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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Pollensa - Pöllnitz.

jeder der vier Wülste, welche den künftigen vier Pollensäcken der Anthere entsprechen, ihrer mehrere beisammen oder auch nur eine. Die Urmutterzellen vermehren sich noch mehr oder minder durch Teilung, und es entstehen so die Mutterzellen des Pollens. Diese bekommen stark verdickte, meist geschichtete Membranen, der Protoplasmakörper rundet sich ab, der Zellkern teilt sich, worauf eine Zellwand zwischen den Kernen auftritt und dann dieselbe Zweiteilung noch einmal wiederholt wird, oder der ursprüngliche Kern teilt sich auch ohne Zellwandbildung in vier Zellkerne, welche sich nach den Ecken eines Tetraeders anordnen (Fig. 2 A). Durch feste Wände werden nun vier tetraedrisch gelagerte Tochterzellen (Fig. 2 B) abgeteilt. Dieses sind die Spezialmutterzellen des Pollens. Der Protoplasmakörper jeder Spezialmutterzelle (Fig. 2 C, bei D die Spezialmutterzellhäute durch Einfluß des Wassers geplatzt und die jungen Pollenzellen austretend) umkleidet sich mit einer neuen, zunächst dünnen Membran, welche sich allmählich zur Pollenzellhaut ausbildet, und wird dadurch zum Pollenkorn, indes die Schichtenkomplexe der Mutterzellhäute durch Verschleimung sich auflösen und auch die beiden angrenzenden Zellenlagen des umgebenden Gewebes verschwinden, so daß der reife Blütenstaub frei in der Höhle jedes Pollensacks liegt. Zu dem abweichend beschaffenen P. gehören die zusammengesetzten Pollenkörner: es bleiben entweder die aus einer Mutterzelle stammenden vier Tochterzellen zu einer Pollentetrade (Vierlingskorn) vereinigt, wie bei Rhododendron, Typha und bei manchen Orchideen (Neottia etc.), oder alle Nachkommen einer Urmutterzelle bilden ein Pollinium (Pollinarium) oder eine Pollenmasse (massula) von 8, 12, 16, 32, 64 verbundenen Pollenzellen, deren Exine auf der Außenseite der Masse stärker entwickelt ist, wie bei den Mimoseen. Bei der Abteilung der Ophrydeen unter den Orchideen und bei den Asklepiadeen bleiben sämtliche Pollenkörner eines Antherenfachs parenchymartig durch eine wachsartige Substanz zu einem einzigen Pollinium verbunden, welches als Ganzes durch Insekten auf die Narben der Blüten übertragen wird. Der P. der Gymnospermen zeichnet sich dadurch aus, daß vor der Verstäubung die Pollenzelle in eine große und eine kleine Zelle (Fig. 1 C, y) geteilt wird und die letztere, die sich oft nochmals teilt (bei q), papillenartig in die große sich hineinwölbt. Diese Nebenzellen des Korns sind der Überrest der rudimentären Prothalliumbildung der Mikrosporen der Gefäßkryptogamen; nur die große Zelle wächst zum Pollenschlauch aus. Dieselbe Teilung des Pollenkorns ist neuerdings auch bei den Angiospermen nachgewiesen worden, indem auch in den Pollenzellen der letztern zwei ungleiche, jedoch nur durch Hautplasma getrennte Zellen entstehen. Der P. muß bei allen windblütigen Pflanzen (s. Blütenbestäubung) durch den Wind auf weite Strecken übertragen werden. Dies wird begünstigt durch die Leichtigkeit desselben, welche bei den Kiefern noch durch zwei sehr große blasige, hohle Auftreibungen (Fig. 1 C, bl) der Exine (e) erhöht wird, und durch die große Menge, in welcher die Nadelhölzer den P. erzeugen, so daß derselbe oft in Gegenden mit ausgedehnten Nadelwäldern aus der Atmosphäre mit dem Regen als sogen. Schwefelregen niedergeschlagen wird.

^[Abb.: Fig. 2. Entwickelung der Pollenkörner von Althaea rosea.]

Pollénsa, Stadt auf der span. Insel Mallorca, hat einen Hafen und (1878) 8547 Einw., welche Gerberrinde, Wein, Johannisbrot und Südfrüchte produzieren; das antike Pollentia.

Pollenschlauch, s. Pollen, Geschlechtsorgane (der Pflanzen) und Fortpflanzung.

Polléntia, im Altertum Stadt in Ligurien, am Tanarus, römisches Munizipium, wo 403 v. Chr. Stilicho mit dem Gotenkönig Alarich kämpfte; jetzt Pollenzo, mit Resten der alten Stadt (Amphitheater, Theater, Aquädukt etc.).

Poller, am Schandeckel der Schiffe hervorragende Vorsprünge oder dort befestigte Geräte zur Befestigung, bez. Umschlingung der Landfesten, Taue, Trossen oder Ketten.

Pollex (lat.), der Daumen, von den alten Römern oft als ungefähres Längenmaß gebraucht, = Uncia oder 1/12 Fuß. P. pedis, die große Fußzehe.

Pollicitation (lat.), einseitiges Verbrechen. Eine solche Verheißung ist ausnahmsweise ohne Annahmeerklärung rechtsverbindlich und klagbar, wenn sie zu gunsten einer Stadtgemeinde, einer Kirche oder einer frommen Stiftung erfolgte. Auch gehört der Fall einer sogen. Auslobung (s. d.) hierher.

Pollīni, Bernhard (eigentlich Pohl), Theaterdirektor und Impresario, geb. 16. Dez. 1838 zu Köln, widmete sich der Bühne, die er mit Erfolg als Bassist betrat, um sich bald darauf als artistischer Leiter und Geschäftsführer bei einer italienischen Gesellschaft zu beteiligen. Später reiste er mit einer eignen italienischen Gesellschaft, dirigierte einige Jahre die Italienische Oper in Petersburg und Moskau und übernahm 1874 die Leitung des Hamburger Stadttheaters, die er noch heute, seit 1876 im Verein mit der des Altonaer Stadttheaters, zum Vorteil dieser unter ihm aufblühenden Institute führt. Zugleich ist P. als Impresario und dramatischer Agent thätig.

Pollinĭum (Pollinarium, lat.), s. Pollen.

Pollinōdium, in der Botanik die männliche Geschlechtszelle mancher Askomyceten, welche sich an die weibliche Zelle oder das Askogon anlegt, um Befruchtung zu bewirken (s. Pilze, S. 72).

Pollio, röm. Feldherr, s. Asinius.

Pöllnitz, Karl Ludwig, Freiherr von, Abenteurer, geb. 25. Febr. 1692 zu Issum in Geldern, Enkel des brandenburgischen Generals Gerhard Bernhard von P. (gest. 1679), machte 1708 in einem preußischen Regiment den Feldzug in Flandern mit, wurde sodann zum Kammerjunker ernannt und begann bald darauf ein unstetes Wanderleben. Nach öfterm Wechsel seines Wohnsitzes sowie seines reli-^[folgende Seite]