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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Polyhistor - Polymeter.

selten grau, schwach fettglänzend, kantendurchscheinend, Härte 3,5, spez. Gew. 2,72-2,77, besteht aus schwefelsaurem Kalk mit schwefelsaurer Magnesia und schwefelsaurem Kali 2CaSO4+MgSO4K2SO42H2O ^[2CaSO_{4}+MgSO_{4}K_{2}SO_{4}2H_{2}O] und findet sich auf Steinsalzlagern bei Staßfurt, Ischl, Hallein, Berchtesgaden, Aussee.

Polyhístor (griech., "Vielwisser"), Gelehrter von ungewöhnlich ausgebreiteten Kenntnissen in den verschiedensten Gebieten der Wissenschaften. Im besten Sinn führten diesen Namen Jos. Just. Scaliger, Is. Casaubon, Salmasius, Morhof, Leibniz u. a.

Polyhymnia, Muse, s. Polymnia.

Polykándro, Insel, s. Pholegandros.

Polykarp, Heiliger, s. Polycarpus.

Polykarpen (Polycarpicae), Ordnung im natürlichen Pflanzensystem unter den Dikotyledonen, Polypetalen, charakterisiert durch Blüten, die meist eine größere Anzahl freier, einblätteriger, einfächeriger Fruchtknoten oder einen einzigen solchen besitzen, welche ein- oder mehrsamig sind. Die einzelnen Formationen der Blüte bilden selten fünfgliederige, bisweilen zwei- oder dreigliederige Quirle; Staubgefäße und Fruchtblätter stehen am häufigsten in unbestimmter großer Anzahl in einer Spirale; der Kelch ist grün oder krallenartig gefärbt; die Blumenblätter sind normal oder in Nektarien umgebildet, die Staubgefäße meist hypogyn. Die Ordnung umfaßt die Familien der Ranunkulaceen, Nymphäaceen, Schizandreen, Anonaceen, Magnoliaceen, Menispermaceen, Berberideen, Myristiceen, Kalykanthaceen und Laurineen.

Polykarpisch (griech.), Bezeichnung einer wiederholt fruktifizierenden Pflanze (vgl. Monokarpisch).

Polykephalisch (griech.), vielköpfig.

Polykleitos (Polyklet), 1) griech. Bildhauer, auch Architekt, gebürtig aus Sikyon, Schüler des Ageladas, Hauptvertreter der Schule von Argos, war ein Zeitgenosse und Nebenbuhler des Pheidias. Sein namhaftestes Werk war ein Kolossalbild der Hera aus Gold und Elfenbein in Argos. Wir haben davon nur eine kleine Nachbildung auf einer argivischen Münze. Dagegen besitzen wir Kopien zweier andrer Statuen, des Diadumenos (s. d.), eines sich eine Binde ums Haar legenden Jünglings, und des Doryphoros (s. d.), des Speerträgers, der für die Künstler ein Kanon der Proportionen des menschlichen Körpers wurde, weshalb G. Schadow sein Werk von den Maßen des Menschen "Polyklet" nannte. Auch die Statue einer für den Artemistempel zu Ephesos geschaffenen Amazone, mit der P. seine Mitbewerber (auch Pheidias) besiegte, ist in Wiederholungen nachweisbar. Von seinen übrigen Werken werden noch ein Apoxyomenos (ein sich den Staub abschabender Athlet), zwei nackte, Würfel spielende Knaben und zwei Kanephoren gerühmt. Der Stil des P. zeigt in seiner Strenge der Formen, in den viereckigen Köpfen, in den schweren, untersetzten Proportionen die Eigentümlichkeiten der peloponnesischen Kunstrichtung. Er soll als der erste Figuren auf Einer Hüfte ruhend gebildet und dadurch die Möglichkeit einer freiern Bewegung geschaffen haben. P. neigte sich dem Realismus zu; seine naturalistischen menschlichen Gestalten wurden mehr geschätzt als die idealisierten göttlichen. Um die 90. Olympiade baute er das Theater zu Epidauros, von dem jetzt noch bedeutende, neuerdings ausgegrabene Reste vorhanden sind.

