Schnellsuche:

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Poll-tax; Pollnow; Pollockshaws; Pollok; Pollutionen; Pollux; Polna; Polnische Hummel; Polnische Litteratur

191

Pollnow - Polnische Litteratur.

giösen Bekenntnisses zu Paris und Berlin diente er als Offizier in Österreich, sodann in Spanien, besuchte hierauf auch England und Holland, überall schuldenhalber verfolgt, kehrte 1735 nach Berlin zurück und erhielt endlich 1740 als Vorleser Friedrichs d. Gr. eine Anstellung, die aber ebenfalls von nur kurzer Dauer war. Doch blieb er in Berlin, da der König seine spaßhafte Unterhaltung liebte. Er starb 23. Juni 1775 als Theaterdirektor in Berlin. Von seinen Schriften sind hervorzuheben: die witzigen, aber sehr unzuverlässigen "Mémoires" (Lüttich 1734, 3 Bde.; deutsch, Frankf. 1735, 4 Bde.; eine Art Reisewerk); "Nouveaux mémoires" (Amsterd. 1737, 2 Bde.); "Mémoires pour servir à l'histoire des quatre derniers souverains de la maison de Brandebourg" (Berl. 1791, 2 Bde.; auch deutsch); "État abrégé de la cour de Saxe sous le règne d'Auguste III" (Frankf. 1734; deutsch, Bresl. 1736); "Histoire secrète de la duchesse d'Hanovre, épouse de George I, roi de Bretagne" (Lond. 1732) und "La Saxe galante" (Amsterd. 1734). Vgl. Droysen, Zur Geschichte Friedrichs I. und Friedrich Wilhelms I. ("Preußische Politik", 4. Teil, 4. Abt., Leipz. 1870).

Pollnow, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Köslin, Kreis Schlawe, an der Grabow, hat ein altes Schloß, ein Amtsgericht, Wollspinnerei, Gerberei, Ziegeleien, Holzschneidemühlen und (1885) 2419 meist evang. Einwohner. In der Nähe mehrere Glashütten und der 325 m hohe Evaberg im Uralisch-Baltischen Landrücken.

Pollockshaws (spr. -schahs), Stadt in Renfrewshire (Schottland), 5 km südwestlich von Glasgow, mit Baumwollfabriken und (1881) 9363 Einw.

Pollok, Robert, engl. Dichter, geb. 1799 zu Muirhouse in der schottischen Grafschaft Renfrew, studierte seit 1817 zu Glasgow Theologie, starb aber schon 15. Sept. 1827 in Shirley-Commor bei Southampton. Sein Ruf gründete sich vornehmlich auf "The course of time" (Edinb. 1827; deutsch von Hey, Hamb. 1830), ein religiöses Lehrgedicht, das von dem geistigen Leben und der geistigen Bestimmung des Menschen handelt, und die "Tales of the Covenanters" (Edinb. 1833). Neue Ausgaben seiner Schriften erschienen Edinburg 1867 u. öfter; sein Leben beschrieb sein Bruder David P. (das. 1843).

Poll-tax (engl., spr. pohl-täcks, "Kopfsteuer"), in England Bezeichnung des zum Behuf der Parlamentswahlen zusammengestellten Wahlregisters und des Wahlaktes selbst.

Pollutionen (lat., "Besudelungen"), unwillkürliche Samenverluste, erfolgen normalerweise bei geschlechtsreifen und enthaltsamen Männern alle 2-4 Wochen im Schlaf, besonders gegen Morgen, ohne einen Schaden für die Gesundheit zu verursachen. Ein nachteiliger Einfluß auf den Körper entsteht erst bei oft und lange Zeit hindurch sich wiederholenden Samenverlusten. Die Ursachen sind in solchen Fällen entweder geschlechtliche Ausschweifungen oder üppige Kost bei geringer Muskelanstrengung, langer Schlaf, besonders des Morgens und in Federbetten, örtliche Reizung der Genitalien (vorzüglich durch Onanie) etc. Die Behandlung besteht hierbei ausschließlich in geregelter Lebensweise. Jugendliche, an allzu häufigen nächtlichen P. leidende Individuen müssen eine knappe Diät führen, Kaffee, Thee, Gewürze ganz vermeiden, vorzugsweise nur Wasser oder Milch, abends aber gar nichts trinken, sehr sparsame und zeitige Abendmahlzeiten genießen, täglich sich tüchtig austurnen, auf harter Unterlage und unter kühler Bedeckung schlafen, dabei die Rückenlage vermeiden und frühmorgens zeitig geweckt werden. Kalte Waschungen und Sitzbäder, im Sommer Flußbäder sind täglich anzuwenden. Überhaupt müssen solche Leute sich an eine abhärtende Lebensweise gewöhnen, vor allem aber in sittlicher Hinsicht sich rein erhalten, sich mit ernsthaften Dingen und den Geist wie den Körper in Anspruch nehmenden praktischen Arbeiten beschäftigen, die Beschäftigung der Phantasie mit geschlechtlichen Bildern u. dgl. aber ganz vermeiden. Zur Verhütung der gegen Morgen eintretende P. lasse man den Kranken abends gar nichts trinken und des Nachts wecken, um den Harn zu lassen, damit dieser keinen Druck auf die Samenbläschen ausübe. Aus gleichem Grund muß für reichliche Entleerungen des Mastdarms gesorgt werden. Das Zusammentreffen von P. mit schweren Geistesstörungen wird vielfach von dem gerade auf diesem Feld sich breit machenden Charlatanismus ausgebeutet.

