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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Praga - Praguerie.

selbe wich zurück. Vergeblich stellte sich Schwerin mit der Fahne in der Hand an die Spitze der wieder gesammelten Bataillone. Er selbst fiel, von fünf Kugeln durchbohrt, und die Bataillone gingen abermals zurück. Aber auf der österreichischen Seite nahm man diesen Vorteil nicht wahr, da jede Oberleitung fehlte, Browne tödlich verwundet, der Prinz Karl aber vom Brustkrampf befallen war und die versäumten Dispositionen zur Schlacht nicht geben konnte. Als Friedrich jetzt einen neuen Angriff des zweiten Treffens befahl und den rechten Flügel der Österreicher warf, zugleich der Herzog von Bevern im Zentrum und die Prinzen Ferdinand von Braunschweig und Heinrich auf dem rechten Flügel siegreich vordrangen, ward die Schlacht zu gunsten der Preußen entschieden, die Österreicher teils in die Stadt P., teils über die Sazawa gedrängt. Letztere verloren 5000 Gefangene, den größten Teil ihrer Bagage, 60 Kanonen und 12,000 Mann an Toten und Verwundeten. Der Verlust auf preußischer Seite belief sich auf wenigstens 12,500 Mann. Unter den Toten befanden sich der Feldmarschall Schwerin, der Prinz von Holstein, Goltz und mehrere andre Generale. Österreich verlor den Feldmarschall Browne, welcher einige Tage nachher in P. an seinen Wunden starb. Friedrich II. hielt mit seinem 60,000 Mann starken Heer P. eingeschlossen und hoffte, es durch Hunger bald zu bezwingen; doch gab die Schlacht von Kolin (s. d.) den Ereignissen plötzlich eine andre Wendung. Vgl. Ammann, Die Schlacht bei P. (Heidelb. 1887).

Praga, Vorstadt, s. Warschau.

Praga, Emilio, ital. Dichter, geb. 1839 in der Lombardei, widmete sich zunächst der Malerei und nebenbei der Poesie und veröffentlichte 1862 eine Gedichtsammlung, "Tavolozza" betitelt, welche ganz eigentümlich frische Gemütstöne anschlug. Bald folgte eine zweite Sammlung: "Penombre" (1864), in welcher ein gewisser Naturalismus in ungeschminkter Darlegung innerer Zerrissenheit schon greller hervortrat. Die Zerstörung seines Familienglücks, der Verlust von Weib und Kind, zerrüttete das Gemüt des Dichters immer mehr. Er suchte Aufregung und Vergessenheit im Wein, aber seine Schaffenslust erschlaffte nicht. Er veröffentlichte: "Fiabe e leggende" (1867, 2. Aufl. 1884), poetisch behandelte mittelalterliche Sagenstoffe, die großen Beifall fanden, und versuchte sich auch im Drama. Indessen vermochten weder die Komödien: "Le madri galanti" (mit Boito) und "Il capolavoro d'Orlando" (1867) noch die dramatische Szene "Il fantasma" (1867) und das Drama "Altri tempi" einen Erfolg zu erringen. In den letzten zehn Jahren seines Lebens erteilte P. Unterricht an einem Konversatorium zu Mailand, wo er 26. Dez. 1875 starb. Aus seinem Nachlaß erschienen: "Trasparenze" (Turin 1878), Poesien, welche die lyrische Begabung des Dichters ungeschwächt zeigten. Man kommt gegenwärtig mit zunehmender Bewunderung auf P. zurück als einen Dichter, welcher Realist war, ohne den Kult des Ideals zu verleugnen. P. Heyse und Jul. Schanz haben einiges von ihm übersetzt.

Prägedruck, Druckart, bei welcher das Gedruckte reliefartig auf einer Seite des Papiers etc. hervortritt, wird auf der Schnellpresse und eigens konstruierten Prägepressen hergestellt und dient zur Zierde wie als Sicherheitsmarke (bei Wertpapieren, Koupons etc.). Der P. wird weiß oder in Bunt ausgeführt mit einem Metallstempel als Matrize, in welchem die zu prägende Schrift, Wappen, Fabrikmarke u. dgl. vertieft angebracht ist; als Gegenstempel dient ein Klischee aus Schriftmetall, Guttapercha oder aus einer Mischung von Kleister und Schlämmkreide mit Seidenpapier und feinen Seidenläppchen. P. in größern Flächen heißt Reliefdruck; der Blindendruck (s. d.), bei welchem als Matrize eine dünne Guttaperchaplatte dient, ist ebenfalls eine Art P.