2) P. der jüngere, griech. Bildhauer, war Schüler des Naukydes und in Argos thätig. Er schuf in einem Bilde des Zeus philios (des freundlichen) für einen Tempel in Megalopolis einen neuen Zeustypus. Für Argos fertigte er ein Erzbild der Hekate.

Polykotyledonen (griech.), "vielsamenlappige" Pflanzen, in der ältern Botanik diejenigen Pflanzen, deren Keimling scheinbar mehr als zwei Samenlappen oder Kotyledonen (s. d.) trägt, wie viele Koniferen, bei welchen 3-12 quirlförmig stehende Samenlappen vorhanden sind.

Polykrates, Tyrann der Insel Samos, Sohn des Äakes, regierte erst gemeinschaftlich mit seinen Brüdern Pantagnotos und Syloson, nach Ermordung des erstern und Vertreibung des andern (535 v. Chr.) allein. Er befestigte seine Herrschaft durch eine fremde Leibwache. Im Besitz einer Flotte von 100 Fünfzigruderern, eroberte er viele Städte und Inseln, namentlich Milet und Lesbos, und machte Samos zum Mittelpunkt eines großen Seestaats, der den ganzen Archipel beherrschte. Er zog die ausgezeichnetsten Künstler von Hellas an seinen Hof, welche ihm einen prachtvollen Palast bauten, denselben mit herrlichen Statuen schmückten und, wie Anakreon und Ibykos, seine Feste mit ihren Gesängen feierten. Sein Siegelring war von der Meisterhand des Theodoros. Auch wissenschaftliche Bestrebungen förderte er und berief den größten Arzt seiner Zeit, Demokedes von Kroton, zu sich. Ein großer Kriegshafen wurde gebaut, eine Wasserleitung angelegt und der Tempel der Hera, das Heräon, zum schönsten hellenischen Heiligtum gemacht. Aber wegen des harten Drucks, unter welchem das Volk seufzte, war P. verhaßt, und seine unersättliche Geld- und Machtbegierde stürzte ihn endlich. 522 ließ sich P. unter dem Vorwand eines gemeinschaftlichen Unternehmens gegen Persien vom persischen Satrapen Orötes nach Magnesia locken, wo er ans Kreuz geschlagen wurde. Die schon im Altertum verbreitete Sage von seiner Freundschaft mit Amasis von Ägypten hat Schiller in dem Gedicht "Der Ring des P." poetisch behandelt.

Polylemma (griech., lat. Syllogismus multicornis), vielgehörnter Schluß, ein Schluß in Form eines Dilemma, aber mit mehr als zwei Gegensätzen im Hinterglied; s. Schluß.

Polymastie (griech., "Vielbrüstigkeit"), das gelegentliche Vorkommen überzähliger Milchdrüsen bei Menschen und Tieren. Beim Menschen stehen die überzähligen Brüste gewöhnlich unter den normalen, und man will darin eine Art Rückschlag auf ältere Ahnen des Menschen sehen. Bei den Schafen der Cevennen sowie bei den Cagia (einer Himalajarasse) kommen sehr häufig vier Milchdrüsen (statt zweier) vor.

Polymathie (griech.), vielseitige Gelehrsamkeit.

Polymer (griech.), vielgliederig; polymere Körper, Polymerisation s. Isomerie. Polymerie, eine Isomerie, bei welcher die Molekulargewichte der isomeren Körper Multipla voneinander sind.

Polymerismus (griech.), Mißbildung, welche in einer Vermehrung der regelmäßigen Zahl der Körperteile besteht.

Polymeter (griech.), s. Streckverse.

Polymeter, von Lambrecht in Göttingen angegebenes meteorologisches Instrument, eine Verbindung von Hygrometer und Thermometer, welches neben den Temperaturgraden die Dunstdruckmaxima anzeigt und über der gewöhnlichen gleichteiligen Skala der Prozente der relativen Feuchtigkeit eine zweite, die der Gradzahlen, enthält. Letztere sind Differenzzahlen, die, von der Lufttemperatur abgezogen, den Taupunkt angeben. Die Benutzung des Polymeters ist ebenso einfach wie vielseitig. Die Skala der Dunstdruckmaxima gibt in Millimetern an, wie stark der Druck des Wasserdampfes bei der herrschenden Temperatur sein kann. Das Hygrometer gibt die Prozente der