Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Pyanepsion; Pyarthrus; Pyat; Pydna; Pyelītis; Pyelonephrītis; Pygmäen; Pygmalĭon; Pygmē

479

Pyanepsion - Pygme.

ist die Körperstelle sehr empfindlich. In diesem Stadium der beginnenden P. kann durch richtige chirurgische Behandlung das Fortschreiten der Vergiftung noch gehemmt werden (s. Wunde). Bleibt eine energische Entfernung der Giftquelle aus, so schreitet die Vergiftung unter immer höher steigendem Fieber weiter, es treten nach 8-14 Tagen Delirien ein, die Haut und die Bindehäute der Augen färben sich gelblich (s. Gelbsucht), der Puls wird schwächer, das Bewußtsein schwindet, und unter schnellem Kollaps erfolgt der Tod. Dies Krankheitsbild ist nun einer großen Zahl von Wundfiebern, dem Milzbrand, dem Kindbettfieber, dem Hospitalbrand etc., mit kleinen Abweichungen eigentümlich, so daß P. noch heute einen Komplex von sehr verschiedenen schweren Wundinfektionskrankheiten umfaßt. Schon vor einigen Jahren hat man versucht, darin zwei Hauptgruppen zu unterscheiden, je nachdem der Sektionsbefund eine reine Vergiftung ohne besondere Veränderung innerer Organe ergab, oder ob sich Eiterung an zahlreichen Körperstellen, Gelenken, Lungen, Herz, Nieren, Leber etc., nachweisen ließ. Man bezeichnete die erste Reihe der reinen Blutvergiftungen als Sephthämie (Sepsis, septische Intoxikation, Faulfieber), die andre als P. im engern Sinn (Eiterfieber). Nachdem sich indessen herausgestellt hat, daß wiederum die Septichämie oder Sephthämie solche Fälle aufweist, in denen 1) nur Gifte ins Blut aufgenommen worden sind, und 2) in solche, bei denen die giftbildenden Bakterien selbst im Blut kreisen und sich vermehren; nachdem sich ferner ergeben, daß die Erscheinungen der P. im eigentlichen Sinn durch den Übertritt sehr verschiedener Gifte und Bakterien erzeugt werden, seitdem kann P. nur ein Sammelname sein, welcher in Zukunft in eine große Anzahl ätiologisch getrennter Wundinfektionen zerfallen wird. Vgl. R. Koch, Untersuchungen über die Ätiologie der Wundinfektionskrankheiten (Leipz. 1878); Brieger, Untersuchungen über Ptomaine (Berl. 1885-1886, 3 Tle.); Rosenbach, Untersuchungen über die Beziehungen kleinster lebender Wesen zu den Wundinfektionskrankheiten der Menschen (Wiesbad. 1885).

Pyanepsion, der vierte Monat des attischen Kalenders, der zweiten Hälfte unsers Oktobers und ersten des Novembers entsprechend, in welchem dem Apollon zu Ehren das Fest der Pyanepsien (vom griech. pyanon, "Bohne", weil man dabei ein Bohnengericht aß) gefeiert wurde (vgl. Apollon, S. 684).

Pyarthrus (griech.), eiterige Gelenkentzündung.

Pyat (spr. pi-a), Félix, franz. Journalist, geb. 4. Okt. 1810 zu Vierzon (Cher), ward 1831 Advokat, dann Mitarbeiter und Redakteur einiger Journale von radikaler Richtung und verfaßte einige Theaterstücke ("Arabella", "Les deux serruriers", "Cédric le Norvégien", "Mathilde", "Le chiffonnier de Paris"). Im Februar 1848 wurde er Oberst der 4. Legion der Pariser Nationalgarde und im April vom Departement Cher in die Konstituierende, dann auch in die Gesetzgebende Versammlung gewählt. Wegen der Unterzeichnung von Ledru-Rollins Aufruf zu den Waffen im Juni 1849 in Anklagezustand versetzt, flüchtete er nach der Schweiz, 1851 nach Brüssel; nach dem Staatsstreich vom 2. Dez. ward er aus Belgien ausgewiesen und lebte bis 1870 in London, nachdem er, nach der Amnestie von 1869 nach Paris zurückgekehrt, sofort wieder zu Gefängnis verurteilt worden war. Während der Belagerung von Paris redigierte er den "Combat", dann den "Vengeur", zettelte die beiden kommunistischen Revolten vom 31. Okt. 1870 und 22. Jan. 1871 an, wegen deren er auch auf kurze Zeit verhaftet wurde, und ward 8. Febr. in Paris in die Nationalversammlung, in die er aber nicht eintrat, und 26. März in die Pariser Kommune gewählt. Als Mitglied des Wohlfahrtsausschusses reizte er zu den Thaten des rohesten Vandalismus auf; als aber die Versailler Truppen in Paris eindrangen, gelang es ihm, zu entkommen. 1873 wurde er in contumaciam zum Tod verurteilt und 1880 begnadigt. Er kehrte nach Paris zurück und wurde 1888 in Marseille zum Deputierten gewählt. Noch schrieb er: "Lettres d'un proscrit" (1851, 2 Tle.) u. "Loisirs d'un proscrit" (1851).

Pydna (heute Kitros), Stadt in der makedon. Landschaft Pierien, unfern des Thermaischen Meerbusens, von ionischen Griechen gegründet, 411 weiter landeinwärts verlegt, 357 an Philipp von Makedonien verraten, von diesem aber verschönert und gut befestigt, deshalb Zufluchtsort für Olympia, die Mutter Alexanders d. Gr., welche 316 hier erschlagen wurde. Bei P. erfocht Ämilius Paullus über den makedonischen König Perseus 22. Juni 168 v. Chr. einen entscheidenden Sieg.

Pyelītis (griech.), Nierenbeckenentzündung.

Pyelonephrītis (griech.), Entzündung des Nierenbeckens und der Nierensubstanz.

Pygmäen (griech., "Fäustlinge"), bei Homer ein Zwerggeschlecht an den Ufern des Okeanos (bei Spätern an den Quellen des Nils), welches mit den Kranichen im Krieg lebte. Sie griffen den schlafenden Herakles in großen Scharen an, wurden aber von ihm in eine Löwenhaut eingewickelt. Im übertragenen Sinn s. v. w. Zwerge überhaupt.

Pygmalĭon, 1) in der griech. Mythologie König von Kypros, verliebte sich in das elfenbeinerne Bild einer Jungfrau, das er selbst verfertigt hatte, und flehte die Aphrodite an, dasselbe zu beleben. Seine Bitte ward erhört, und er nahm die zum Leben Erwachte zu seiner Gemahlin, die ihm den Paphos gebar. - 2) Sohn des Belos, Bruder der Dido.

Pygmē (auch Pyx, griech., "Faustkampf"), ein Teil der griechischen und römischen Gymnastik und namentlich der Athletik, welcher darin bestand, daß sich die Kämpfer mit der Faust gegenseitig Schläge, besonders in das Gesicht, beizubringen suchten. Schon zu Homers Zeiten wurden dabei die Hände mit weichen Riemen umwickelt, so daß die Finger frei blieben. Die spätere Athletik fügte dazu den sogen. Cästus ^[Stichwort: Caestus] (s. d.), womit sich die Kämpfer schreckliche Wunden beibrachten, und die geradezu lebensgefährlichen Mýrmekes, starke eiserne Schlagringe. Den Kopf, besonders die Schläfe, schützte einigermaßen die Am-^[folgende Seite]

^[Abb.: Faustkämpfer (Statue, Dresden).]