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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Praepositus; Praeputium; Präponieren; Präposition; Präpotenz; Präraffaeliten; Präriehund; Prärien

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Präponieren - Prärien.

Präponieren (lat.), voranstellen, voransetzen.

Präposition (lat.), Vorwort, ein Redeteil, der meist dem von ihm regierten Wort vorausgeht. Alle Präpositionen haben bestimmte Kasus bei sich, und zwar werden im Deutschen die Richtung woher und der Ort wo im allgemeinen durch den Dativ, die Richtung wohin aber durch den Akkusativ bezeichnet; manche Präpositionen regieren aber, je nachdem sie den Ort allein oder zugleich die Richtung wohin bezeichnen, bald den Dativ, bald den Akkusativ, so: an, auf, hinter, in, neben, über, unter, vor und zwischen. Nur nach und zu regieren stets den Dativ. Den Genitiv regieren 1) die zu Präpositionen gewordenen Substantive: statt, halben, oberhalb, unterhalb, innerhalb, außerhalb, diesseit, jenseit, kraft, vermöge, längs, laut, trotz, wegen, um - willen, zufolge; trotz und längs werden auch mit dem Dativ verbunden, ebenso zufolge, wenn es dem Substantiv nachfolgt; 2) die zu Präpositionen gewordenen Adverbien: binnen, unweit, während, ungeachtet, vermittelst. Auch die übrigen Präpositionen sind in einer frühern Periode des Sprachlebens sämtlich Substantive, dann Adverbien gewesen. Der allgemeine Weg zur Entstehung einer P., wenigstens in den indogermanischen Sprachen, ist, wie die vergleichende Sprachforschung gezeigt hat, der, daß zunächst ein beliebiger Kasus eines Substantivs oder Pronomens durch häufigen Gebrauch konventionell wird und zum Adverbium erstarrt. Als solches kann es sich dann ebensowohl mit einem Nomen wie einem Verbum enger verbinden, um dessen Bedeutung näher zu bestimmen; daher die aus einer ältern Sprachperiode noch übrigen festen Verbindungen der Präpositionen mit Verben. Je länger je mehr schließen sich aber die Präpositionen an die Substantive an, indem diese ihre Kasusendungen verlieren und zum Ausdruck der Kasusbedeutung der nähern Bestimmung durch Präpositionen bedürfen. So werden z. B. im Französischen der Genitiv und Dativ nicht mehr durch besondere Endungen, sondern nur durch Vorsetzung der Präpositionen de und à ausgedrückt. Vgl. Pott, Etymologische Forschungen, Teil 1 (2. Aufl., Detm. 1859).

Praepositus (lat., "Vorsteher"), teils gleichbedeutend mit Propst, teils in manchen Gegenden und Städten Titel des ersten Geistlichen einer Parochie.

Präpotenz (lat.), Übermacht.

Praeputium (lat.), Vorhaut.

Präraffaeliten, Gruppe englischer Maler, welche auf das Studium der Natur zurückzugehen suchten, die sie in ihrer ursprünglichen Erscheinungsform bei den Vorgängern Raffaels, den italienischen Quattrocentisten, zu finden glaubten. Die Kunstweise Raffaels und der andern großen italienischen Cinquecentisten erachteten sie als zu vollkommen entwickelt, um auf dem Weg der Nachahmung derselben noch eine Entwickelung und eine bedeutendere Selbständigkeit gewinnen zu können. Diese Gruppe bildete sich 1849; ihre Hauptvertreter waren: J. E. Millais, F. M. Brown, W. H. Hunt, Rossetti, Ch. Collins, E. Burne Jones, W. B. Richmond, Stanhope und W. Crone. Die Nachahmung artete schnell in Manier aus, so daß die Richtung wieder in den Hintergrund trat, zumal da die hervorragendsten Anhänger derselben, wie Millais und Richmond, bald andre Wege einschlugen.

