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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Polymetrie; Polymnia; Polymorphismus; Polyneikes; Polynesien; Polynesier; Polynom; Polyonymie; Polyopie; Polypen

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Polymetrie - Polypen.

relativen Feuchtigkeit an, und somit berechnet sich der wirklich vorhandene Dunstdruck sehr einfach (Dunstdruckmaximum 23,5 mm, relative Feuchtigkeit 60 Proz., 60 wirklicher Dunstdruck 23,5 . 60/100 = 14,1 mm). Da nun für jedes Millimeter Dunstdruck ca. 1 g Wasser auf 1 cbm Luft kommt, so erfährt man ohne weiteres das Gewicht des in der Luft enthaltenen Wassers, und wenn man den berechneten Dunstdruck auf der Skala der Dunstdruckmaxima aufsucht, so bezeichnet der gegenüberstehende Temperaturgrad den Taupunkt. Das P. eignet sich für meteorologische und hygieinische Zwecke, namentlich auch zur Aufstellung von Wetterprognosen nach den Troskaschen Regeln, die sich hauptsächlich auf Beobachtung des Hygrometers gründen.

Polymetrie (griech.), Vielheit des Maßes, besonders des Silbenmaßes.

Polymnia (Polyhymnia, die "Hymnenreiche"), eine der neun Musen, die Vertreterin der ernsten gottesdienstlichen Gesänge und Erfinderin der Lyra, von Öagros Mutter des Orpheus, wird (ohne weitere Attribute) in einen Mantel gehüllt und nachsinnend auf einen Felsen gestützt dargestellt. Vgl. Musen (mit Abbildung).

Polymorphismus (griech., "Vielgestaltigkeit", Heteromorphismus), in der Mineralogie die Erscheinung, daß manche Körper in verschiedenen, nach den kristallographischen Gesetzen nicht aufeinander zurückführbaren Kristallgestalten auftreten (Dimorphismus Zwei-, Trimorphismus Dreigestaltigkeit). Polymorph nennt man auch die kristallinisch und amorph vorkommenden Körper. In der Zoologie bezeichnet P. die Vielgestaltigkeit der Individuen einer und derselben Art, wie sie bei manchen niedern Tieren Platz greift und mit Arbeitsteilung verbunden ist. So sind in den Insektenstaaten (Ameisen, Bienen, Termiten) außer den Männchen und Weibchen, denen die Erhaltung der Art durch Fortpflanzung obliegt, noch besonders gestaltete Arbeiter, Soldaten etc. vorhanden, welche den Aufbau und die Verteidigung des Nestes sowie die Pflege der Jungen besorgen. Bei gewissen Quallen, den Siphonophoren (Röhrenquallen), sind einzelne Individuen der im Zusammenhang befindlichen polymorphen Kolonie reinweg zu Nährtieren, den sogen. Magenschläuchen, andre zu Fühltieren (Tentakeln), andre zu Schwimmglocken etc. geworden und haben so wenig von der ursprünglichen Gestalt beibehalten, daß sie völlig den Eindruck von Organen eines Einzeltiers machen. Vgl. Leuckart, Über den P. der Individuen (Gieß. 1851); Häckel, Über Arbeitsteilung in Natur- und Menschenleben (Berl. 1869). S. auch Dimorphismus.

Polyneikes (Polynices), nach griech. Mythus Sohn des Ödipus und der Iokaste, Bruder des Eteokles (s. d.) und der Antigone (s. d.).

Polynesien, geographische Bezeichnung, unter welcher man im weitern Sinn die gesamte Inselflur des Stillen Ozeans zusammenfaßt, in beschränktem Sinn aber sämtliche Inselgruppen im W. vom 175.° östl. L. und südlich vom Äquator (aber mit Ausnahme der Fidschiinseln) versteht. Vgl. Ozeanien.

Polynesier, s. Südseeinsulaner.

Polynom (grch.), vielteilige oder vielgliederige Zahlengröße, d. h. eine Größe, welche aus zwei oder mehr Größen a, b, c ... durch Addition oder Subtraktion zusammengesetzt ist, wie a + b + c oder a - b - c + d etc. Ein zweigliederiges P. nennt man ein Binom, ein dreigliederiges ein Trinom. Polynomischer Lehrsatz ist die Formel, durch welche die Potenz eines Polynoms dargestellt wird; zuerst von Leibniz angegeben.

