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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Plauenscher Grund; Plausibel; Plaustrum; Plaute; Plautus

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Plauenscher Grund - Plautus.

in Deutschland, als da sind: Musseline, Mulls, Jakonetts, Batiste und broschierte Waren (Gardinen); ferner gibt es Weißstickereien, Fabriken für Konfektion und feine Wäsche, Baumwolle, Streichgarn- und Vigognespinnereien, Zwirnereien, Bleicherei, Färberei, Appreturanstalten, Maschinen-, Papier-, Zigarren-, Leder-, Zementwaren- und Pianofortefabrikation, Kunst- und Handelsgärtnereien, bedeutende Bierbrauerei, Ziegeleien etc. Der lebhafte Handel, besonders in den dort hergestellte Fabrikaten, wird durch eine Handels- und Gewerbekammer und eine Reichsbanknebenstelle unterstützt. Besucht sind auch die dortigen Viehmärkte. P. hat ein Gymnasium (aus der Reformationszeit) nebst Realgymnasium, ein Schullehrerseminar, eine Baugewerks-, eine Handels-, eine Frauenindustrie- und eine gewerbliche Fachzeichenschule, ein Landgericht, ein Hauptsteueramt, ein Konsulat der nordamerikanischen Freistaaten etc. Zum Landgerichtsbezirk P. gehören die 12 Amtsgericht zu Adorf, Auerbach, Elsterberg, Falkenstein, Klingenthal, Lengenfeld i. V., Markneukirchen, Ölsnitz, Pausa, P., Reichenbach i. V. und Treuen. - P. (Plawe) wurde wahrscheinlich von den Sorben gegründet und gehörte zu Anfang des 12. Jahrh. den Grafen von Eberstein im Gau Dobna, dann seit 1230 den Vögten von Weida. Einer derselben erscheint 1232 als erster "Vogt von P." (s. Reuß, Geschichte). 1327 ward P. böhmisches Lehen, 1466 von König Georg Podiebrad dem Kurfürsten Ernst von Sachsen verliehen und 1485 der Ernestinischen Linie zugeteilt. 1547 belehnte Karl V. den Burggrafen Heinrich V., einen Abkömmling der frühern Vögte, mit P.; doch schon sein Sohn Heinrich VII. verkaufte es 1569 für 110,000 Guld. an Kursachsen. Seit 1524 fand die Reformation durch den Dominikaner Raute und den Ordenskomtur Eulner Eingang in der Stadt. Durch eingewanderte Schweizer wurde im 16. Jahrh. die Baumwollwirkerei in P. eingebürgert. Von 1656 bis 1718 gehörte P. als Hauptstadt des Vogtlandes der Nebenlinie Sachsen-Zeitz, ward dann aber für immer mit Kursachsen vereinigt. Vgl. Fiedler, Die Stadt P. im Vogtland (Plauen 1874); Derselbe, Beiträge zur Geschichte der Stadt P. (das. 1876); Metzner, P. und Umgebung (das. 1887).

2) Dorf in der sächs. Kreis- und Amtshauptmannschaft Dresden, 2 km südwestlich von Dresden und mit diesem durch Pferdebahn verbunden, an der Weißeritz und der Linie Dresden-Chemnitz der Sächsischen Staatsbahn, 112 m ü. M., hat zahlreiche Willen und Landhäuser, eine Filiale der Taubstummenanstalt zu Dresden, 4 Bierbrauereien, eine große Kunstmühle mit Ölfabrik und Brotbäckerei, 2 Waffelfabriken, Blechwaren-, Gewürzextrakt-, Pianoforte-, Dampfkessel-, Schamotte- und Steinrohrfabrikation, Ziegeleien, Steinkohlenwerke, Syenitbrüche, starken Obstbau (besonders Kirschen) und (1885) mit der Garnison (Pionierbataillon) 5192 meist evang. Einwohner. P. gibt dem dahinter sich öffnenden Plauenschen Grund (s. d.) den Namen.

Plauenscher Grund, das in der sächs. Kreishauptmannschaft Dresden hinter dem Dorf Plauen beginnende und bis Tharandt sich hinziehende, fast 3 Stunden lange reizende Felsenthal der Weißeritz. Es ist merkwürdig durch seine mineralogische Beschaffenheit; wichtig durch seine großen Steinkohlenflöze. Die letztern wechseln mit Porphyr und Gneis ab, während das Urgebirge auf beiden Seiten des Thals aus Syenit besteht. Die großen Steinkohlenflöze des Plauenschen Kohlenbassins ziehen sich von Burgk am Windberg bis nach Zaukerode und über Niederhermsdorf hinauf und liefern jährlich ca. 1 Mill. Ton. Kohlen. Der Plauensche Grund wird von der Dresden-Chemnitzer Bahn durchschnitten, mit welcher die Steinkohlenwerke durch Zweigbahnen verbunden sind.