Präriehund (Cynomys ludovicianus Baird), Nagetier aus der Familie der Eichhörnchen (Sciuridae) und der Unterfamilie der Murmeltiere (Arctomyina), 33 cm lang, mit 7 cm langem Schwanz, gedrungenem Leib, großem Kopf, verkümmerten Backentaschen, ist oberseits leicht rötlichbraun, grau und schwärzlich gemischt, unterseits schmutzig weiß, an der Schwanzspitze grau gebändert. Der P. wurde nach seiner bellenden Stimme benannt, während die Gestalt an Ziesel oder Murmeltier, aber keineswegs an einen Hund erinnert. Er findet sich in den Prärien Nordamerikas und bildet auf etwas vertieften Wiesen ausgedehnte Ansiedelungen (Dörfer), in denen kleine Hügel, welche etwa einer Wagenladung Erde entsprechen, je einen Bau bezeichnen. Diese Hügel sind 5-6 m voneinander entfernt und durch festgetretene Pfade miteinander verbunden. Auf jedem Hügel sitzt aufrecht ein Tierchen als Wache und warnt vor jeder sich nahenden Gefahr, worauf alle in dem unterirdischen Bau verschwinden. Oft leben der P., eine Eule und eine Klapperschlange friedlich in einem und demselben Bau. Der P. nährt sich von dem Gras, welches die Steppe bedeckt, und hält von Ende Oktober bis zum Frühjahr Winterschlaf in seinem Bau, dessen Gänge verstopft werden. Sein Fleisch ist schmackhaft, doch ist die Jagd schwierig wegen der Vorsicht der Tiere und wenig ergiebig, weil sich Verwundete in die Baue retten oder von ihren Genossen hinabgezogen werden. In der Gefangenschaft halten sie gut aus und pflanzen sich auch fort.

Prärien (franz., "Wiesen") nennt man nach dem Vorgang der Franzosen die ausgedehnten, baumlosen, meist mit einförmiger Pflanzendecke bekleideten Flachländer Nordamerikas, welche sich über den größten Teil des Mississippithalbeckens ausbreiten, nordöstlich zum Michigan- und Eriesee reichen und im N. weit ins britische Gebiet bis zum Saskatschewan hinübergreifen. Bis zum Fuß des Felsengebirges steigen diese Ebenen fast unmerklich zu 1000-1500 m an. Sie haben je nach Bodenbeschaffenheit und Lage ihre Eigentümlichkeiten. Im O. des Mississippi ist das Wiesenland vielfach mit Waldstrichen durchsetzt; aber die typische Prärielandschaft hat eine wellenförmige (rolling) Oberfläche, sie ist bis 1 m tief mit einer fruchtbaren Humusschicht bedeckt, auf der ein dichter Teppich von Wiesengräsern und blumenreichen Kräutern blüht. Bäume kommen fast nur in den tief eingeschnittenen Flußthälern vor. Unter den Kräutern sind die Kompositen und Leguminosen am stärksten vertreten: Aster, Sonnenblume, Helianthus, wilde Hyazinthe und die Kompaßpflanze, deren Blätter dem Wanderer den Norden andeuten. Im W. (etwa von 100° westl. L. an) nimmt mit zunehmender Dürre diese Pflanzendecke an Reichtum ab; Büffelgras (Sesleria) und Büschelgras (bunch-grass) werden vorherrschend. Im S. bedeckt der Sage brush (eine Artemisia) weite Flächen; Kaktusarten, darunter namentlich die Prickly Pear ("Stachelbirne", eine Opuntia-Art), die dornige Mezquite oder Muskeet (Algarobia) und die Yucca verbreiten sich über die dürreren Landstriche. Eine Heideflora verdrängt endlich die Gräser und Wiesenkräuter; die Prärie wird zur "Steppe" und artet stellenweise in eine Wüste aus. Für die Tierwelt der P. sind der amerikanische Bison oder Buffalo und der Präriehund (Cynomys) am bezeichnendsten. Nördlicher trifft man den Elch oder Wapiti und das Elentier (Moose). Auch Hirsche und Antilopen steigen im Herbst von den Bergen in die Ebenen herab, um Ende des Frühjahrs wieder dahin zurückzukehren. Präriehühner und wilde Truthühner sind noch zahlreich. Über die Entstehung der P. ist viel gestritten worden. Während einige (wie Whitney) den Mangel an Bäumen der staubartigen Beschaffenheit des Bodens zuschrei-^[folgende Seite]