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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Pottenstein; Potter; Potteries; Pottfisch; Pottiaceen; Pottle; Pottlot; Pottsches Übel

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Pottenstein - Pottsches Übel.

Park, eine schöne Pfarrkirche, eine bedeutende Baumwollspinnerei und Zwirnerei (mit 60,000 Spindeln und 1000 Arbeitern), Brauerei und (1880) 3309 Einw.

Pottenstein, 1) Stadt und Luftkurort im bayr. Regierungsbezirk Oberfranken, Bezirksamt Pegnitz, in romantischer Lage in der Fränkischen Schweiz, an der forellenreichen Püttlach, 435 m ü. M., hat ein hoch gelegenes altes Schloß (im 9. Jahrh. erbaut), ein Amtsgericht, Kalksteinbrüche u. (1885) 989 fast nur kath. Einwohner. In der Nähe zwei Höhlen (Teufelslöcher). - 2) Marktflecken in der niederösterreich. Bezirkshauptmannschaft Baden, an der Triesting und der Staatsbahnlinie Leobersdorf-St. Pölten, hat eine Baumwollspinnerei, Zement- und Metallwarenfabrikation und (1880) 1897 Einw., ist Sitz eines Bezirksgerichts und beliebter Sommeraufenthaltsort.

Potter, 1) Paul, holländ. Maler und Radierer, Sohn des Genre-, Landschafts- und Stilllebenmalers Pieter P., geb. 1625 zu Enkhuizen, kam mit seinem Vater 1631 nach Amsterdam, wurde 1646 in die Malergilde zu Delft und 1649 in die im Haag aufgenommen und siedelte 1653 nach Amsterdam über, wo er im Januar 1654 starb. P. war ein frühreifes Talent, das sich schon in Radierungen aus den Jahren 1643 und 1644 offenbarte. Er gilt für den größten Tiermaler der holländischen Schule. Doch gründet sich dieser Ruhm weniger auf seine Gemälde mit Figuren in naturgroßem Maßstab, unter denen der junge Stier (im Museum des Haag) und die Bärenjagd (Rijksmuseum zu Amsterdam) hervorzuheben sind, als auf seine kleinen Tierstücke, welche Rinder, Schafe, Pferde und Schweine auf der Weide, vor Gehöften und in Bauernhöfen darstellen und sich durch pastosen Farbenauftrag, sorgsame Zeichnung und ein sonniges, klares Kolorit auszeichnet Seine Hauptwerke sind: die pissende Kuh und das Gericht der Tiere über den Jäger (Petersburg, Eremitage), Pferde vor einer Hütte und die Wiese (Paris, Louvre), die sich spiegelnde Kuh und die Wiese mit Vieh (Museum des Haag), die Hütte des Hirten, Orpheus und die Tiere und Hirten mit ihrer Herde (Amsterdam, Rijksmuseum) und Aufbruch zur Jagd im Bosch beim Haag (Berliner Museum). Die Mehrzahl seiner Bilder befindet sich in England. Vgl. T. van Westrheene, Paulus P., sa vie et ses œuvres (Haag 1867).

2) Louis Joseph Antoine de, belg. Politiker, geb. 26. April 1786 zu Brügge in Flandern, führte die heftigste Polemik gegen die katholische Geistlichkeit und die Aristokratie, unter anderm in den Schriften: "L'esprit de l'Église" (Par. 1821, 8 Bde.), "Vie de Scipion Ricci" (Brüssel 1825, 3 Bde.; 3. Aufl. 1857; deutsch, Stuttg. 1827) u. a., später auch gegen die Regierung, wobei er hauptsächlich von Privathaß gegen den Minister van Maanen geleitet ward. 1828 wurde er wegen mehrerer heftiger Artikel im "Courrier des Pays-Bas" gegen das Ministerium zu einer Gefängnisstrafe von 18 Monaten und einer Geldbuße von 1000 Gulden verurteilt. Aus seinem Gefängnis richtete er aufreizende Schriften an das Volk und wirkte für eine Vereinigung der liberalen Partei mit der katholischen. Kaum freigegeben, ward er wegen revolutionärer Pamphlete 30. April 1830 zu achtjähriger Verbannung verurteilt. Nach dem Ausbruch der belgischen Revolution eilte er nach Brüssel zurück, ward hier sofort Mitglied der provisorischen Regierung und mit dem Entwurf des neuen Staatsgrundgesetzes beauftragt u. sprach sich auf dem am 10. Nov. durch ihn eröffneten Nationalkongreß offen für die republikanische Staatsform aus, zog sich aber, als seine Anträge durchfielen, 13. Nov. in das Privatleben zurück. Er starb 22. Juli 1859 in Brügge. Noch sind von seinen Schriften hervorzuheben: "Histoire du christianisme" (Par. 1836, 8 Bde.); "Résumé de l'histoire du christianisme" (1856, 2 Bde.); die Flugschrift "Y aura-t-il une Belgique?" (1838); "La révolution belge de 1828 à 1839, souvenirs personnels" (Brüssel 1838-39, 2 Bde.). Vgl. Juste, Louis de P. (Brüssel 1874).