Plausibel (lat.), beifallswert, annehmbar.

Plaustrum (lat.), bei den alten Römern generelle Bezeichnung für jede Art Lastwagen. Sie ruhten meist auf vier, selten auf zwei Speichenrädern und waren je nach ihrer Bestimmung leichter oder schwerer gebaut. Aus einem P., dem ursprünglichen Bauernwagen, wurde auch am Feste der Ceres zu Rom das Bild der Göttin herumgeführt.

Plaute, s. v. w. Plempe.

Plautus, Titus Maccius, berühmter röm. Komödiendichter, geboren um 254 v. Chr. zu Sarsina in Umbrien aus niederm Stand. Anfangs bei einer Schauspielertruppe in Rom Theaterdiener, dann Handelsmann, geriet er nach Verlust seines Vermögens in solche Not, daß er sich als Mühlknecht verdingen mußte. In dieser Lage dichtete er, um sich eine Einnahmequelle zu eröffnen, einige Lustspiele, die so viel Beifall fanden, daß er sich fortan ausschließlich mit diesem Litteraturfach beschäftigte; er starb um 184. Varro fand ungefähr 130 Stücke vor, die des P. Namen trugen; doch stellte er von denselben nur 21 als unbestritten echt fest, die sogen. fabulae Varronianae, in denen wir die ältesten vollständigen Denkmäler der römischen Litteratur besitzen. Es sind zum Teil ziemlich selbständige Nachbildungen griechische Originale der neuen Komödie. Nur auf augenblickliche Erheiterung des Publikums berechnet, erreichen sie diesen Zweck durch die Komik der Situationen, treffende Anspielungen auf römische Zustände, unerschöpfliche Witz, belebten Dialog und reichen Wechsel der Rhythmen. Höhern Anforderungen an das Lustspiel genügen sie nicht; die Grenzen der Wahrscheinlichkeit sowie des Anstandes sind oft überschritten und manche Charaktere ins Karikaturenmäßige verzerrt. Die besten Stücke des P. sind: "Amphitruo", "Aulularia" (Vorbild von Molières "Avare"), "Captivi", "Bacchides", "Mostellaria", "Menaechmi" (Vorbild von Shakespeares "Comedy of errors"), "Miles gloriosus", "Pseudolus", "Rudens", "Trinummus". Außerdem besitzen wir "Asinaria", "Curculio", "Casina", "Cistellaria", "Epidicus", "Mercator", "Poenulus", "Persa", "Stichus", "Truculentus" und einzelne größere Bruchstücke der "Vidularia". Als getreue Schilderungen des Volkslebens erhielten sich die Lustspiele des P. bis ans Ende der Republik auf der Bühne. Sie waren bis in die spätesten Zeiten eine beliebte Lektüre und wurden schon früh von den römischen Gelehrten, besonders von Varro, zum Gegenstand ihrer Studien gemacht. Epochemachend in der Litteratur über P. sind namentlich Ritschls in den "Parerga Plautina" (Leipz. 1852) und in den "Opuscula" (Bd. 2 u. 5, das. 1868 und 1879) gesammelte Forschungen. Gesamtausgaben lieferten Gronov (Leiden 1664 u. öfter; zuletzt von Ernesti, Leipz. 1760, 2 Bde.), Bothe (Berl. 1809-11, 4 Bde., und Stuttg. 1829-39, 4 Bde.), Weise (Quedlinb. 1837-47, 2 Bde., neue Ausg., Leipz. 1866), Fleckeisen (das. 1850-51 u. ö., 2 Bde., 10 Stücke enthaltend), Ritschl Britische Hauptausgabe, Bd. 1 u. 2, Bonn 1848-50; Bd. 3, Elberf. 1853; neue Bearbeitung und Fortsetzung von Löwe, Götz u. Schöll, Leipz. 1878 ff.), Ussing (Kopenh. 1875-87, 5 Bde.), Leo (Berl. 1885, Bd. 1). "Ausgewählte Komödien" gaben Brix (bei Teubner) und