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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Porzellanschnecke - Posaune.

ist die Zahl der Porzellanfarben, welche unter der Glasur aufgetragen werden und mit ihr, ohne sich zu verändern, gar gebrannt werden können (Scharffeuerfarben). Die P. war schon bei den Chinesen und Japanern in Gebrauch und wurde seit dem 17. Jahrh. in Europa überall betrieben, wo Porzellanfabriken bestanden. In neuerer Zeit ist die P. eine Lieblingsbeschäftigung kunstübender Damen geworden, welche auf Porzellantellern und -Schalen mit Vorliebe Blumenstücke, Landschaften, Köpfe, Genrefiguren etc. meist nach fremden Vorlagen kopieren. Vgl. Strele-Tscheuschner, Handbuch der Porzellan- und Glasmalerei (4. Aufl., Weim. 1883); Romanoff, Die Behandlung der Schmelzfarben (Berl. 1887); Kärner, Die P. (das. 1872); Klincke, Anleitung zum Malen auf Porzellan und Glas (3. Aufl., Leipz. 1888).

Porzellanschnecke (Cypraea Lam.), Schneckengattung aus der Gruppe der Vorderkiemer (Prosobranchia) und der Familie der Porzellanschnecken (Cypraeidae), besitzt einen ziemlich dicken Kopf mit langen Fühlern, an deren Grund außen auf einem Höcker die Augen sitzen, und einen auf beiden Seiten sehr weit ausgebreiteten Mantel, welcher so umgeschlagen werden kann, daß er das Gehäuse größtenteils oder ganz bedeckt. Letzteres, bei dem die jüngste Windung alle vorhergehenden einhüllt, besitzt hohen Glanz, und da es überdies sehr schön gefärbt und gezeichnet zu sein pflegt, so gehören die einzelnen Arten zu den beliebtesten Schnecken der Sammler. Auch dienen die Gehäuse sehr allgemein zum Schmuck, und einige Arten, besonders Cypraea moneta L. (die Kauri, s. d.), gelten durch uralte Übereinkunft in manchen Ländern als Scheidemünze.

Porzellanspat (Passauit), ein dem Skapolith (s. d.) sich anschließendes Mineral, kristallisiert rhombisch, kommt eingewachsen, auch derb, in individualisierten Massen und grobkörnigen Aggregaten vor, ist gelblichweiß, hellgrau, glasglänzend, durchscheinend, Härte 5,5, spez. Gew. 2,67-2,69, findet sich bei Obernzell u. Pfaffenreuth bei Passau, teils derbe Portion im Syenit, teils Nester und Lagen im körnigen Kalk bildend, liefert bei d. Verwitterung Porzellanerde.

Porzellansteine, s. Mauersteine, S. 352.

Porzellantiegel, s. Schmelztiegel.

Porzellanturm, ein im Anfang des 15. Jahrh. in Nanking in China erbauter, 80 m hoher, aus neun Stockwerken bestehender und mit dicken Porzellanplatten bekleideter Turm, welcher während der Revolution der Taiping (1852-64) zerstört wurde. Von ihm existieren zahlreiche kleine Nachbildungen in Porzellan und andern Materialien (unter anderm im Grünen Gewölbe zu Dresden).

Posa, Marquis, in Schillers Tragödie "Don Karlos" eine ideale Gestalt ohne historische Unterlage; sprichwörtlich: beherzter Vorkämpfer für Wahrheit und Menschenrechte, auch ein treuer Freund.

Posada (span.), Wirtshaus, Herberge.

Posada-Herrera, José de, span. Staatsmann, geb. 1815 zu Llares (Provinz Oviedo), ward Professor der Nationalökonomie in Oviedo, 1840 Mitglied der Cortes, wo er sich zu den Gemäßigten hielt, 1853 Vizepräsident derselben, trat mit an die Spitze der liberalen Bewegung, war 1858-63 unter Isturiz und O'Donnell, den er bei der Bildung der liberalen Union unterstützte, und 1865 unter O'Donnell Minister des Innern, 1868-69 Gesandter in Rom und seit 1875 wiederholt Präsident des Cortes. Er schloß sich nach der Thronbesteigung Alfons' XII. erst der liberal-konservativen Partei unter Canovas, 1879 aber den Konstitutionellen unter Sagasta an. Nachdem er im Oktober 1883 ein liberales Ministerium gebildet hatte, das sich aber nur bis zum Januar 1884 behauptete, starb er 7. Sept. 1885 in Madrid.

