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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Proklamation; Proklamieren; Prokles; Proklitikon; Proklos; Prokne; Prokonnesos; Prokonsul; Prokop

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Proklamation - Prokop.

Beusts Sturz zurück und wurde, nachdem er 1863 Feldzeugmeister geworden, bei seinem Abschied 3. Nov. 1871 in den Grafenstand erhoben. Er starb 26. Okt. 1876 in Wien. Als Schriftsteller zeichnete er sich besonders in seinen Reisebeschreibungen und Charakterschilderungen durch glänzende Darstellung, scharfe Auffassung und freimütige Urteile aus. Von seinen Werken heben wir hervor: "Über den Feldzug 1814" (Wien 1823); "Erinnerungen aus Ägypten und Kleinasien" (das. 1829-31, 3 Bde.); "Das Land zwischen den Katarakten des Nil" (das. 1832); "Reise ins Heilige Land" (das. 1831); "Denkwürdigkeiten und Erinnerungen aus dem Orient" (hrsg. von Münch, Stuttg. 1836-37, 3 Bde.); "Geschichte des Abfalls der Griechen vom türkischen Reich 1821 und der Gründung des hellenischen Königreichs" (das. 1867, 6 Bde.); "Mehemed Ali, Vizekönig von Ägypten; aus meinem Tagebuch 1826-41" (das. 1877). Seine "Kleinen Schriften" (Stuttg. 1842-47, 7 Bde.) enthalten Militärisches, Biographisches, Gedichte und eine Geschichte des ägyptisch-türkischen Kriegs 1831 bis 1833. Von seinen Gedichten sind namentlich das Epos "Die Makkabäer" und das morgenländische Gedicht "Das Gebet" zu erwähnen. Als Mitglied der Berliner und Wiener Akademie der Wissenschaften hat er auch mehrere ausgezeichnete archäologische und numismatische Abhandlungen geschrieben. Seine vortreffliche Münzsammlung wurde 1875 vom Berliner Museum angekauft. Aus seinem Nachlaß erschienen: "Mein Verhältnis zum Herzog von Reichstadt" und "Zwei Sendungen nach Neapel" (Stuttg. 1878); "Briefwechsel mit Herrn v. Gentz und Fürst Metternich" (Wien 1881, 2 Bde.). - Sein Sohn, Graf Anton P., geb. 19. Febr. 1837, österreichischer Landwehrmajor, seit 1861 vermählt mit der frühern Schauspielerin Friederike Goßmann (s. d.), schrieb: "Nilfahrt bis zu den zweiten Katarakten. Führer durch Ägypten und Nubien" (Leipz. 1874) und gab außer dem Nachlaß seines Vaters noch heraus: "Zur Geschichte der orientalische Frage. Briefe aus dem Nachlaß Friedrichs v. Gentz 1823-29" (Wien 1877).

Proklamation (lat.), öffentliche Bekanntmachung, Aufruf (z. B. eines Fürsten an das Volk, eines Heerführers an die Armee etc.); unterscheidet sich vom Manifest (s. d.) dadurch, daß dieses einen mehr diplomatischen, die P. einen mehr populären Charakter hat. P. ist auch s. v. w. Aufgebot (s. d.).

Proklamieren (lat.), verkünden, aufbieten, eine Proklamation (s. d.) erlassen.

Prokles, König von Sparta, Sohn des Aristodemos, Zwillingsbruder des Eurysthenes, der Sage nach Ahnherr der Königsfamilie der Prokliden (Agiaden).

Proklitikon (griech.), ein Wort, das sich an das folgende "anlehnt" und auf dieses seinen Ton wirft (z. B. das Geschlechtswort "ein"). Vgl. Enklisis.

