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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Primiz - Primulaceen.

Primĭz, eigentlich s. v. w. Primitiae (s. d.); in der kirchlichen Sprache die erste Messe, welche ein junger Priester liest, womit ein Festtag seiner Familie verbunden zu sein pflegt. Vgl. Sekundiz.

Primkenau, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Liegnitz, Kreis Sprottau, hat eine evangelische und eine kath. Kirche, starke Ziegelbrennerei und (1885) 1728 meist evang. Einwohner. Dabei Schloß P. in der Herrschaft P. des Herzogs zu Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg und das Eisenwerk Henriettenhütte.

Primo (ital.), der erste; tempo p. (abgek. I^{mo}), das erste Tempo; p., secondo, der erste, zweite Spieler bei vierhändigen Klaviersachen, wobei p. der Spieler des Diskantparts ist.

Primogenitūr (mittellat.), Erstgeburtsrecht, das Vorzugsrecht des Erstgebornen bei der Erbfolge. Die Primogeniturerbfolge (Primogeniturordnung) wurde in Deutschland zuerst durch Kaiser Karls IV. Goldene Bulle 1356 für diejenigen weltlichen Territorien, mit welchen die Kurwürde verbunden war, festgesetzt, später und zwar zuerst 1473 in Kurbrandenburg auf die übrigen Lande der Kurfürsten, dann überhaupt auf die deutschen Fürstenhäuser ausgedehnt. Sie bildet dermalen für die monarchischen Staaten die Regel, und zwar ist es eine Linealprimogeniturfolge, d. h. nicht nur der Erstgeborne, sondern auch dessen Linie hat vor dem Nachgebornen und seiner Linie den Vorzug. Wo die Unteilbarkeit der Bauerngüter Rechtens ist, kommt zuweilen, wie in Waldeck und Lippe, auch eine privatrechtliche P. vor, welche von dem Majorat (s. d.) und Seniorat (s. d.) wohl zu unterscheiden ist. Vgl. H. Schulze, Das Recht der Erstgeburt in den deutschen Fürstenhäusern (Leipz. 1851).

Primordiāl (lat.), zuerst seiend, uranfänglich.

Primordiālfauna, s. Silurische Formation.

Primordiālkranium, s. Schädel.

Primordiālschlauch, ein Organ der Pflanzenzelle, s. Zelle.

Primordiālzellen, Zellen ohne Zellstoffmembran, kommen bei niedern Organismen in den sogen. Plasmodien der Schleimpilze (s. d.) vor. Auch die Schwärmsporen der Algen besitzen während ihres beweglichen Zustandes keine Cellulosehülle. Bei der Entstehung ist überhaupt jede Pflanzenzelle eine Primordialzelle und bildet als solche einen organisierten Plasmakörper, der sich erst später mit einer Zellstoffhaut umkleidet (s. Zelle).

Primordiālzone, die unterste Abteilung der silurischen Formation, welche die Reste der Primordialfauna einschließt.

Primordĭum (lat.), Ursprung, Anfang.

Primrose League (spr. primmrohs' lihgh), s. Primelnbund.

