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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Prechtler - Predigt.

nennen, für die er zahlreiche Artikel selbst bearbeitete. Viele Abhandlungen enthalten auch die von ihm herausgegebenen "Jahrbücher des polytechnischen Instituts" (Wien 1819-39, 20 Bde.). Außerdem schrieb er: "Grundlehren der Chemie in technischer Beziehung" (2. Aufl., Wien 1817-18, 2 Bde.); "Anleitung zur zweckmäßigsten Einrichtung der Apparate zur Beleuchtung mit Steinkohlengas" (das. 1818); "Praktische Dioptrik" (das. 1828); "Untersuchungen über den Flug der Vögel" (das. 1846).

Prechtler, Johann Otto, Dichter, geb. 21. Jan. 1813 zu Grieskirchen in Oberösterreich, bezog die Universität Wien und kam hier in freundschaftliche Beziehungen zu Grillparzer, welcher ihm fördernde Teilnahme zuwendete und auch zur Beamtenlaufbahn (1834) verhalf. Schließlich (1856) wurde P. sogar sein Nachfolger auf dem Posten eines Archivdirektors im Finanzministerium. Nachdem er 1866 wegen eines Augenleidens in den Ruhestand getreten, lebte er abwechselnd in Passau, Steyr, Linz, zuletzt in Innsbruck, wo er 6. Aug. 1881 starb. Prechtlers erste "Dichtungen" erschienen gesammelt Wien 1836; darauf ließ er vorzüglich Dramen folgen und zwar in einer erstaunlichen Produktivität. Die Jahre 1843-48 brachten je eine, auch mehrere dramatische Arbeiten von ihm auf die Hofburgbühne. "Isfendiar" (1843), "Die Kronenwächter" (1844), ferner "Die Rose von Sorrent" (1849), "Johanna von Neapel" (1850), "Er sucht seine Braut" (Lustspiel) erlebten kürzere oder längere Zeit Wiederholungen; kein Stück brachte es jedoch zum allgemeinen Durchdringen oder zu dauernder Geltung auf der Bühne. P. verfaßte auch an 40 Operntexte, die zum großen Teil komponiert wurden, so "Gutenberg", von Fuchs, und "Diana von Solange", vom Herzog Ernst von Koburg. Die erste Gesamtausgabe seiner "Gedichte" erschien Wien 1844; außerdem veröffentlichte er: "Das Kloster am See", epische Dichtung (das. 1847; 2. Aufl. u. d. T.: "Das Kloster am Traunsee", Gmunden 1869); "Ein Jahr in Liedern" (Wien 1849); "Zeitlosen", Gedichte (das. 1854), und die spätern Gedichtsammlungen: "Sommer und Herbst" (Stuttg. 1870), "Zeitakkorde" (Linz 1873), "Das Paradies der Kronprinz Rudolfsbahn" (das. 1874) und "Akkorde von der Giselabahn" (das. 1877).

Précieuses (franz., spr. preßjöhs'), s. Rambouillet, Hôtel de.

Preciosen (lat.), s. Preziosen.

Precipitándo (ital., spr. pretschi-), musikal. Vortragsbezeichnung: eilend, vorwärts treibend.

Précis (franz., spr. -ssih), kurzer Abriß.

Predazzo, Dorf in Südtirol, Bezirkshauptmannschaft Cavalese, am Avisio im Fleimser Thal gelegen, hat eine schöne neue Kirche, eine Spitzenklöppelschule, Marmorindustrie, Papier- und Zündhölzchenfabrikation, Holzhandel und (1880) 3055 Einw. P. ist in geognostischer Beziehung einer der interessantesten Orte in Tirol, eine Granitinsel, umgeben von andern plutonischen und sedimentären Gesteinen. Vgl. Richthofen, Geognostische Karte der Umgegend von P., sowie Morstadt und Hörnes in der "Zeitschrift des Deutschen Alpenvereins".

Predeal (Predjal), Grenzpaß in den Siebenbürger Karpathen, auch Tömöspaß genannt, 1028 m ü. M., den die ungarische Staatsbahnlinie Kronstadt-P. im Anschluß an die Bukarester Bahn überschreiten. Die Bahnstation P. liegt auf rumänischem Boden, der Ort P. dagegen ist eine der zehn zum siebenbürgischen Grenzdorf Törzburg gehörigen Ansiedelungen.

