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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Pullomantie - Puls.

mineralische Bestandteile enthalten, und deren Wasser (jährlich gegen 400,000 Flaschen und Krüge) weithin versendet wird.

Pullomantīe (lat.-griech.), s. Pullarii.

Pulmo (lat.), die Lunge; pulmonal, die Lunge betreffend.

Pulmonālis arterĭa (lat.), Lungenschlagader; pulmonalis vena, Lungenblutader.

Pulmonarĭa Tourn. (Lungenkraut), Gattung aus der Familie der Asperifoliaceen, ausdauernde, rauh- oder weichhaarige Kräuter mit großen, gestielten Grundblättern, wenigen u. kleinern Stengelblättern und blauen oder purpurnen Blüten in beblätterten, wickeligen Blütenständen und schief eiförmigen, glänzenden Nüßchen, zwölf Arten in Europa und Asien. P. officinalis. L., in den Wäldern Deutschlands, mit erst roten, dann blauen, auch weißen Blüten, ward früher bei Heiserkeit und leichten Hals- und Brustentzündungen angewendet.

Pulmonāten, s. Lungenschnecken.

Pulmonīe (lat.), Lungenschwindsucht, Lungenentzündung.

Pulna, rechter Nebenfluß des Sereth in der Moldau, entspringt in den siebenbürgischen Karpathen, fließt südöstlich und mündet unterhalb Fokschani. Nach ihm ist ein rumänischer Kreis mit der Hauptstadt Fokschani benannt.

Pulo Pinang, Insel, s. Pinang.

Pulo Tenga, Insel, s. Paternosterinseln.

Pulpa (lat., "Brei, Mus"), das Fleischige am Tierkörper; in der Botanik s. v. w. Fruchtbrei oder Fruchtmark, eine weiche, saftige, seltener trockne, markige oder mehlige Masse, welche die Höhlung der Fächer mancher Früchte ausfüllt, und in welcher die Samen eingebettet sind. Auch in der Pharmazie gebräuchlicher Ausdruck, z. B. P. tamarindorum, Tamarindenmus.

Pulpaöl, s. Olivenöl.

Pulpe (griech., Vielfuß, Octopus Lam.), Gattung der Tintenschnecken, besitzt um die Mundöffnung herum acht in einen Kreis gestellte, muskulöse Arme, mit denen er äußerst kräftige Bewegungen ausführt. Seine Nahrung besteht aus Krabben und Fischen, doch greift er auch große Hummern etc. an und erdrückt sie durch Umschlingung mit den Armen. An den letztern befinden sich je zwei Reihen großer Saugnäpfe, mit welchen die Beute festgehalten wird. Seinem weichen Körper zuliebe verbirgt er sich vorzugsweise hinter Felsen und ahmt die Farbe derselben genau nach. Gereizt, wechselt er die Farbe durch rasches Zusammenziehen und Ausdehnen der Chromatophoren (s. d.) fast augenblicklich von einem hellen Grau zu tiefem Braun und treibt die Haut zu Höckern und Hörnern auf, so daß er einen ganz andern Anblick gewährt als zur Zeit der Ruhe. Er erreicht eine ziemliche Größe. An den Küsten des Mittelmeers wird er gegessen und zu diesem Behuf mit einem Köder gefangen. S. Tafel "Tintenschnecken".

Pülpe (lat. pulpa), in der Kartoffelstärkefabrikation der ausgewaschene Kartoffelbrei.

Pulpĭtum (lat.), Gerüst oder Tribüne für öffentliche Darstellungen oder Vorlesungen; im altrömischen Theater s. v. w. Logeion (s. d.), der mittlere Teil des Proszeniums, von wo aus die Schauspieler sprachen; in christlichen Kirchen das Lese- oder Evangelienpult (s. Pult), dessen man sich beim Ablesen der Evangelien etc. bediente (vgl. Adlerpult).

Pulpös (lat.), fleischig, markig.

Pulque (span., spr. -ke), ein in Mexiko, Mittel- und Südamerika aus Agavensaft bereitetes alkoholisches Getränk (s. Agave); Pulquerias, die Lokale, in welchen P. verschänkt wird, oft nichts als offene Schuppen, die zugleich als Tanzboden dienen.

