der Nagel an den Zehen der Säugetiere, wenn er platt und vorn abgerundet ist, wie bei den Affen.

Plattnasen (Platyrrhini), s. Affen, S. 141.

Plattner (mittelhochd. Blattenäre), Verfertiger von Plattenharnischen; auch s. v. w. Pfaffe mit Tonsur.

Plattner, Karl Friedrich, Techniker, geb. 2. Jan. 1800 zu Kleinwaltersdorf bei Freiberg, studierte in