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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Portugal

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Portugal (Geschichte bis 1557).

bis 1109) verlieh 1093 die Markgrafschaft zuerst seinem Schwiegersohn Raimund von Hochburgund dann dessen Verwandten, dem Grafen Heinrich, dem er seine natürliche Tochter Theresia zur Gemahlin gab. Schon dieser machte sich von Kastilien unabhängig und nannte sich "von Gottes Gnaden Graf und Herr von ganz P.", und sein Sohn Alfons I. Henriquez (1112-85) wurde nach dem glänzenden Sieg über die Araber bei Ourique (1139) von seinen Truppen als König von P. ausgerufen, welchen Titel der Reichstag von Lamego (1143) und dann auch der Papst bestätigten. Mit Hilfe deutscher Kreuzfahrer, welche auf dem Seeweg nach Palästina fuhren, um am zweiten Kreuzzug teilzunehmen, eroberte Alfons 25. Okt. 1147 Lissabon und schlug hier seine Residenz auf, die bisher in Coimbra gewesen war. Sancho I. (1185-1211) erwarb sich den Beinamen "der Bauernfreund" durch seine Fürsorge für den Ackerbau; aber auch für die Hebung der Städte, welche er mit christlichen Ansiedlern bevölkerte und mit Rechten und Freiheiten ausstattete, war er bemüht. Sein Sohn Alfons II. (1211-23), "der Dicke", der in demselben Geist regierte, geriet in Konflikt mit dem Klerus, der sich unter Sancho II. (1223-45), obwohl dieser in dem Konkordat von Coimbra dem Klerus weitgehende Rechte und Immunitäten einräumte und den Arabern Elvas entriß, so verschärfte, daß der Papst den König absetzte; derselbe floh nach Toledo, wo er 1248 starb. Sein Bruder Alfons III. (1248-79), welcher Algarve eroberte und sich "König von P. und Algarve" nannte, wurde anfangs von der Kirche begünstigt, aber als er sich von ihr unabhängig machen wollte, 1277 mit dem Bannfluch belegt, der nebst Interdikt auch über seinen Sohn Dionysius (Diniz, 1279-1325) verhängt wurde. Als dieser 1289 ein Konkordat mit der Kirche schloß, vereinbarte er gleichzeitig mit den Reichsständen zu Coimbra ein "Amortisationsgesetz", welches den Erwerb von Grundstücken durch die Tote Hand verbot, und verlieh bei der Aufhebung des Templerordens den größten Teil der Güter desselben dem neugestifteten Christusorden (1319); auch gründete er eine Universität zu Lissabon (1290), die 1307 nach Coimbra verlegt wurde. In den letzten Jahren seiner Herrschaft hatte Dionysius, der seinen natürlichen Sohn Alfons Sanchez, Herzog von Albuquerque, begünstigte, mit einem Aufruhr seines Sohns Alfons zu kämpfen, der ihm als Alfons IV. (1325-57) folgte. Derselbe hielt auf strenge Rechtspflege, ließ aber die Ermordung der Gemahlin seines Sohns Pedro, Ines de Castro, zu (1355). Pedro I. (1357-67), "der Strenge" genannt wegen der blutigen Rache, die er an den Urhebern jener That nahm (1360), vollzog die Gesetze ohne Rücksicht auf Rang und Stand zum Schutz der niedern Stände, so daß seine Regierung lange in gutem Andenken war, während sein Sohn Ferdinand I. (1367-83) durch einen unglücklichen Krieg mit Kastilien, in welchem Lissabon eingeäschert (1372) und die portugiesische Flotte besiegt wurde, das Land zerrüttete.

Die Zeit der großen Entdeckungsfahrten.

