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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Pontius - Ponton.

mehrere Kanäle anzulegen. Unter den folgenden Kaisern gerieten diese Anstalten wieder in Verfall, und die Gewässer traten aus; erst Trajan legte die ganze Strecke von Treponti bis Terracina trocken. Unter den über Rom hereinbrechenden Stürmen nahm die Versumpfung wieder überhand. Die Päpste nahmen wiederholt die Austrocknungsarbeiten auf, so Bonifacius VIII. (um 1300), Martin V. (1417), Sixtus V. (1585) und Pius VI. (1778), welche Kanäle und Entwässerungsgräben (darunter den Fiume Sisto und die Linea Pia) ziehen ließen. Zugleich wurde die Appische Straße wieder in stand gesetzt und an derselben in gleichen Entfernungen Gebäude zur Besorgung der Posten und zur Aufnahme der Reisenden angelegt. Auch während der französischen Herrschaft wurden die Entsumpfungsarbeiten fortgesetzt; aber noch jetzt ist die Luft, besonders zu manchen Zeiten des Jahrs, der Gesundheit sehr nachteilig. Ein neuer Plan zur Entsumpfung des ganzen Gebiets ist jüngst vom preußischen Hauptmann v. Donat ausgearbeitet worden. Vgl. Prony, Description hydrographique et historique des marais Pontins (Par. 1823); Berti, Paludi Pontine (Rom 1884); v. Donat, Le paludi Pontine etc. (das. 1887).

Pontius, Paul, niederländ. Kupferstecher, geb. 1603 zu Antwerpen, war Schüler von Vorsterman und bildete sich dann unter dem Einfluß von Rubens zu dem ausgezeichnetsten niederländischen Stecher aus, welcher namentlich in der Durchbildung des Helldunkels unübertroffen war. Er hat nach Rubens und van Dyck, besonders nach letzterm, gestochen. Seine Hauptblätter nach Rubens sind: die Himmelfahrt Mariä, St. Rochus, Tomyris, Rubens' Porträt, die Kreuztragung, die Darstellung im Tempel; nach van Dyck: die heil. Rosalie, der heil. Hermann, Joseph und die Madonna, die Beweinung des Leichnams Christi und 30 Blätter der Ikonographie. Er starb 16. Jan. 1658.

Pontius Pilatus, s. Pilatus.

Pontivy (spr. pongtiwi), Arrondissementshauptstadt im franz. Departement Morbihan, am schiffbaren Blavet und am Kanal von Nantes nach Brest, Station der Eisenbahn von Auray nach St.-Brieuc, hat ein 1485 erbautes, ehemals den Fürsten Rohan gehöriges Schloß, eine schöne Kavalleriekaserne, mehrere Kirchen, ein Lyceum, eine landwirtschaftliche Schule, Hochöfen, Fabrikation von Leinwand, Handel mit Getreide, Rindvieh, Pferden, Honig, Leder etc., eine eisenhaltige Mineralquelle und (1886) 6263 Einw. Die Stadt führte während des ersten und zweiten Kaiserreichs den Namen Napoléonville, da Napoleon I. begonnen hatte, dieselbe zum militärischen Mittelpunkt der Bretagne zu machen.

Pont l'Abbé (spr. pong), Stadt im franz. Departement Finistère, Arrondissement Quimper, am gleichnamigen Fluß, 5 km vor seiner Mündung ins Atlantische Meer und an der Eisenbahn Quimper-P., hat einen Handelshafen, in welchem 1885: 109 Schiffe mit 4339 Ton. eingelaufen sind, ein altes Schloß, ein Karmeliterkloster mit schöner Kirche, Fabrikation von Stärke und chemischen Produkten, Handel mit Getreide, Mehl und Fischen und (1886) 3960 Einw.

Pont l'Evêque (spr. pong lewäk), Arrondissementshauptstadt im franz. Departement Calvados, an der Touques und an der Eisenbahn von Lisieux nach Honfleur (Abzweigung nach Villers sur Mer), mit Fabrikation von Spitzen, Handel mit Käse und Gemüse und (1881) 2554 Einw.