Posadnik (russ.), Dorfrichter, Schultheiß.

Posamentier (franz. passementier), ursprünglich s. v. w. Bortenwirker, Verfertiger von Borten und Tressen, fertigte später auch Bänder, Schnüre, Fransen, Quasten, kunstvoll besponnene Knöpfe und somit fast alles, was zur Dekorierung von Kleidern etc. benutzt wird, während in neuester Zeit namentlich die Bandweberei sich wieder davon abgetrennt hat. Der Posamentierstuhl gleicht im wesentlichem einem Webstuhl, ist aber kleiner, weil nur für schmälere Waren bestimmt, und mit besondern Vorrichtungen zur Herstellung von Mustern, oft auch mit dem Jacquardmechanismus versehen.

Posaune (ital. Trombone), Blechblasinstrument von ähnlichem Klangcharakter wie die Trompete und mit ihr von Haus aus eine Familie bildend. Der Name und das Instrument selbst stammen her von der römischen buccina (s. d.); letzteres war früher eine langgestreckte, gerade Röhre (Tuba), wurde aber der bequemern Handhabung wegen, sobald die Technik des Instrumentenbaus so weit vorgeschritten war (wohl Ausgang des Mittelalters), in Windungen gelegt, wie man ja auch aus ähnlichen Gründen die Bomharte umbog und schließlich zum Fagott umknickte. Wir finden aber die P. bereits zu Anfang des 16. Jahrh. in ihrer heutigen Gestalt mit Zugvorrichtung, welche bekanntlich den Zweck hat, die Schallröhre zu verlängern und damit den Ton des Instruments zu vertiefen. Die P. hat den Vorzug vor allen andern Blasinstrumenten, daß der Bläser die Intonation vermittelst der Züge völlig in der Gewalt hat. Der Klang ist voll und prächtig, von erhabener Feierlichkeit. Die P. wurde früher in mehreren verschiedenen Größen gebaut, ist aber heute fast nur noch als Tenorposaune im Gebrauch, deren Umfang, abgesehen von den Zügen, die Obertonreihe von (Kontra-) B bis (zweigestrichen) c'' (3 Oktaven) ist. Durch die Züge kann der tiefste (schwer ansprechende) Naturton um 3 Halbtöne vertieft werden (Kontra-A-As-G, die sogen. Pedaltöne der P.), der zweite um 6 (so viel beträgt die äußerste Verlängerung durch Ausziehen; es ist nicht recht ersichtlich, warum nicht auch der erste Naturton so weit vertieft werden könnte, vorausgesetzt, daß der Bläser den dazu nötigen Atem besitzt), so daß die Töne ^[img] der Tenorposaune fehlen, während vom E ab die Reihe sich chromatisch bis c'' erstreckt und viele Töne auf mehrfache Weise hervorgebracht werden können. Seltener sind heute die Baßposaune (Umfang vom Kontra-F bis g' [Quartposaune], resp. vom Kontra-Es bis f' [Quintposaune]) und die Altposaune (Umfang: groß Es bis f''), während die Diskantposaune gänzlich außer Gebrauch gekommen ist (Umfang: klein es bis g''). Die Posaunen werden in der Notierung als nicht transponierend angesehen; die Töne klingen, wie sie geschrieben werden. Man notiert für die Tenorposaune im Tenor- oder Baßschlüssel, für die Altposaune im Altschlüssel. Die Oktav- oder Kontrabaßposaune steht eine Oktave tiefer als die Tenorposaune. In jüngster Zeit hat man auch an Stelle der Züge das System der Ventile auf die P. angewendet. Schulen für die P. schrieben Braun u. Fröhlich. Virtuosen darauf waren, bez. sind: Ahlsdorf, Belke, Braun, Dueller, Fröhlich, Hörbeder, Micke, Queißer,