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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Projektionskunst; Projektionslinie; Projizieren; Prokatalépsis; Prokesch-Osten

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Projektionskunst - Prokesch-Osten.

Da die hier besprochenen Darstellungsweisen den Inhalt der darstellenden Geometrie im heutigen Wortsinn bilden, so kann im allgemeinen auf die Lehrbücher dieser Disziplin verwiesen werden (s. Geometrie); die Litteratur über Perspektive s. d. Zur ersten Einführung in die Orthogonalprojektion kann Anger, Elemente der Projektionslehre (Danz. 1862), dienen, welches Werk auch die Reliefperspektive behandelt; für Axonometrie: Weisbach, Anleitung zum axonometrischen Zeichnen (Freiberg 1857); Staudigl, Axonometrische und schiefe P. (Wien 1875, von der Weisbachschen verschiedene Auffassung); Gebr. Meyer, Lehrbuch der axonometrischen Projektionslehre (Leipz. 1855-63); für Reliefperspektive: Staudigl, Grundzüge der Reliefperspektive (Wien 1868).

Projektionskunst, die Vorführung von Abbildungen und Darstellungen aller Art mittels des Projektionsapparats, der in passender Weise verbesserten Laterna magica. Es handelt sich bei der P. um die Herstellung eines verhältnismäßig weithin sichtbaren Bildes, welches durch einen Lichtstrahlenkegel als Vergrößerung irgend eines Gegenstandes auf eine weiße Fläche geworfen wird. Als solche benutzt man in Vorlesungssälen eine mit weißer Ölfarbe gestrichene glanzlose Wand des Saals oder ein Rahmengestell, mit starkem glanzlosen Papier überzogen oder mit Schirting bespannt. Auf letztern ist man angewiesen, wenn der Apparat hinter der Bildwand aufgestellt werden soll. Der Stoff wird alsdann mit Wasser getränkt und durch Anspritzen feucht erhalten. Das zu vergrößernde Objekt ist meist ein Bild auf Glas und am besten eine Photographie, da auf keine andre Weise eine so feine Ausführung zu erreichen ist, daß bei der gewöhnlich sehr starken Vergrößerung keine groben Unschönheiten und Ungenauigkeiten in den zarten Details zu Tage treten. Es erhöht den Effekt, wenn der die Darstellung umgebende Teil der Glasfläche einen undurchsichtigen oder wenigstens recht dunkeln Rand bildet. Den gewöhnlichen, nach dem Silberverfahren hergestellten Bildern sind Kohle- und Woodburybilder weit vorzuziehen. An die mit oder ohne photographische Unterlage mit der Hand ausgeführten farbigen Bilder darf kein zu großer Anspruch gemacht werden. Körperhafte Farben sind von der Verwendung ausgeschlossen, da sie nicht als Farben, sondern nur als Schattenmacher auf der Bildwand wirken. Mit den durchscheinenden Farben aber läßt sich weder mit Sicherheit jeder Ton noch diejenige Kraft, Feinheit und Harmonie des Kolorits erreichen, die oft gefordert werden müßten. Dazu kommt, daß die Kleinheit der zu illuminierenden Formen der ausführenden Hand häufig eine allzu enge Grenze in der Detaillierung zieht. Sehr einfach lassen sich Projektionsbilder für augenblicklichen Gebrauch herstellen, indem man dieselben auf Pauspapier oder Pausleinwand zeichnet und sie zwischen zwei Glasplatten, deren Ränder man mit Papier zusammenklebt, montiert. In ähnlicher Weise lassen sich aber auch durchsichtige oder durchscheinende natürliche Gegenstände aller Art, wie Blütenblätter, Gesteindünnschliffe etc., im Projektionsapparat vorführen und durch Kombination eines Mikroskops mit demselben (wozu aber eine sehr intensive Beleuchtung des mikroskopischen Gegenstandes erforderlich ist) kolossale Vergrößerungen der kleinsten Objekte erreichen. Wenn man ferner an Stelle des Bildhalters eine mit zwei parallelen Spiegelglaswänden versehene Küwette einsetzt, so lassen sich darin die verschiedensten physikalischen und chemischen Experimente machen und gleichzeitig einer beliebigen Anzahl von Personen zur Anschauung bringen. Als Projektionsapparat dient das Scioptikon und als Lichtquelle in demselben zwei oder drei Petroleumflammen oder ein Kalkcylinder, den man durch eine mit Sauerstoff angeblasene Alkohol-, Leuchtgas- oder Wasserstoffflamme weißglühend macht. Für elektrisches Licht (Bogenlampe von Piette-Krizik) haben Reiniger, Gebbert und Schall in Erlangen einen Projektionsapparat konstruiert, der sich namentlich auch für mikroskopische Objekte eignet und bei Anwendung eines Abbeschen achromatischen Kondensors selbst mit Immersionslinsen sehr klare Bilder liefert. Bei Benutzung dieses Apparats genügt ein Bogenlicht von ca. 1200 Normalkerzen. Die P. hat in neuester Zeit große Bedeutung für den Unterricht gewonnen, namentlich seitdem speziell für diesen Zweck geeignete Glasbilder hergestellt werden. Vgl. Böhm, Anleitung zu Darstellungen mittels der Laterna magica und des Nebelbilderapparats (Hamb. 1876); Liesegang, Scioptikon und Nebelbilderapparat (2. Aufl., Düsseld. 1875); Derselbe, P. (8. Aufl., das. 1882); Bahr, Der Nebelbilderapparat (2. Aufl., Hamb. 1878); "Laterna magica, Zeitschrift für alle Zweige der P." (hrsg. von Liesegang, Berl., seit 1877); Stein, Die optische P. im Dienst der exakten Wissenschaften (Halle 1887).