Pontmartin (spr. pongmartang), Armand Augustin Joseph Marie, Graf von, franz. Kritiker und Romanschriftsteller, geb. 16. Juli 1811 zu Avignon aus einer alten Adelsfamilie, erhielt seine Bildung auf dem Collège St.-Louis in Paris und widmete sich dann dem Rechtsstudium, in dem er aber durch die Julirevolution und den Tod seines Vaters unterbrochen wurde. 1832 debütierte er als Vorkämpfer der legitimistischen Sache in den Blättern von Nîmes und Marseille, schrieb dann, 1845 nach Paris zurückgekehrt, in gleichem Sinn in die "Quotidienne" und in die "Mode", um sich 1847 mit Vorliebe der schönen Litteratur zuzuwenden und in die "Revue des Deux Mondes" einzutreten. Seine "Causeries littéraires", die er seit 1853 allwöchentlich in der "Gazette de France" veröffentlichte, umfassen unter den Titeln: "Causeries du Samedi", "Semaines littéraires", "Nouveaux Samedis" etc. 29 Bände und sind, wenn man von ihrer streng katholischen und royalistischen Richtung absieht, ebenso geistvolle und gewissenhafte wie anziehend geschriebene kritische Abhandlungen, die sich über alle bedeutendern Erscheinungen der französischen Litteratur verbreiten. Großes Aufsehen erregten unter dem Kaiserreich seine von allerlei boshaften Anspielungen wimmelnden "Jeudis de Mme. Charbonneau" (1862). Seine Romane und Erzählungen: "Mémoires d'un notaire" (1853), "La fin du procès" (1853), "Entre chien et loup" (1868), "Le filleul de Beaumarchais" (1872) etc., sind weniger bedeutend, dagegen für den Musikfreund sehr unterhaltend seine "Souvenirs d'un vieux mélomane" (1878). Während des Kriegs von 1870/71 lieferte P. "Les lettres d'un intercepté" (1871) und während der Kommune: "Le radeau de la Méduse" (1872). Zuletzt veröffentlichte er: "Souvenirs d'un vieux critique" (1881-88, 9 Bde.) und "Mes mémoires" (1885 ff.).

Ponto (span. punto, franz. ponte), Kunstausdruck für die roten As im L'hombrespiel, desgleichen für die jedesmalige zweite Karte des Abzugs in einigen Hasardspielen, welche den "Pointeuren" gewinnt; auch der "Pointeur" selbst.

Pontogeneia, s. Haligeneia.

Pontoise (spr. pongtoahs', früher Briva Isarae), Arrondissementshauptstadt im franz. Departement Seine-et-Oise, amphitheatralisch am Zusammenfluß der Viosne und Oise gelegen, Station der Nordbahn und Westbahn (Linien nach Creil und Gisors), hat 2 Kirchen aus dem 12. und 16. Jahrh., ein Collège, eine schöne Brücke, Fabrikation von Strumpfwaren, Leder, Essig und chemischen Produkten, zahlreiche Mühlen, Handel mit Rindvieh, Getreide und Mehl, einen stark besuchten Jahrmarkt und (1886) 7192 Einw. Der Vertrag von P. 31. Juli 1413 brachte eine Versöhnung zwischen dem Dauphin Ludwig und Johann dem Unerschrockenen von Burgund zu stande.

Ponton (franz., spr. pongtóng, Brückenschiff), ein flaches, offenes Fahrzeug aus Holz oder Eisen zur Herstellung von Feldbrücken (s. d.). Die Pontons haben etwa 10 m Länge bei 4 m Breite und 1 m Tiefe. Eiserne Pontons besitzen vor hölzernen den Vorteil der Leichtigkeit, werden aber darin von den in Rußland gebräuchlichen Segeltuchpontons noch übertroffen. Bei diesen ist nur das Gerippe aus Holz, während die Wände aus wasserdichtem Segeltuch hergestellt sind. Sie werden auf eigens zu diesem Zweck gebauten Wagen (Hakets) in besondern Heeresabteilungen (Ponton- oder Brückentrains) mitgeführt. Die Pontons des deutschen Brückenmaterials sind aus verzinktem Eisenblech, 7,5 m lang, 1,5 m breit, 0,81 m im Lichten hoch. Das Gerippe bilden Kniee aus Winkeleisen. Am obern Rand herum läuft ein