Polyonymie (griech.), Vielnamigkeit.

Polyopie (Polyopsis, griech., "Vielfachsehen"), s. Doppeltsehen.

Polypen (griech., "Vielfüße"), im Altertum die Cephalopoden oder Tintenschnecken (s. d.), gegenwärtig gewisse Formen unter den Cölenteraten. Ein Polyp ist ein cylindrischer oder keulenförmiger Schlauch, der mit seinem hintern Ende festgewachsen ist und am vordern eine Öffnung besitzt. Diese ist von einem oder mehreren Kränzen von Fangarmen umgeben und führt entweder in eine einfache cylindrische Darmhöhle (Hydroidpolyen) ^[richtig: (Hydroidpolypen)] oder mittels eines kurzen Mundrohrs in einen kompliziertern, mit peripherischen Taschen versehenen Darmraum (Korallpolypen); sie dient sowohl als Mund wie als After und bietet auch den Geschlechtsprodukten einen Ausweg. Durch Knospung und Sprossung entstehen aus zahlreichen, innig verbundenen Individuen zusammengesetzte Polypenstöcke. Näheres s. bei Hydromedusen und Korallpolypen.

Polypen, in der Medizin gewisse Geschwülste, welche auf einer freien Oberfläche gestielt aufsitzen; die Struktur derselben wird durch den Namen nicht ausgedrückt, da er aus einer Zeit stammt, in welcher der mikroskopische Bau der P. noch unbekannt war. Man unterscheidet Schleimpolypen und fibröse P. Die Schleimpolypen kommen nur auf Schleimhäuten vor, sie haben eine runde oder länglichrunde Gestalt, zeigen für das Gesicht und Gefühl meist eine ausgezeichnet schleimige, weiche Beschaffenheit, sind mäßig fest und gewöhnlich sehr blutreich. Die Hauptmasse der Geschwulst besteht aus weichem Bindegewebe mit Gefäßen und Drüsen; Nerven sind nur in einzelnen P. nachgewiesen worden. Oft kommen in diesen P. auch kleine Cysten vor, welche sich so sehr vermehren können, daß der Polyp zu einem sogen. Cysten- oder Blasenpolypen wird. Die Schleimpolypen kommen auf fast allen Schleimhäuten vor, am häufigsten aber in der Nasenhöhle, im Schlundkopf und im Mastdarm. Die P. sind bald vollständig symptomlos, wie z. B. kleinere P. des Magens, während sie in andern Fällen dauernde oder vorübergehend Verengerung oder selbst Verstopfung des Kanals (z. B. bei Nasenpolypen) herbeiführen. Sitzen die P., wie nicht selten, in dem Kehlkopf (s. Tafel "Halskrankheiten"), so erzeugen sie Stimmlosigkeit, beeinträchtigen später auch die Atmung und können Erstickung herbeiführen. P. des Mastdarms, welche namentlich häufig bei kleinen Kindern vorkommen, bedingen regelmäßig mehr oder weniger beträchtliche Blutungen beim Stuhlgang, ebenso die seltenern P. der Harnblase Blutverlust beim Urinieren. Fast alle P. entstehen durch chronische Katarrhe der Schleimhaut, auf welcher sie sitzen, und unterhalten denselben; nach Entfernung der P. verschwindet der Katarrh meist sehr rasch. Die fibrösen (Faserpolypen) sind rundliche Geschwülste aus festem Bindegewebe mit spärlichen Gefäßen und manchmal mit glatten Muskelfasern, welche sich unter einer Schleimhaut entwickeln. Letztere wird anfangs nur hervorgebaucht und allmählich durch den Druck der wachsenden Geschwulst mehr und mehr verdünnt. Schließlich überzieht die Schleimhaut nur als ganz dünne Membran die Fasergeschwulst, welche mehr oder weniger gestielt frei auf der Oberfläche der Schleimhaut zum Vorschein kommt. Solche fibröse P. finden sich vorzugsweise in der Gebärmutter, in der Nasen-Rachenhöhle, seltener im Darm etc. Die P. der Rachenhöhle sind hin und wieder sarkomatöse Geschwülste und erfordern noch dringender als die andern P. die Ent-^[folgende Seite]