Predella (ital.), die Altarstaffel, d. h. der auf der hintern Seite der Altarplatte befindliche Stufentritt, welcher zur Aufbewahrung von Leuchtern, Reliquiarien etc. dient; auch das Sockelgemälde eines Altaraufsatzes.

Predigeraffe, s. Brüllaffe.

Predigermönche, s. v. w. Dominikaner.

Prediger Salomo, eine unter dem Namen Koheleth (hebr., s. v. w. "die predigende", nämlich Weisheit) in den dritten Kanon der Juden aufgenommen Lehrdichtung von loser Verbindung. Als im makedonisch-alexandrinischen Zeitalter die griechische Weltanschauung in die beiden entgegengesetzten Richtungen der stoischen und der Epikureischen Philosophie auseinander ging, hat auch ein jüdischer Weltweiser die Resultate seines skeptisch und pessimistisch gefärbten Nachdenkens in den kurzen, scharfen Sätzen dieses Buches ausgesprochen, wobei die Person Salomos nur zur Einkleidung gehört, wie der Schluß dies zum Überfluß auch ausdrücklich sagt. Kommentare schrieben unter andern Hengstenberg (Berl. 1859), Hahn (Leipz. 1860), Kleinert (Berl. 1864), Grätz (Leipz. 1871) und Hitzig (2. Aufl. von Nowack, das. 1883).

Predigerseminar, Anstalt, in welcher junge Männer, die sich dem geistlichen Stand widmen wollen, in den Pastoralwissenschaften unterrichtet und in deren praktischer Anwendung geübt werden. Während die protestantische Kirche sich eng an die seit der Reformation allenthalben aufblühende staatlichen Universitäten anschloß und von ihren Dienern eine vorwiegend akademische Bildung verlangte, wandte sich die katholische Kirche, naturgemäßer Abneigung vor diesem Bildungswesen folgend, dem System der besondern geistlichen Bildungsanstalten mit strengerer, kirchlicher Beaufsichtigung und klösterlicher Zucht zu, und durch die tridentinische Synode ist die Ausbildung der Geistlichen auf solchen Seminaren in dem Maß vorherrschend geworden, daß man die Benutzung des akademischen Unterrichts neben diesen Seminaren mit der Zeit sogar ungern gesehen hat. Auf evangelischer Seite sind in neuerer Zeit verschiedene Bildungsanstalten entstanden, die sich die Aufgabe stellen, die Theologie Studierenden oder Kandidaten der Theologie neben der wissenschaftlichen Vorbildung noch besonders für die Praxis vorzubilden und in dieselbe einzuführen. Dergleichen Seminare bestehen gegenwärtig nicht bloß in allen Universitätsstädten in der Weise, daß für die in den letzten Semestern stehenden Theologen unter Leitung eines Professors praktische Übungen im Predigen und Katechisieren vorgenommen werden, sondern es gibt auch außerhalb der Universitäten Predigerseminare, welche sich in der Form den katholischen Alumneen nähern (Berliner Domkandidatenstift, Lokkum, Hannover, Wittenberg, Herborn, Wolfenbüttel, Friedberg u. a.). Seltener sind solche Predigerseminare, welche Kandidaten nach dem akademischen Studium und der ersten Prüfung aufnehmen, mit der Universität verbunden, wie in Heidelberg. Ganz eigentümlich ist die Einrichtung in Württemberg, wo einige niedere Seminare den künftigen Theologen bereits die gymnasiale Vorbildung vermitteln, aus denen diese dann in das theologische Stift zu Tübingen übergehen, um dort während der Universitätszeit unter Leitung eigens angestellter Repetenten sich die theologische Berufsbildung anzueignen. Vgl. Schenkel, Die Bildung der evangelischen Theologen für den praktischen Kirchendienst (Heidelb. 1863).

Predigt (v. lat. praedicare, "verkündigen"), die religiöse Rede im Gegensatz zur weltlichen und staatlichen, zum wissenschaftlichen Vortrag etc., von wel-^[folgende Seite]