Proklos, neuplaton. Philosoph, geb. 412 n. Chr. zu Konstantinopel, widmete sich in Athen unter des Plutarchos und Syrianos Leitung dem Studium der Platonischen Philosophie, die er sodann hier bis an seinen Tod (485) lehrte. Als Dichter kennen wir ihn noch aus zwei in der griechischen Anthologie befindlichen Epigrammen und einigen Hymnen, welche sich bei Boissonade ("Poetarum graecorum sylloge" Par. 1824, Bd. 8) finden und daraus in die Tauchnitzsche Ausgabe der "Orphica" aufgenommen sind. Seine übrigen Schriften, herausgegeben von Cousin (Par. 1820-25, 6 Bde.; 2. vermehrte Aufl. 1864) und Creuzer (Frankf. 1821-25, 4 Bde.), waren astronomischen, mathematischen ("Kommentar zu Euklides", hrsg. von Friedlein, Leipz. 1873), grammatischen (Kommentare zu Hesiod, Schriften über Homer etc.) und besonders philosophischen Inhalts (teils Kommentare und Paraphrasen Platonischer Dialoge, von denen die zu Platons "Staat" von Schöll [Berl. 1886] herausgegeben wurden, teils selbständige Abhandlungen). Die Lehre des P. schließt sich im allgemeinen an die des Plotinos an, unterscheidet sich aber von letzterer dadurch, daß P. das ursprüngliche geheimnisvolle Eins, das Plotinos dem forschenden Geist ganz entrückt hatte, zu erkennen und theosophisch mittels subtiler Zahlenkombination zu ergründen sucht, daß er ferner den Glauben an eine unmittelbare Mitteilung der Götter über göttliche Dinge als zweites höheres Erkenntnisprinzip über die Vernunft und ihre Ideen stellt, endlich daß er den Elementen der Dämonologie und der Theurgie den weitesten Spielraum öffnet, indem er den Aberglauben des Heidentums spekulativ zu rechtfertigen sich bemüht. Vgl. Kirchner, De Procli neoplatonici metaphysica (Berl. 1846).

Prokne, Tochter des Königs Pandion zu Athen und der Zeuxippe, Schwester der Philomela (s. d.).

Prokonnesos, Insel, s. Marmarameer.

Prokonsul (lat.), bei den alten Römern Beamter, welcher nach Bekleidung des Konsulats in den Provinzen als Statthalter fungierte. In den ältern Zeiten lag nämlich die Verwaltung der eroberten Länder den Prätoren ob, später wurden aber, wie die Prätoren als Proprätoren, so auch die Konsuln als Prokonsuln nach Ablauf ihres Amtsjahrs Statthalter, namentlich in den Provinzen, in denen Krieg zu führen war. Sie hatten den Oberbefehl über die Truppen und die gesamte Kriegsführung sowie die Jurisdiktion in Kriminal- und Zivilsachen. Außerdem lagen ihnen aber noch die Aufsicht über die Gemeinden, Straßen und öffentlichen Bauten, die Sorge für Ordnung und die Überwachung des Steuerwesens ob. Welche Provinzen von Prokonsuln, welche von Proprätoren verwaltet werden sollten, wurde vom Senat bestimmt. Die Dauer der Statthalterschaft war regelmäßig auf ein Jahr beschränkt, doch kamen in dieser Hinsicht schon in der Zeit der Republik mehrfache Abweichungen vor. Die eigentliche Verwaltung der Provinz hörte mit dem Eintritt des Nachfolgers in die Provinz auf; das Imperium aber endete erst mit der Ankunft in Rom, wo sodann der Statthalter Rechenschaft über seine Verwaltung anzulegen hatte. Unter den Kaisern traten mehrfache Änderungen ein. Die wichtigsten Provinzen behielten sich die Kaiser vor und ließen sie durch ihre Legaten (s. d.) verwalten; in die dem Senat verbleibenden Provinzen wurden nach wie vor gewesene Konsuln und Prätoren geschickt, die aber alle den Titel P. führten; eigentliche konsularische Provinzen waren jetzt nur Asien und Afrika. In der von Konstantin d. Gr. vorgenommene Einteilung des Reichs erschienen drei Prokonsuln, nämlich von Asien, Afrika und Achaia, die vom Kaiser ernannt wurden. Von Befugnissen blieben denselben aber nur die Rechtspflege und die Verwaltung, indem das Imperium von militärischen Beamten geführt wurde.

Prokop, 1) P. der Große, als ehemaliger Mönch, auch P. Holy, der "Geschorne" oder der "Kahle", genannt, berühmter Heerführer der Taboriten, geboren um 1380 in Böhmen, studierte in Prag und bereiste dann den größten Teil Europas, worauf er sich dem geistlichen Stand widmete. Beim Ausbruch des Hussitenkampfes fand er sich bald unter Ziskas Fahnen ein und stieg rasch bis zum Feldhauptmann.