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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Pompejus

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Pompeji - Pompejus.

ist die eigentliche Privatwohnung und besteht meist aus einem kleinen Garten oder einem von Blumenbeeten umrahmten Wasserbecken, welches von einem Säulengang umschlossen ist. Auf diesen Umgang öffnen sich die Zimmer der Familie, an der Rückseite des Peristyliums ist zuweilen noch ein Festsalon (oecus). In manchen Häusern gelangt man noch zu einer dritten Abteilung, dem eigentlichen Garten (viridarium). Die obern Geschosse, welche das Atrium und Peristylium ganz oder teilweise umschlossen, enthielten meist Schlafzimmer für die Dienerschaft, nach außen auch Mietwohnungen. In reichem Maße sind die Räume der pompejanischen Häuser mit Ornamenten, Malereien und Mosaikgemälden ausgestattet. Die nennenswertesten der Privatgebäude sind: das Haus des Pansa (s. Tafel "Baukunst VI", Fig. 4-6), eine der größten Wohnungen der Stadt, durch Harmonie der Maße und Vollständigkeit des Plans zum Musterbild der antiken Häuser geworden; das Haus des Poeta tragico (nach einem unrichtig erklärten trefflichen Gemälde im Tablinum, jetzt im Museum zu Neapel, so benannt), ein kleines, aber sehr geschmackvolles Haus, durch seine Malereien, namentlich aus dem Homerischen Kreis, hochberühmt; das Haus des Sallustius, durch Eleganz und bedeutende Wandmalereien ausgezeichnet; das Haus des Meleager, eine reichgeputzte, schöne Wohnung ohne Laden und von zierlicher Anlage; das Haus des Kastor und Pollux, ein großes Doppelhaus, mit einem zwischen zwei Atrien in der Mitte liegenden Peristyl; die Casa del Fauno, eine der größten und prächtigsten Privatwohnungen von P., mit berühmten Mosaiken; das Haus des Lucretius, eine der reichsten Wohnungen, mit einer Fülle von ornamentalem Schmuck; an der 1862 bloßgelegten Casa del Balcone pensile ist die in die Straße hinausragende Erkerwohnung bemerkenswert. Die in P. aufgefundenen überaus zahlreichen häuslichen Gerätschaften aller Art, Schmucksachen, Münzen etc., die ein helles Licht über das häusliche Leben der Alten verbreiten, befinden sich, wie alle bedeutenden Fresken, Mosaiken, ornamentalen Wanddekorationen (s. Tafel "Ornamente I", Fig. 48, 50 bis 53) und Skulpturwerke, jetzt größtenteils im Nationalmuseum zu Neapel. Vgl. Mazois, Les ruines de Pompéi (Par. 1812-38, 4 Bde.); Gell und Gandy, Pompeiana (Lond. 1817-30, 4 Bde.; neue Folge 1832, 2 Bde.); Cooke, Delineations of Pompeii (das. 1818-27, 2 Bde.); Zahn, Die schönsten Ornamente und merkwürdigsten Gemälde von P., Herculaneum und Stabiä (Berl. 1828-60, 3 Abtlgn.); Derselbe, Neuentdeckte Wandgemälde in P. (Stuttg. 1288, 40 Blatt); Ternite, Wandgemälde aus P. und Herculaneum (mit Text von K. O. Müller; fortgesetzt von Welcker, Berl. 1841-44, 3 Hefte); "Herculaneum und P., vollständige Sammlung der daselbst entdeckten Malereien, Mosaiken und Bronzen", gestochen von Roux und Bouchet, mit Text von Barré (deutsch, Hamb. 1838-41, 6 Bde.); Overbeck, P. in seinen Gebäuden, Altertümern und Kunstwerken (4. Aufl., mit Mau, Leipz. 1884); Nissen, Pompejanische Studien (das. 1877); Fiorelli, Gli scavi di Pompei dal 1868 al 1872 (Neap. 1873); Schöner, P. (Stuttg. 1877); "Pompei e la regione sotterrata da Vesuvio nell' anno 79" (Neap. 1879, Sammelwerk zur 18. Säkularfeier der Verschüttung); Presuhn, Die letzten Ausgrabungen von 1874-81 (2. Aufl., Leipz. 1881, 80 Tafeln); Mau, Pompejanische Beiträge (Berl. 1879); Derselbe, Geschichte der dekorativen Wandmalerei (das. 1881); Furchheim, Bibliotheca Pompeiana (Bibliographie, Neap. 1879) u. a.

