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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Preyssl.; Preziös; Prezĭosen; Priameln; Priămos; Priapeia; Priapismus; Priāpos; Pribislau; Pribram

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Preyssl. - Pribram.

Forschungsreise nach Island, über deren Resultate er in dem Buch "Reise nach Island" (mit Zirkel, Leipz. 1862) berichtete, und setzte nach der Rückkehr seine Studien in Berlin, Heidelberg, Wien, Berlin und Paris fort. 1865 habilitierte er sich als Privatdozent für Zoochemie und Zoophysik in Bonn, erhielt hier die Approbation als praktischer Arzt und habilitierte sich 1867 für Physiologie. 1869 folgte er einem Ruf als Professor der Physiologie nach Jena, 1888 siedelte er nach Berlin über und habilitierte sich an der dortigen Universität als Privatdozent. Seine zahlreichen wissenschaftlichen Abhandlungen betreffen namentlich die Physiologie der Atmung, des Bluts, die Muskelphysik, die physiologische Optik und Akustik. Er entdeckte das Curarin, bestimmte die Grenze der Tonwahrnehmung, wandte die Grundsätze der Graßmannschen Ausdehnungslehre auf die Empfindungen an, stellte eine neue Theorie des Schlafs auf und wies die Fruchtbarkeit der Deszendenzlehre für Physiologie und Psychologie nach. Von seinen populären Vorträgen sind besonders zu nennen: "Der Kampf um das Dasein" (Bonn 1869); "Die fünf Sinne des Menschen" (Leipz. 1870); "Über die Erforschung des Lebens" (Jena 1873); "Die Aufgabe der Naturwissenschaft" (das. 1877). Sammlungen populärer Arbeiten erschienen als: "Naturwissenschaftliche Thatsachen und Probleme" (Berl. 1880) und "Aus Natur- und Menschenleben" (das. 1885). Außerdem schrieb er: "Die Blausäure" (Bonn 1868 bis 1870, 2 Bde.); "Die Blutkristalle" (Jena 1871); "Das myophysische Gesetz" (das. 1874); "Über die Ursache des Schlafs" (Stuttg. 1877); "Über die Grenzen der Tonwahrnehmung" und "Elemente der reinen Empfindungslehre" (1877), die letzten beiden in der von ihm (Jena 1876 ff.) herausgegebenen "Sammlung physiologischer Abhandlungen"; "Die Entdeckung des Hypnotismus" (Berl. 1881); "Elemente der allgemeinen Physiologie" (Leipz. 1883); "Die Seele des Kindes" (2. Aufl., das. 1884); "Spezielle Physiologie des Embryo" (das. 1884); "Die Erklärung des Gedankenlesens" (das. 1886); "Die Bewegungen der Seesterne" (Berl. 1887).

Preyssl., bei naturwissenschaftl. Namen Abkürzung für Joh. Daniel Preyßler, starb als Markscheider und Bergmeister in Prag (böhmische Fauna).

Preziös (franz.), kostbar; geziert.

Prezĭosen (lat., Preciosen, Pretiosen), Kostbarkeiten, namentlich Edelsteine, Geschmeide.

Priameln (Präameln), kurze, volksmäßige gnomische Dichtungen, die in Deutschland seit dem 12. Jahrh., wo sich bei dem Minnesänger Spervogel ein Beispiel findet, bis ins 16. Jahrh. üblich und besonders im 14. und 15. Jahrh. beliebt waren. Der Name gilt für eine Entstellung des lateinischen praeambulum, weil in diesen Gedichten "zur Erregung größerer Erwartung erst lange präambuliert wird, bis endlich im letzten Vers der Aufschluß erfolgt". Sammlungen älterer deutscher P. gaben A. v. Keller ("Alte gute Schwänke", 2. Aufl., Heilbr. 1876) und Euling ("Hundert noch ungedruckte P. des 15. Jahrhunderts", Paderb. 1887) heraus.