Potteries (spr. -ris, "Töpfereien"), ein Bezirk in der engl. Grafschaft Stafford, Hauptsitz der Porzellanmanufaktur Englands, umfaßt sieben größere Städte (Burslem, Hanley, Stoke upon Trent, Newcastle under Lyme, Longton, Tunstall und Fenton) nebst zahlreichen Dörfern (Etruria, Dresden etc.), welche insgesamt (1881) 214,410 Einw. haben und so dicht bei einander liegen, daß sie fast eine einzige Stadt bilden. Die P. verdanken ihr Auskommen dem Unternehmungsgeist Wedgwoods (s. d.). Im Anfang des 18. Jahrh. war die Gegend nur von wenigen Landleuten bewohnt, die grobe Töpferwaren verfertigten.

Pottfisch, s. Pottwal.

Pottiaceen, Familie der Laubmoose, s. Moose, S. 792.

Pottle (spr. pottl), neues englisches Hohlmaß, = ½ Gallon = 2,272 Lit.

Pottlot, s. v. w. Graphit.

Pottsches Übel (Malum Pottii, Kyphosis, Spondylarthrocace), die eiterige Entzündung der Wirbelknochen und die daraus hervorgehende bucklige Verkrümmung der Wirbelsäule. Die Krankheit kann sich an allen Stellen der Wirbelsäule zeigen und befällt vorzugsweise das Kindes- und Jünglingsalter. Es stellt sich oft ohne jede äußere Veranlassung oder nach einer Verletzung oder einer Erkältung etc. ein undeutlicher und unsteter Schmerz in der Wirbelsäule ein, welcher sich steigert oder vermindert; bald beginnt eine Verkrümmung der Wirbel hervorzutreten, der Gang wird unsicher, zuweilen bemerkt man Eiterungen längs des Rückgrats und dazu eine allgemeine Abzehrung mit Fieber und Schweißen. Die häufigste Ursache des Pottschen Übels ist die Tuberkelkrankheit, welche sich zumal bei Kindern gern in den Knochen lokalisiert. Der Krankheitsprozeß ist nur dann zum Stillstand zu bringen, wenn er noch nicht zu weit vorgeschritten ist. Das allererste Erfordernis für die Heilung ist die Beobachtung größter und lang andauernder körperlicher Ruhe in der Rücken- oder Seitenlage, sobald sich die ersten Zeichen der Krankheit bemerklich gemacht haben. Ist aus anderweitigen Gründen die dauernde Rückenlage nicht durchzuführen, so muß die von Taylor angegebene Maschine oder ein Gipsverband getragen werden. Außerdem muß ein guter Ernährungszustand des Patienten so lange wie möglich aufrecht erhalten werden, weil die Kranken durch die Knochenvereiterung sehr geschwächt sind. Dies geschieht durch eine kräftige, aber leichtverdauliche Diät (Milch, Eier, Fleisch, Wein) und durch den fortgesetzten Gebrauch des Leberthrans. Einen sehr erheblichen Erfolg hat oft der Gebrauch der Solbäder Kreuznach, Kösen u. a. In vielen Fällen erfolgt Heilung des Übels, indem die Knochenkrankheit erlischt und die Wirbelsäule in der krankhaften Stellung mit merklich hervortretendem Buckel fixiert wird. Bei der Mehrzahl der Kranken bedingt eine gleichzeitig vorhandene tuberkulöse Erkrankung innerer Organe einen frühzeitigen Tod. Bei starker seitlicher Abweichung der Wirbel wird der Brustraum so verengert, daß die Lungen kaum Platz darin haben, Störungen im Kreislauf, Blausucht entstehen, welche dann unter allge-^[folgende Seite]