Auf Ferdinand I., mit welchem 22. Okt. 1383 das echte burgundische Haus erlosch, folgte mit Pedros I. unechtem Sohn Johann I. (1385-1433) das unechte burgundische Haus, das bis 1580 den portugiesischen Thron innehatte. Durch den Sieg bei Aljubarrota (14. Aug. 1385) über den kastilischen König Johann I., welcher als Gemahl einer Tochter Ferdinands I. Ansprüche auf P. machte, sicherte Johann seine Herrschaft und eroberte Ceuta. Unter ihm begannen mit der Fahrt nach Porto Santo (1418) und der nach Madeira (1419) die Entdeckungen der Portugiesen, welche besonders der dritte Sohn des Königs, Heinrich der Seefahrer, beförderte; ein von diesem ausgerüstetes Schiff umfuhr 1432 das Kap Bojador. Nach der kurzen Regierung Eduards (1433-38), der einen unglücklichen Krieg gegen Marokko führte, in welchem Ceuta wieder verloren ging und des Königs Bruder Ferdinand ("der standhafte Prinz") in lebenslängliche Gefangenschaft fiel, kam Alfons V. (1438-81) zur Regierung. Derselbe stand zuerst (bis 1448) unter Vormundschaft seines Oheims Dom Pedro, des Schöpfers der unter dem Namen "Ordonnanzen des Königs Alfons V." bekannten Gesetzsammlung. Alfons V., der mit Johanna, der Tochter Heinrichs IV. von Kastilien, verlobt war, wollte dies Reich erobern, mußte aber nach der Niederlage von Toro (1476) im Frieden von Alcantara (24. Sept. 1479) auf seine Ansprüche verzichten. Dagegen eroberte er die Städte Alkazar (1458), Arzilla (1470) und Tanger (1471) in Afrika, wodurch er den Beinamen des "Afrikaners" erwarb, und auf den vom Infanten Heinrich geleiteten Entdeckungsfahrten wurden 1447 die Azoren, 1455 die Inseln des Grünen Vorgebirges erreicht. Unter Alfons' Sohn und Nachfolger Johann II. (1481-95) entdeckte Bartholomeu Diaz 1486 das Kap der Guten Hoffnung. Hierauf schloß P. mit Spanien, das 1492 die Unternehmung des Kolumbus ausgerüstet hatte, 7. Juni 1494 einen Vergleich, wonach alle entdeckten Länder jenseit des 21.° westlich von den Kapverdischen Inseln den Spaniern, alle diesseit oder östlich den Portugiesen gehören sollten. Gegen den hohen Adel schritt Johann mit schonungsloser Härte ein, ließ den Herzog von Braganza hinrichten (20. Juni 1483), erstach mit eigner Hand den Herzog von Vizeu (22. Aug. 1484), forderte widerrechtlich veräußerte oder angeeignete Krongüter zurück und nahm die höchste Gerichtsbarkeit ausschließlich für die Krone in Anspruch.

Unter Emanuel (1495-1521) dem Großen (oder Glücklichen) erreichte P. seinen höchsten Glanz. Vasco da Gama erreichte endlich das lange erstrebte Ziel durch Umschiffung von Afrika und landete 20. Mai 1498 im Hafen von Kalikat; Cabral, nach Brasilien verschlagen (24. April 1500), nahm dies Land für die Krone von P. in Besitz. Die Macht der Portugiesen in Indien wurde besonders durch Almeida und Albuquerque begründet und von Goa über Ceylon, die Sundainseln und Molukken ausgedehnt; mit China und Japan wurden gewinnreiche Handelsverbindungen angeknüpft. Lissabon war eine Zeitlang der Stapelplatz für die vielbegehrten und wertvollen indischen Waren, und mit dem gesteigerten Wohlstand blühten auch Künste und Wissenschaften auf. König Emanuel ließ auch ein in seinem Todesjahr (1521) erschienenes Gesetzbuch ausarbeiten, den sogen. Manuelschen Kodex, eine Verbesserung und Umgestaltung der Ordonnanzen Alfons' V. Indes Emanuel selbst trug schon zum Verfall bei, indem er die Mauren und die Juden, von denen 2000 am Ostersonntag 1506 ermordet wurden, verfolgte und zahlreiche fleißige Unterthanen zur Auswanderung zwang. Da die Portugiesen gleich den Spaniern jener Zeit nur im Kriegsdienst und in abenteuerlichen kühnen See- und Entdeckungsfahrten eine ihrer würdige Thätigkeit sahen, erlahmten in P. Industrie und Ackerbau, und auch der geistige Aufschwung wurde durch die Einführung der Inquisition unterdrückt, welche die Jesuiten 1536 unter Johann III. (1521-57) durchsetzten. Auf diesen folgte, da ihm seine sechs Söhne