Puls (lat.), dicker Brei aus Weizenmehl, Hülsenfrüchten, Hirse etc., in der ältesten Zeit Hauptnahrung der Römer und statt des Brots dienend, später nur Speise der Armen, auch bei Opfern gebraucht; auch Futter der heiligen Weissagehühner.

Puls, pers. Rechnungsmünze, = ⅙ Abassi.

Puls (Pulsschlag), die infolge der Herzthätigkeit im Arteriensystem entstehende eigentümliche Wellenbewegung. Die Pulsschläge erfolgen in einem bestimmten Rhythmus mit bestimmten Intervallen und zwar so, daß jeder Pulsschlag der einmaligen Zusammenziehung der Herzventrikel entspricht. Jede Kontraktion einer Herzkammer erzeugt in der Blutsäule des von ihr ausgehenden Arterienröhrensystems eine positive Welle, welche vom Herzen nach den Haargefäßen hin fortschreitet, jedoch bereits vor den letztern in den feinsten Arterien durch Brechung und Reibung des Bluts an den Gefäßwänden zerstört wird. Die Blut- oder Pulswelle dehnt die elastischen Wände der Arterie aus und verursacht für den aufgelegten Finger das Gefühl des Pulses. Da jede Welle zu ihrer Fortpflanzung einer gewissen Zeit bedarf, so muß zwischen dem Ausgang der Blutwelle vom Herzen und ihrer Ankunft in einer der entferntern Arterien eine bestimmte, wenn auch geringe Zeit verfließen. Die Dauer dieses Intervalls hängt von der Fortpflanzungsgeschwindigkeit der Welle und von der Entfernung der geprüften Arterienstelle vom Herzen ab. Befühlt man bei einem Menschen von mittlerer Größe gleichzeitig die an der Seite des Halses liegende Carotis und die am Fußrücken verlaufende Arteria dorsalis pedis, so kommt die Pulswelle in der erstern um ⅙-1/7 Sekunde früher an als in der letztern. Hieraus berechnet sich die Fortpflanzungsgeschwindigkeit der Pulswelle zu etwa 9 m in der Sekunde. Die Frequenz der Pulsschläge ist bei verschiedenen Menschen und unter verschiedenen äußern Verhältnissen eine sehr wechselnde (vgl. Blutbewegung). Gewisse qualitative Verschiedenheiten des Pulses gestatten Schlüsse auf die Beschaffenheit der Arterien und des Herzens etc. Wir unterscheiden in dieser Beziehung einen schnellen und einen langsamen P. (nicht zu verwechseln mit dem häufigen und seltenen P.). Bei schnellem P. hat man das Gefühl einer schnell anschlagenden und schnell abnehmender Blutwelle, die Ausdehnung des Arterienrohrs ist kürzer als dessen Zusammenziehung. Beim langsamen P. ist das Umgekehrte der Fall. Diese Bezeichnungen beziehen sich also nur auf die Qualität eines einzelnen Pulsschlags, sind demnach ganz unabhängig von der Häufigkeit des Pulses. Wir unterscheiden ferner einen regelmäßigen und einen unregelmäßigen, ja selbst aussetzenden P., je nach der Gleichheit oder Ungleichheit der Intervalle zwischen zwei aufeinander folgenden Schlägen. Der unregelmäßige oder aussetzende P. ist nicht immer mit einem Aussetzen der Herzschläge verbunden; wohl aber sind die Herzschläge so schwach, daß die durch sie erzeugte Blutwelle unserm Gefühl nicht zugänglich wird. Beim großen und vollen P. wird eine ansehnliche Blutmenge in die Arterie eingetrieben. Klein wird der P. bei geringer Blutmenge, geminderter Herzkraft und bei größern Widerständen der arteriellen Blutsäule. Die an stark gespannten Arterien erfolgenden Stöße nennt man harte Pulse, die an schwach gespannten weiche Pulse etc. Der ein-, zwei und mehrschlägige P. (pulsus mono-, di- und polycrotus) ist abhängig von den elastischen Nachschwingungen der