Primŭla L. (Primel, Schlüsselblume), Gattung aus der Familie der Primulaceen, ausdauernde Kräuter mit meist wurzelständigen, häufig verkehrt eispatelförmigen, ganzrandigen, gezahnten, selten gelappten Blättern, einfacher Blütendolde auf nacktem, grundständigem Stengel und kugeliger bis fast cylindrischer, fünfklappiger Kapsel. Etwa 80 Arten, meist Hochgebirgsbewohner, in Europa und Asien, wenige in Nordamerika, bilden den ersten (primus, daher der Name) Frühlingsschmuck der Wiesen und Matten. Bei uns sind am häufigsten P. elatior L. und P. officinalis Jacq. (P. veris Sm., Himmels-, Marien-, Petersschlüssel, gelbe Zeitlose), mit gelben Blüten. Die Namen der offizinellen Primel zeugen von der Hochhaltung dieser Pflanze aus altgermanischer Tradition und haben offenbar mythischen Ursprung. Sie galt als heilkräftig und erschließt den Zugang zu verborgenen Schätzen (vgl. Zingerle, Diu zîtelôse, Innsbr. 1884), ihre Blüten waren früher offizinell, werden aber jetzt nur noch als Hausmittel benutzt; die Wurzel diente sonst als Niesemittel. Beide Pflanzen werden in mehreren gelb, rot, braun, auch gefüllt blühenden Varietäten als Zierpflanzen kultiviert, ebenso Hybriden derselben mit P. acaulis Jacq. Letztere, mit fast wurzelständiger Dolde und auf dem flachen Saum der Blumenblätter mit fünf safrangelben Flecken, wächst in Süddeutschland auf Bergwiesen. In den Voralpen und Alpen, auf Torfboden und an Felsen findet sich P. auricula L. (Aurikel, Bärohr), mit kurzem Kelch, auf dem Blütenstiel und der Dolde bestäubt und mit schwefelgelben, wohlriechenden Blüten mit flachem Saum. Die Alpenflora ist reich an Primeln, und besonders beliebt ist der blaue Speik (P. glutinosa L.), mit kahlen, schmierig klebrigen Blättern, auf der nickenden Dolde sitzenden, violetten, wohlriechenden Blüten mit abstehendem Saum und schwarzbraunen Hüllblättchen. Die P. auricula wurde 1582 durch Clusius in die Gärten eingeführt, zugleich mit der rot blühenden P. pubescens Jacq., mit mehlig bestäubten Kelchen, welche als Bastard von P. auricula und P. hirsuta All. anzusehen ist und bei Innsbruck wächst. In der Mitte des 17. Jahrh. wurden beide besonders in Belgien, Holland, England und Deutschland in mehreren Farbenvarietäten mit Vorliebe gepflegt; in der Folge aber verschwand die beständigere P. auricula wieder vollständig, und P. pubescens allein gab Material zu der aufblühenden Aurikelzucht, welche in den letzten Dezennien des 17. Jahrh. ihren Höhepunkt erreichte. Man unterscheidet gewöhnliche, meist einfarbige Aurikeln, Luiker Aurikeln mit verschiedenen Hauptfarben auf einer Blume und englische oder gepuderte Aurikeln. Gegenwärtig ist als Zierpflanze wichtiger P. praenitens Ker. (P. sinensis Lindl.), aus China, mit langgestielten, herz-eiförmigen, 7-9 lappigen, eingeschnitten gezahnten Blättern und 30-45 cm hohem Schaft, sprossenden, vielblumigen Dolden, deren immer eine aus dem Zentrum der ersten hervorwächst und meist 3-5 übereinander stehen, und sehr großen und prächtigen, anfangs hell lilafarbigen, dann rosenroten, auch weißen Blüten. Auch P. cortusoides L. und P. japonica A. Cyr. (japanische Primel) werden in mehreren Varietäten in Gärten kultiviert. Vgl. Kerner, Die Geschichte der Aurikel (Münch. 1875); Pax, Übersicht über die Arten der Gattung P. (Leipz. 1888).

Primulaceen, dikotyle Familie aus der Ordnung der Primulinen, einjährige oder perennierende Kräuter mit oft verkürztem, nur Wurzelblätter bildendem und Blütenschäfte treibendem oder verlängertem und beblättertem Stengel. Die Blätter sind wechsel-, gegen- oder quirlständig, ohne Nebenblätter. Die Blüten sind meist vollständig und regelmäßig. Der Kelch ist röhrenförmig, meist fünfspaltig oder fünfteilig. Die verwachsenblätterige, dem Blütenboden eingefügte Blumenkrone ist rad-, glocken- oder trichterförmig, abfallend oder vertrocknend, mit oft fünfspaltigem Saum, dessen Abschnitte mit denen des Kelchs abwechseln; selten fehlt die Blumenkrone. Die fünf in der Röhre der Blumenkrone entspringenden Staubgefäße stehen den Abschnitten derselben gegenüber und abwechselnd mit bisweilen vorhandenen, ebendaselbst sitzenden, schuppen- oder fadenförmigen Staminodien. Der meist oberständige, einfächerige Fruchtknoten hat eine kugelige, seltener säulenförmige, zen-^[folgende Seite]