Pollux, Mineral aus der Ordnung der Silikate (Zeolithgruppe), kristallisiert tesseral, ist meist farblos, selten schmutzig gelb, durchsichtig, glasglänzend, zerfressenem Quarz oder mehr dem Hyalith ähnlich, Härte 6-6,5, spez. Gew. 2,86-2,90, besteht aus einem Thonerdesilikat mit 30 Proz. Cäsiumoxyd, entsprechend der Formel H2R2Al2Si5O15^[H_{2}R_{2}Al_{2}Si_{5}O_{15}], worin R Cäsium mit Natrium bedeutet, auch enthält er etwas Kalk und Eisenoxyd. Er findet sich im Granit auf Elba.

Pollux, s. v. w. Polydeukes, s. Dioskuren.

Pollux (Polydeukes), 1) Julius, griech. Sophist um 180 n. Chr., aus Naukratis in Ägypten, ward Lehrer des Kaisers Commodus und erhielt durch dessen Gunst ein öffentliches Lehramt zu Athen, wo er auch starb. Von seinen Schriften ist ein nach Materien geordnetes lexikographisches Werk: "Onomastikon", in 10 Büchern erhalten, das eine Menge von wertvollen Notizen über griechische Sprache, Litteratur und Altertümer enthält. Ausgaben besorgten Hemsterhuis (Amsterd. 1706, 2 Bde.), Dindorf (Leipz. 1824, 5 Bde.), Bekker (Berl. 1846).

2) Julius, christl. Schriftsteller aus dem 10. Jahrh., Verfasser eines Geschichtswerkes in griechischer Sprache, der "Historia physica" oder "Historia sacra", welche in dem, was davon jetzt gedruckt vorliegt (hrsg. von Bianconi, Bolog. 1779; vollständiger von Hardt, Münch. 1792), bis auf die Zeiten des Valens; in einer zu Paris befindlichen Handschrift aber bis 963 reicht.

Polna, Stadt im südöstlichen Böhmen, Bezirkshauptmannschaft Deutsch-Brod, an der mährischen Grenze, Station der Österreichischen Nordwestbahn, hat eine Dechanteikirche, ein ansehnliches Schloß aus dem 13. Jahrh., ein Bezirksgericht, eine Stärkefabrik, Bierbrauerei, Glasschleiferei, Tuchmacherei, Handel mit Flachs, Getreide und Fischen (aus den umliegenden Teichen) und (1880) 5309 Einw. Große Feuersbrunst 1863.

Polnische Hummel, s. v. w. Balalaika.

Polnische Litteratur. Die p. L. ist unter den slawischen Litteraturen die reichhaltigste und schließt sich der westeuropäischen Kulturentwickelung ununterbrochen an, ohne ihre nationale Eigentümlichkeit einzubüßen. Diese besteht in einer scharf ausgesprochenen Vaterlandsliebe, welche der polnischen Poesie eine teils panegyristische, teils im letzten Jahrhundert vorwiegend elegische Richtung aufprägt, aber auch auf alle andern Zweige, namentlich auf die Geschichtschreibung, einen bestimmenden Einfluß ausgeübt hat. Ob die Polen in vorchristlichen Zeiten, wie Kucharski, Cybulski u. a. behaupten, Runen oder auch das unter den Südslawen verbreitete glagoli-^[folgende Seite]