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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Pogostemon - Point.

Pogostēmon Desf., Gattung aus der Familie der Labiaten, Kräuter mit gegenständigen, gestielten Blättern und meist vielblütigen Scheinquirlen in traubigen oder traubigrispigen Blütenständen. Etwa 30 Arten in Ostindien, auf den Malaiischen Inseln und in Japan. P. Patchouly Pell. ist ein 60-90 cm hoher, weichhaariger Strauch oder Halbstrauch, in Pinang, Silhet und auf der Malaiischen Halbinsel, mit breiten, eiförmigen, gestielten, grob gesägten, oberseits weichhaarigen Blättern und weißpurpurnen Blüten. Die Blätter (Patchouli, Patschuli) enthalten ein dickflüssiges ätherisches Öl von ganz außerordentlicher Kraft und Intensität des Geruchs, welcher besonders bei einiger Konzentration vielen Leuten unerträglich, ebenso vielen aber, besonders in Ostasien, sehr angenehm ist. Er war charakteristisch für die echten indischen Shawls und die echte chinesische Tusche, bis man 1844 das Kraut kennen lernte, welches nun von französischen Fabrikanten benutzt wurde, um die eignen Shawls auch im Geruch den indischen ähnlich zu machen. Das Kraut kommt gegenwärtig in Bündeln von etwa 0,25 kg in den Handel und dient zum Parfümieren von Wäsche und Kleidern und zum Vertreiben der Motten. Die Araber glauben, daß es vor ansteckenden Krankheiten schütze und zur Verlängerung des Lebens beitrage. Die Pflanze wird bei uns in Warmhäusern kultiviert.

Pogson, Norman Robert, Astronom, geb. 23. März 1829 zu Nottingham, war Assistent Hinds in London, 1851 an der Radcliffe-Sternwarte in Oxford, 1858 Direktor des Hartwell House-Observatoriums in Buckingham, 1861 Direktor der Sternwarte in Madras. Er ist bekannt als Entdecker vieler Planetoiden und machte sich auch um die Erforschung der veränderlichen Sterne verdient.

Pohai, Golf, s. Petschili.

Pohl, bei botan. Namen Joh. Eman. Pohl, geb. 22. Febr. 1782 zu Kamnitz, Professor in Prag, reiste 1817-21 in Brasilien, starb 22. Mai 1834 in Wien. Er schrieb: "Plantarum Brasiliae hucusque ^[richtig: huiusque] ineditarum icones et descriptiones" (Wien 1827-31, 2 Bde.); "Reise im Innern von Brasilien" (das. 1832 bis 1837, 2 Bde.).

Pohl, 1) Karl Ferdinand, Musikhistoriker, geb. 6. Sept. 1819 zu Darmstadt, machte seine musikalischen Studien bei Sechter in Wien, wo er 1849-55 Organist war, lebte 1863-66 in London und wurde 1866 Archivar der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien; starb 29. April 1887 daselbst. Er schrieb die vorzüglichen Werke: "Mozart und Haydn in London" (Wien 1867, 2 Bde.); "Die Gesellschaft der Musikfreunde des österreichischen Kaiserstaats" (das. 1871) und die unvollendet Biographie "Joseph Haydn" (Bd. 1 u. 2, Berl. 1875-82).

