Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

497

Quarte - Quartus.

Quarte (griech. Diatessaron), in der Musik die vierte Stufe in diatonischer Folge. Dieselbe kann sein: rein (a), übermäßig (b) oder vermindert (c). Vgl. Intervall. Der ehemals so hitzig geführte Streit über die Konsonanz oder Dissonanz der Q. hat für die Gegenwart keinen Sinn mehr. Die Q. des Haupttons sowohl des Dur- als Mollakkords, z. B. f im C dur-Akkord, ist stets Dissonanz; als Verhältnis des Quinttons zum Hauptton in Oktavversetzung (Umkehrung der Quinte) ist sie Konsonanz (g:c im C dur-Akkord).

^[Abb.: Musiknoten]

Quarter, engl. Getreidemaß (Imperial Quarter), = 64 Gallons = 290,78924 Lit., wogegen das in den Vereinigten Staaten gebräuchliche alte Winchester Q. nur = 281,197 L.; engl. Handelsgewicht, ein Viertel des engl. Zentners, = 28 engl. Pfund = 12,70 kg; engl. Längenmaß, = ¼ Yard.

Quarterdeck, der hinter dem Großmast eines Schiffes liegende Teil des Oberdecks. Auf Kriegsschiffen dürfen sich dort außerdienstlich nur Offiziere und Kadetten aufhalten. