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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Protoplasten; Protopope; Protoprismen; Protorenaissance; Protorganismen; Prototyp; Protoxylemzellen; Protozoen

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Protoplasten - Protozoen.

dann zusammen (ist sensibel und kontraktil), vergrößert sich durch Aufnahme und Aneignung (Assimilation) passender Nahrung und teilt sich unter gewissen Umständen in zwei Stücke, die jedes zur vollen Größe auswachsen können (Fortpflanzung). In diesen seinen Eigenschaften stimmt es mit manchen niedern Wesen überein (s. Protozoen), die fast ganz aus nacktem, d. h. von keiner Hülle umgebenem, P. bestehen. In den übrigen Organismen nimmt es zwar manchmal dem Raum und Gewicht nach nur einen kleinen Teil ein, bedingt jedoch als Träger des Lebens die mannigfaltigen Äußerungen desselben, wie sie uns an Tier und Pflanze entgegentreten. Dabei führt auch in ihnen das P. jeder einzelnen von den vielen sie zusammensetzenden Zellen bis zu einem gewissen Grad seine eigne Existenz und bleibt mitunter sogar nach dem Tode des Gesamtorganismus noch längere Zeit unverändert. An geeigneten Objekten kann man teils die vom P. bewirkten Wanderungen ganzer Zellen im Körper (z. B. der weißen Blutzellen bei den Wirbeltieren), teils die Bewegungen und Strömungen des Protoplasmas im Innern fester Zellen beobachten, besonders gut an Pflanzen. Als Deutoplasma bezeichnet man neuerdings die Gesamtheit der nicht aus P. bestehenden Substanzen im tierischen Ei, welche bei der Bildung des Embryos keine thätige Rolle zu spielen, sondern nur als Material zum Aufbau desselben zu dienen scheinen. Das P. wurde zuerst in seinen wesentlichsten Eigenschaften 1835 von Dujardin erkannt, der es bei niedern Wesen als sogen. Sarkode beschrieb, aber als von dem P. der höhern Tiere und Pflanzen verschieden ansah. Die heutigen Anschauungen über dasselbe stammen im wesentlichen von Max Schultze (1861) her. Vgl. Dujardin, Observations sur les Rhizopodes (Par. 1835); Schultze, Über das P. der Rhizopoden und Pflanzenzellen (Leipz. 1863); Kühne, Untersuchungen über das P. und die Kontraktilität (das. 1864); Schwarz, Morphologische und chemische Zusammensetzung des Protoplasmas (Bresl. 1887); v. Hanstein, Das P. (populär, Heidelb. 1879).

Protoplasten (griech.), die Zuerstgebildeten, in der Dogmatik vorzugsweise Adam und Eva als die Urmenschen; daher protoplastisch, urbildlich.

Protopope (griech.), Erzpriester, in der russisch-griech. Kirche ein zwischen dem Bischof und dem einfachen Priester stehender Würdenträger.

Protoprismen und Protopyramiden, s. Deuteroprismen, Deuteropyramiden und Kristall.

Protorenaissance (griech.-franz., "Vorrenaissance") nennt man die neue, auf das Studium der Natur und der Antike gegründete, mehr auf die Hervorhebung des Individuellen gerichtete Kunstweise, welche in Italien zu Beginn des 13. Jahrh. durch Giov. Pisano, Giotto, Orcagna u. a. verbreitet wurde.

Protorganismen, s. v. w. Protozoen.

Prototyp (griech.), Ur-, Musterbild.

Protoxylemzellen, in der Pflanzenanatomie die innerhalb des Holz- oder Xylemteils eines jungen Gefäßbündels sich zuerst ausbildenden Elemente.

Protozoen (Protozoa, Urtiere; hierzu Tafel "Protozoen"), diejenigen niedern Wesen, die bei meist geringer Größe keine in Zellen gesonderten Organe zeigen (vgl. Metazoen) und sich gewöhnlich ungeschlechtlich fortpflanzen. Die niedrigsten unter ihnen sind so einfach gebaut, daß sie aus Mangel an charakteristischen Merkmalen sich mit Sicherheit weder dem Tier- noch dem Pflanzenreich zuteilen lassen und daher bald von den Zoologen, bald von den Botanikern in Anspruch genommen oder auch wohl als besonderes Reich, das der Protisten, den echten Tieren und den echten Pflanzen gegenübergestellt werden. Aus ihnen sind dann nach darwinistischer Anschauung alle höhern Wesen im Lauf der Zeit hervorgegangen. Weil sich an ihnen ferner die wichtigsten Lebensäußerungen, wie Bewegung, Reizbarkeit etc., in ihrer primitivsten Form studieren lassen, sind sie für den Naturforscher von großer Bedeutung. Sie zerfallen in mehrere Gruppen. Die erste von ihnen sind die Amöben (Amoebaea), zu denen auch der wieder fraglich gewordene Bathybius (s. d.) gerechnet wird. Diese bestehen nur aus einem meist mikroskopisch kleinen, formlosen, beweglichen Klümpchen eines eiweißartigen Schleims, dem sogen. Protoplasma oder der Sarkode (s. d.). Es sendet nach Belieben von allen Punkten der Oberfläche fingerartige Fortsätze oder feine Fäden (Scheinfüße, Pseudopodien) aus und bewegt sich, indem es allmählich mit seiner ganzen zähflüssigen Masse in sie hineingleitet, langsam fort, umhüllt auch kleinere Gegenstände, die es auf seinem Weg antrifft, und läßt sie, nachdem es ihnen die etwanigen Nahrungsstoffe entzogen, wieder frei. Hiernach ist also jede Stelle des kleinen Wesens, wenn es nötig wird, Mund, jede After; von einem Innern des Körpers im Gegensatz zur Hülle ist gleichfalls nicht in dem Sinn die Rede wie bei den höhern Organismen. Im Innern der Sarkode befindet sich der Kern, der allerdings bei einigen Arten noch nicht nachgewiesen worden ist. (Diese kernlosen Arten faßte man früher unter dem Namen Moneren zusammen, wahrscheinlich gibt es aber gar keine solchen.) Mithin sind die Amöben in ihrer einfachsten Form nackte Zellen ohne Hülle und ohne bestimmte Gestalt; sie haben große Ähnlichkeit mit den weißen Blutkörperchen der Wirbeltiere und vermehren sich gleich diesen durch einfache Teilung. Im Zustand der Ruhe ziehen sie sich zu einer Kugel zusammen. Die zweite Klasse bilden die Rhizopoden (s. d.), zu der man übrigens auch die Amöben als eine Unterordnung rechnen kann. Die dritte Klasse sind die Gregarinen (s. d.), die vierte die Geißelträger (Flagellaten, Mastigophora), so genannt, weil sie sich mit Hilfe eines wie eine Peitsche geschwungenen Fortsatzes im Wasser fortbewegen. Manche von ihnen sind grün gefärbt und lassen sich dann von den frei beweglichen Jugendzuständen echter Pflanzen, namentlich von den Schwärmsporen der Tange, nur schwer unterscheiden (s. Algen, S. 342). Im übrigen sind die Flagellaten einfache Zellen und leben einzeln oder in Kolonien im Meer und im Süßwasser. Wichtig sind die Euglenen (Euglena) und Protokokken (Protococcus) sowie die Volvocinen (Volvox) und die Meerleuchten (Noctiluca). Die erstgenannten treten zuweilen in ungeheuern Massen auf und überziehen die Teiche mit einer grünen Schleimdecke oder färben auf den Alpen den Schnee oder in verschlossenen Schränken die Speisen mit einemmal blutrot. Volvox lebt in kugeligen Kolonien von der Größe eines Stecknadelkopfes, die vermittelst der gemeinsamen Schwingungen der Geißeln aller Einzelwesen umherbewegt werden. Eine besondere Rolle im Meer spielen die Noktiluken (s. Meerleuchten). Die fünfte Klasse endlich sind die Infusorien (s. d.). Die P. leben meist im Meer, teils auf der Oberfläche oder auf dem Grund schwimmend oder kriechend, teils an Steinen, Pflanzen etc. festgewachsen; andre finden sich im süßen Wasser, wenige auf dem Land, mehrere parasitisch in höhern Tieren. Sie sind meist von sehr geringer Größe, und nur wenige erreichen einen Durchmesser von mehreren Milli- oder selbst Zenti-^[folgende Seite]