2) Richard, Musikschriftsteller, geb. 12. Sept. 1826 zu Leipzig, studierte auf den polytechnischen Schulen in Chemnitz und Karlsruhe Mathematik und Mechanik, dann auf den Universitäten Göttingen und Leipzig Philosophie und bildete sich zugleich im Verkehr mit bedeutenden Musikern zu einem geachteten Musikkritiker aus. Nach kurzer Lehrthätigkeit in Graz ließ er sich 1852 in Dresden, zwei Jahre darauf, durch Liszt angezogen, in Weimar nieder und wirkte daselbst bis 1863, wo er sich, nachdem Liszt seine weimarische Thätigkeit endgültig abgeschlossen, nach Baden-Baden wandte. Hier hat er als Redakteur zweier Zeitungen bis zur Gegenwart nicht aufgehört, das geistige Leben, namentlich die musikalischen Zustände, kräftig zu fördern; mit besonderm Eifer und Erfolg ist er bestrebt gewesen, die sogen. neudeutsche Schule in ihren ihm seit frühster Zeit persönlich befreundeten und geistesverwandten Vertretern Wagner und Liszt zur Anerkennung zu bringen. An größern litterarischen Arbeiten veröffentlichte P.: "Akustische Briefe für Musiker und Musikfreunde" (Leipz. 1853); "Musikalische Leiden", Lustspiel (1856); "Gedichte" (Weim. 1859; 2. Aufl., Bad. 1883), verbindende Dichtungen zu Schumanns "Manfred" (1860) und Liszts "Prometheus"; "Baireuther Erinnerungen" (Leipz. 1877); "Autobiographisches" (das. 1881); "Rich. Wagner" (in Waldersees "Musikal. Vorträgen", das. 1883); "Richard Wagner, Studien und Kritiken" (das. 1883); "Franz Liszt" (das. 1883); "Hektor Berlioz. Studien und Erinnerungen" (das. 1884); "Die Höhenzüge der musikalischen Entwickelung" (das. 1888). Auch gab er die Monatsschrift "Anregungen für Kunst und Wissenschaft" (mit Brendel, Weim. 1856-60) sowie eine Übersetzung von Berlioz' "Gesammelten Schriften" (Leipz. 1864, 4 Bde.) heraus. - Seine Gattin Johanna, geborne Eyth, eine tüchtige Harfenistin, starb 25. Nov. 1870 als großherzoglich weimarische Kammervirtuosin.

Pohle, Leon, Maler, geb. 1. Dez. 1841 zu Leipzig, bildete sich seit 1856 auf der Akademie in Dresden, seit 1860 in Antwerpen bei van Lerius und dann bei Pauwels in Weimar, dessen Schüler er bis 1866 blieb. Dann kehrte er nach Leipzig zurück, machte von da Studienreisen und ließ sich 1868 in Weimar nieder. Nachdem er anfangs Genre- und Historienbilder gemalt, widmete er sich später fast ausschließlich der Historienmalers. 1877 wurde er als Professor an die Kunstakademie zu Dresden berufen. Von seinen Bildnissen sind diejenigen der Maler Ludwig Richter (Leipziger Museum und Berliner Nationalgalerie) und Peschel (Dresdener Galerie) und des Bildhauers Hähnel (Leipziger Museum), von seinen Genrebildern Gretchen vor dem Schmuckkästchen und Elegie hervorzuheben. Er besitzt die kleine goldene Medaille der Berliner Ausstellung.

Poho, chines. Pfefferminzöl, wird in China als Universalmittel empfohlen, zeigt sich oft wirksam bei Migräne und bei leichten Erkältungen.

Pohon-Upas, s. Pfeilgift.

Pohrlitz (tschech. Pohořelice), Stadt in der mähr. Bezirkshauptmannschaft Auspitz, an der Iglawa, hat eine altertümliche Kirche, Synagoge, eine Zucker-, Kanditen- und Sodawasserfabrik, Dampfmühle, besuchte Jahrmärkte und (1880) 3270 Einw.

Poïds (franz., spr. pŏa), Gewicht; P. de fer, "Eisengewicht", schwerer als das P. de marc, "Markgewicht", das frühere franz. Normalgewicht (s. Mark, S. 259).

Poikĭle (griech., lat. Poecile, sc. stoa, "bunte Säulenhalle"), eine auf Säulen ruhende und mit Gemälden geschmückte Halle, die altgriechischen Städten zur Zierde diente. Die berühmteste war die Stoa P. zu Athen (s. d., S. 995).

Poikilothérme Tiere, s. Tierische Wärme.

Poil (franz., spr. pŏall), Haar; Strich des Tuches, auch s. v. w. Pole, d. h. die haarartige Decke des Samts, sowie die zur Herstellung dieser Decke besonders aufgespannt Kette (Polkette); auch die aus den geringsten Kokons gewonnene sogen. Pelseide. P. de chévre, Haar der Angoraziege, welches gesponnen das Angoragarn liefert, aus dem das gleichnamige Gewebe im Orient erzeugt wurde, welches nunmehr hauptsächlich aus Kammgarnschuß und Baumwollkette, oft mit Seide wechselnd, gewebt wird.

Poinsettia pulcherrima, s. Euphorbia.

Point (franz., spr. pŏäng), Punkt, Stich (beim Nähen, Sticken etc.), s. Points. A point, zu rechter Zeit.