Pompejus, röm. plebejisches Geschlecht, welches erst seit dem 2. Jahrh. v. Chr. genannt wird. Es teilt sich in zwei Zweige, von denen der eine den Beinamen Rufus, der andre seit dem Triumvir P. (s. P. 3) den Beinamen Magnus führt. Die namhaftesten Sprößlinge desselben sind:

1) Q. P. Rufus, war 100 v. Chr. Volkstribun, 91 Praetor urbanus und 88 mit Sulla Konsul. Er führte mit letzterm die Legionen nach Rom gegen die Marianer und begab sich nach deren Besiegung, während Sulla gegen Mithridates zog, in das Lager des Prokonsuls P. Strabo (s. P. 2), der noch mit einem Heer gegen die Bundesgenossen im Feld stand, um statt dessen den Oberbefehl zu übernehmen, wurde aber daselbst (wahrscheinlich auf Anstiften des P. Strabo) von den Truppen erschlagen.

2) Gnäus, mit dem von ihm allein geführten persönlichen Beinamen Strabo, Vater des Triumvirs, war 104 v. Chr. Quästor in Sardinien, 94 Prätor, verwaltete 93 Sizilien und erlangte 89 das Konsulat. Er nahm an dem Kriege gegen die Bundesgenossen 90 als Legat, 89 als Konsul nicht unrühmlichen Anteil und stand 87 noch an der Spitze seines Heers in Picenum, als Cinna und Marius Rom bedrohten. Von der Nobilität eilends zur Stadt entboten, lieferte er jenen vor dem kollinischen Thor ein unentschiedenes Treffen und ward bald darauf vom Blitz erschlagen.

3) Gnäus. P. Magnus, Sohn des vorigen, der berühmte Triumvir, geb. 106 v. Chr., sammelte, als Sulla 83 aus dem Mithridatischen Krieg nach Italien zurückkehrte, in Picenum ein Heer von drei Legionen und führte es Sulla zu, welcher ihn beim ersten Zusammentreffen mit ihm als Imperator begrüßte. P. nahm darauf in diesem und dem folgenden Jahr an dem Kriege gegen die Marianer in Italien einen erfolgreichen Anteil, unterwarf noch 82 Sizilien, wo er Gnäus Papirius Carbo gefangen nahm und hinrichten ließ, und setzte dann 81 nach Afrika über, wo er Gnäus Domitius Ahenobarbus und den mit ihm verbündeten numidischen König Hiarbas besiegte. Er feierte hierauf seinen ersten Triumph und wurde von Sulla mit dem Beinamen Magnus (der Große) begrüßt. Darauf schlug er 77 Ämilius Lepidus, der 77 gegen Rom zog, um die Sullanische Verfassung umzustürzen, an der Milvischen Brücke zurück, begab sich dann nach Oberitalien, wo M. Brutus die Fahne des Aufruhrs angepflanzt hatte, schloß ihn in Mutina ein, nötigte ihn, sich zu ergeben, und brachte endlich mit Q. Catulus dem Lepidus bei Cosa in Etrurien eine völlige Niederlage bei, womit dem Aufstand ein Ende gemacht wurde. Dann mit der Führung des Sertorianischen Kriegs beauftragt, richtete er anfangs nichts aus; endlich aber, nachdem Sertorius 72 durch Verschworne ermordet worden war, gelang es ihm, dessen Nachfolger Perperna völlig zu besiegen und damit den Krieg zu beendigen. Auf dem Rückweg hatte er noch das Glück: den Rest von dem Heer des Spartacus zu vernichten, so daß er auch an der Besiegung dieses gefährlichen Feindes einigen Anteil für sich in Anspruch nehmen konnte. Er feierte hierauf 31. Dez. 71 wiederum einen glänzenden Triumph und trat am folgenden Tag sein erstes Konsulat an, zu welchem er, obgleich er keins der niedrigern Ämter bekleidet hatte, mit M. Licinius Crassus, dem wirklichen Besieger des Spartacus, gewählt worden war. Er sicherte sich nun die Gunst des Volkes, indem er den Volkstribunen die ihnen von Sulla entzogene volle Gewalt zurückgab und auch hinsichtlich der Besetzung der Gerichte durch