Priămos, letzter König von Troja, Sohn des Laomedon und der Strymo oder Plakia, war der sechste der trojanischen Könige und regierte 40 Jahre. Seine erste Gemahlin, Arisbe, gebar ihm den Äsakos, die zweite, Hekabe, den Hektor, Alexandros (oder Paris), noch acht andre Söhne und Krëusa, Laodike, Polyxena, Kassandra. Außerdem hatte er von andern Frauen noch Kinder, nach der Homerischen Sage im ganzen 50 Söhne (darunter 19 von der Hekabe) und 50 Töchter. Er beherrschte ein ansehnliches Gebiet, welches Lesbos, Mysien und den Hellespont in sich schloß. Im Trojanischen Krieg erschien er, damals schon hochbetagt, nur einmal auf dem Schlachtfeld, um den Vertrag wegen des Zweikampfs zwischen Paris und Menelaos zu schließen. Als aber Hektor gefallen, begab er sich, von dem Götterboten Hermes geleitet, nachts in das Zelt des Achilleus und erbat sich den Leichnam zur Bestattung. Nach den spätern Mythographen fiel er bei Trojas Einnahme durch Pyrrhos, den Sohn des Achilleus, am Altar des Zeus.

Priapeia, eine Sammlung von etwa 80 lateinischen, meist ebenso schmutzigen wie eleganten Gedichten auf Priapos, die ihrer Form nach aus der augusteischen Zeit und wahrscheinlich aus dem Kreis des Messalla herrühren. Abgedruckt in Büchelers Textausgabe des Petronius (Berl. 1871), in Müllers Ausgabe des Catull (Leipz. 1874) und Bährens' "Poetae latini minores", Bd. 1 (das. 1879).

Priapismus (lat.), krankhaft gesteigerter Geschlechtstrieb bei Männern.

Priāpos, im griech. Mythus ein Feld- und Gartengott, Sohn des Dionysos (oder Adonis oder Hermes) und der Aphrodite (oder Chione), scheint lange Zeit in den Gegenden am Hellespont, namentlich zu Lampsakos, einen bloß lokalen Kultus gehabt zu haben, da Homer und die ältern Dichter ihn noch nicht erwähnen. Er erscheint als ein Dämon aller üppigen Fruchtbarkeit in der Natur; vornehmlich sind die Ziegen- und Schafherden, die Bienenzucht, der Weinbau und der Fischfang Gegenstände seiner Fürsorge. Allmählich wurde er alsdann zum Gotte der sinnlichen Lust. Wie andre Feldgötter, kommt auch P. in der Mehrzahl vor. Geopfert wurden ihm Esel, namentlich aber die Erstlinge der Garten- und Feldfrüchte. Mit dem Dienste der Aphrodite kam auch der Kultus des P. nach Italien. Die höhere Kunst hat sich mit diesem Gott wenig beschäftigt. In statuarischen Darstellungen ist er langbärtig, langbekleidet, hat übermäßig großen Phallos und trägt im Schoß Früchte. Man pflegte hermenartige Bildsäulen desselben aus Holz oder Stein (mit aufgerichtetem Phallos) in den Gärten aufzustellen.

Pribislau (tschech. Přibyslav, spr. prschi-), Stadt in der böhm. Bezirkshauptmannschaft Chotieborz, an der Sazawa, Sitz eines Bezirksgerichts, mit Schloß, Baumwollweberei, Dampfmühle, Bierbrauerei, Stärkefabrik und (1880) 2674 Einw. Dabei Dorf Schönfeld mit Monument des hier gestorbenen Joh. Ziska.

Pribram (tschech. Přibram, spr. prschi-), Stadt im mittlern Böhmen, an der Staatsbahnlinie Rakonitz-Protiwin, Sitz einer Bezirkshauptmannschaft, eines Bezirksgerichts und einer Bergdirektion, hat eine Dechanteikirche, eine Bergakademie (im ehemaligen erzbischöflichen Gebäude), eine Bergschule, ein Realgymnasium, eine Lehrerbildungsanstalt und (1880) 11,020 Einw., welche Landwirtschaft, Handel und Industrie (Dampfmühle, Glas- und Tuchfabrik, Bierbrauerei) betreiben. Als Vorstadt von P. kann der anstoßende Markt Birkenberg mit (1880) 3710 Einw. gelten. Unmittelbar über der Stadt erhebt sich der Heilige Berg (576 m), ein sehr besuchter Wallfahrtsort, mit Propsteikirche. Die bei P. betriebenen berühmten ärarischen Silberberg- und Hüttenwerke gewinnen aus silberhaltigem Bleiglanz (1886: 3,088,500 metr. Ztr. Erze) Silber (35,500 kg), Blei (18,100 metr. Ztr.) und Glätte (30,660 metr. Ztr.); der Adalbertschacht hat eine Tiefe von 1000 m erreicht. Die Zahl der beim Berg- und Hüttenwerk nebst dazu gehörigen Werkstätten, Drahtseilfabrik, Brettsägen etc.