Pragel, Alpenpaß zwischen dem Schwyzer Muota- und dem Glarner Klönthal, 1543 m hoch. Die Straße verläßt in Glarus oder Netstal (450 m ü. M.) das Thal der Linth, steigt längs des Löntsch zum Klönthaler See (804 m) hinauf und folgt dessen linkem Ufer bis Vorauen. Hier beginnt der Fußpfad nach Richisau (1070 m), d. h. zur Oberstufe des Thals, und in dieser durch Wald und Alpen hinan zur Paßhöhe. Der Abstieg ins Muotathal (608 m) führt anfänglich angenehm durch Alpenweiden, wird dann holperig und ermüdend. Der Bau einer Fahrstraße ist längst angeregt (s. Alpenstraßen, S. 405).

Prägen, s. Münzwesen, S. 895.

Prager Kompaktaten, s. Kompaktat.

Pragmatisch (griech.), im allgemeinen das zur Betreibung von Geschäften Gehörige. Die pragmatische Geschichtschreibung entwickelt die Begebenheiten nach ihrem ursachlichen Zusammenhang und sucht sie in sachgemäßer Weise zum Verständnis zu bringen (vgl. Geschichte, S. 206). Auch bedeutet p. s. v. w. klug, erfahren, geschäftsgewandt; daher pragmatische Regeln, s. v. w. Klugheitsregeln. Dienstpragmatik ist die die Regeln für Betreibung der öffentlichen Geschäfte enthaltende Dienstordnung.

Pragmatische Sanktion (Sanctio pragmatica), ein Edikt des Landesherrn, welches eine wichtige Staatsangelegenheit durch ein Grundgesetz ordnet, welches unverletzlich sein und für alle Zeiten in Geltung bleiben soll. Die wichtigsten pragmatischen Sanktionen sind: die P. S. Ludwigs IX., des Heiligen, Königs von Frankreich, welche derselbe 1269 zur Feststellung der Rechte der französischen Geistlichkeit erließ (s. Gallikanische Kirche); die P. S. Karls VII, Königs von Frankreich, durch welche er 7. Juli 1438 zu Bourges nach den Beschlüssen des Baseler Konzils die Freiheiten der gallikanischen Kirche bestätigte, von Franz I. wieder aufgehoben; die P. S. des deutschen Reichstags zu Mainz von 1439, welche die Baseler Beschlüsse annahm, aber vom römischen Stuhl später durch Konkordate wieder beseitigt ward; die P. S. Kaiser Karls VI. 1724, durch die bestimmt ward, daß alle österreichischen Lande stets ungeteilt beisammen bleiben und in Ermangelung männlicher Nachkommen auf die weiblichen Nachkommen des Kaisers (auf Maria Theresia) und erst bei deren Abgang auf die Töchter seines Bruders Joseph und deren männliche und weibliche Nachkommenschaft nach dem Rechte der Erstgeburt vererben sollten (vgl. Bidermann, Entstehung und Bedeutung der Pragmatischen Sanktion, Wien 1875); endlich die P. S. Karls III., Königs von Spanien, wodurch derselbe, als er 1759 die sizilische Krone seinem dritten Sohn überließ, die Erbfolge bestimmte.

Prägnant (lat., "schwanger"), bedeutungsvoll, inhaltsschwer; Prägnanz, Gedanken-, Begriffsfülle.

Prägravation (lat.), Überbürdung (mit Steuern); prägravieren, überbürden, belästigen.

Prägschatz, s. Münzwesen, S. 893.

Praguerie (spr. pragh'rih), der Aufstand der franz. Großen, auch des Dauphins Ludwig, gegen König Karl VII. 1440 wegen der Ordonnanz von Orléans vom 2. Nov. 1439, welche die Errichtung eines kleinen stehenden Heers befahl; die Empörung wurde erst