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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Programmmusik - Projektion.

Programmmusik, eine Musik, welche als Darstellung eines näher bezeichneten seelischen oder äußern Vorganges verstanden werden soll, der gegenüber der Hörer daher nicht unbefangen sich dem Eindruck der Tonfolge hingibt, sondern mit kritischem Ohr den Zusammenhang von Programm und Tonstück verfolgt. Leider ist das wenigstens die Art, wie Programmkompositionen (symphonische Dichtungen, symphonische Tongemälde, Scènes poétiques etc.) aufgenommen zu werden pflegen, wenn auch der Komponist eine andre Aufnahme wünscht, nämlich die, daß die Phantasie des Hörers in einer bestimmten Weise angeregt werde als durch die vieldeutige, des Programms entbehrende absolute Musik. Die Idee der P. ist alt (vgl. Tonmalerei), wurde aber erst in neuerer Zeit zu größerer Bedeutung gebracht und wohl gar als Prinzip alles Musikschaffens aufgestellt (Berlioz, Liszt).

Progreso, Hafenstadt im mexikan. Staat Yucatan, 40 km nördl. von Merida, auf einer Nehrung gelegen, hat ein Leuchthaus und bedeutenden Handel. Die Ausfuhr 1883/84 wertete 4,699,571 Dollar.

Progréß (lat.), Fortschritt; Progressisten, Fortschrittsmänner.

Progression (lat., "Fortschreitung"), s. Reihen.

Progressivsteuer, s. Steuern und Einkommensteuer.

Progressivsystem, s. Gefängniswesen, S. 1000.

Progymnasium (griech.), Vorschule zu einem Gymnasium; nach dem amtlichen Sprachgebrauch in Preußen ein unvollständiges Gymnasium, dem die oberste Klasse (Prima) fehlt.

Progymnasmata (griech.), die Vorübungen, durch welche sich die griechischen Preiswettkämpfer auf die öffentlichen Festspiele vorbereiteten; dann auch andre, besonders rhetorische, Vorübungen.

Prohibieren (lat.), verhindern, nicht zulassen.

Prohibitivsystem (v. lat. prohibere, verhindern), der Inbegriff derjenigen Maßregeln, durch welche der Staat der persönlichen und wirtschaftlichen Freiheit Schranken zieht. Insofern durch dasselbe Ursachen beseitigt oder verhindert werden, eine gewisse Wirkung auszuüben, bildet es den Gegensatz zum Repressivsystem. Im engern Sinn versteht man unter P. diejenige Handelspolitik, welche die Konkurrenz fremder Waren mit den einheimischen durch hohe Zölle (Prohibitivzölle) oder Verbote unmöglich macht; s. Zölle.

Pröhle, Heinrich, Schriftsteller, geb. 4. Juni 1822 zu Satuelle bei Neuhaldensleben, Sohn des durch die Schrift "Kirchliche Sitten" (Berl. 1858) bekannten Pfarrers Heinrich Andreas P. (gest. 1875 in Hornhausen bei Oschersleben), studierte zu Halle und Berlin Geschichte und Philologie, beschäftigte sich hierauf einige Zeit journalistisch und wirkt seit 1859 als Lehrer an der Luisenstädtischen Realschule in Berlin. Er hat sich unter anderm durch die Schilderungen: "Aus dem Kaiserstaat" (Wien 1849) und "Berlin und Wien" (Berl. 1850), die Sagensammlungen: "Aus dem Harz" (2. Aufl., Leipz. 1857), "Harzsagen" (das. 1853-56, 2 Bde.; 2. Aufl. in 1 Bd., 1886), "Unterharzische Sagen" (Aschersl. 1856), "Deutsche Sagen" (2. Aufl., Berl. 1879), "Die Reformationssagen" (das. 1867), mehrere Märchensammlungen und die Biographien von Jahn (Leipz. 1855; neu bearbeitet von Euler, Berl. 1878-80), Bürger (Leipz. 1856), Philipp Melanchthon (das. 1860) bekannt gemacht. Außerdem veröffentlichte er: "Der Pfarrer von Grünrode", ein Lebensbild (Leipz. 1852); "Gedichte" (das. 1859); "Feldgarben", Beiträge zur Kirchen-, Litteratur- und Kulturgeschichte (das. 1859); "Erzählungen aus dem Harzgebirge" (Berl. 1862); "Deutsche Lieder und Oden" (das. 1870); "Patriotische Erinnerungen" (das. 1874); "Neue Lieder aus Wittenberg gegen Rom" (Wittenb. 1875); "Friedrich d. Gr. und die deutsche Litteratur" (2. Ausg., Berl. 1878); "Lessing, Wieland, Heinse" (das. 1877); "Heinrich Heine und der Harz" (Harzb. 1888); "Die Lehninische Weissagung" (Berl. 1888) u. a. Auch gab er "Volkslieder und Volksschauspiele" (Aschersl. 1855) u. a. heraus.

Projekt (lat.), Entwurf, Plan, Vorhaben, Vorschlag; daher Projektenmacher, einer, der sich im Entwerfen neuer, meist unsicherer oder unausführbarer Pläne gefällt. Projektieren, ein P. machen, etwas beabsichtigen.

Projektil (lat.), s. v. w. Geschoß.

Projektion (lat., "Entwurf"), die Darstellung (Abbildung) eines räumlichen Objekts (des Originals) auf einer Fläche, der Projektions- oder Bildfläche. Die Ausdrücke P. und Darstellung werden dabei in doppeltem Sinn gebraucht: für das Verfahren oder die Methode und für das Bild oder die Zeichnung selbst. Die Prinzipien, nach denen eine P. gefertigt wird, können unendlich mannigfach sein, und in der That finden wir z. B. bei der Kartenprojektion sehr verschiedene Grundsätze in Anwendung (s. Landkarten). Im engern Sinn wendet man das Wort P. auf das Abbildungsverfahren an, welches dem Prozeß des Sehens nachgebildet ist. Man verbindet nämlich die Punkte (A, B, ..., Fig. 1) des Objekts mit einem festen Punkt (O), in welchem man sich das Auge denkt, durch gerade Linien (Projektionsstrahlen); die Schnittpunkte (A', B', ...) der letztern mit der Bildfläche (α) sind die Projektionen der einzelnen Punkte des Objekts, und wenn man dieselben durch Linien so verbindet, wie die Punkte am Objekt verbunden sind, und der Zeichnung das richtige Kolorit gibt, so macht letztere auf ein in O befindliches Auge dieselbe Wirkung wie das Objekt selbst. Eine solche Darstellung heißt eine Zentralprojektion oder perspektivische Abbildung, der Punkt O das Projektionszentrum. Ist die Bildfläche, wie wir fortan immer voraussetzen, eine Ebene, so gelten für diese P. folgende Regeln: 1) die P. eines Punktes ist wieder ein Punkt; 2) die P. einer Geraden ist wieder eine Gerade, die jedoch in einen Punkt zusammenschrumpft, wenn die räumliche Gerade durch das Projektionszentrum geht; 3) parallele Gerade projizieren sich im allgemeinen als Gerade, welche nach einem bestimmten Punkte, dem Flucht- oder Verschwindungspunkt, konvergieren; es ist dies der Punkt, in welchem eine vom Zentrum aus parallel zu den gegebenen gelegte Gerade die Bildebene schneidet. Insbesondere schneiden sich die Projektionen von Geraden, die auf der Bildebene senkrecht stehen, im sogen. Augenpunkt oder Hauptpunkt, dem Fußpunkt der vom Zentrum auf die Bildebene gefällten Senkrechten, und für Gerade, welche mit der

^[Abb.: Fig. 1. Zentralprojektion]