Projektionslinie, s. v. w. Sehlinie.

Projizieren (lat.), entwerfen, s. Projektion.

Prokatalépsis (griech.), Kunstgriff der alten Redner, wodurch sie Anklagepunkte so zu wenden wußten, daß sie dem Angeklagten zum Vorteil gereichten.

Prokesch-Osten, Anton, Graf von, österreich. Staatsmann, geb. 10. Dez. 1795 zu Graz, Sohn des Inspektors Prokesch der Stift-Sorauschen Herrschaften, dann Stiefsohn des Professors Schneller (seinen Briefwechsel mit demselben gab E. Münch heraus, 2. Aufl., Stuttg. 1870), wuchs erst in Graz, später zu Freiburg i. Br. auf, machte die Feldzüge gegen Frankreich 1813-15 mit, ward 1815 im Büreau des Erzherzogs Karl zu Mainz, 1816 als Professor der Mathematik an der Kadettenschule zu Olmütz angestellt und 1818 zum Adjutanten des Feldmarschalls Fürsten Schwarzenberg ernannt, dessen Denkwürdigkeiten er herausgab (Wien 1822, neue Ausg. 1861). 1821 kam er als Oberleutnant in den Generalquartiermeisterstab und 1823 als Hauptmann in ein zu Triest garnisonierendes Infanterieregiment und machte von hier aus 1824 eine Reise nach Griechenland, Kleinasien, Konstantinopel und Ägypten. Zum Chef des Generalstabs der österreichischen Flotte unter Dandolo ernannt, ging er im Mai 1828 wieder nach Smyrna, wo er die zwischen Österreich und Griechenland wegen der Schiffahrt entstandenen Irrungen beilegte und 1829 mit dem Pascha von Akka die Übereinkunft zu gunsten der Christen in Palästina abschloß. 1830 wurde er als Major in der österreichischen Marine nach Wien zurückberufen und unter dem Namen "Ritter von Osten" geadelt. 1831 ging er als Chef des Generalstabs mit dem österreichischen Heer nach Bologna, 1833 zur Vermittelung des Friedens zwischen dem Sultan und dem Vizekönig von Ägypten nach Kairo, im Sommer 1834 als Gesandter nach Athen, wo er bis 1849 blieb; inzwischen ward er 1845 zum Generalmajor und in den Freiherrenstand, 1848 zum Feldmarschallleutnant erhoben. Von Ende Februar 1849 bis 1852 war er Gesandter zu Berlin und ward hierauf 24. Jan. 1853 als Bundespräsidialgesandter nach Frankfurt geschickt. Am 20. Dez. 1855 wurde er zum Internunzius in Konstantinopel, 1867 zum Botschafter daselbst ernannt, trat nach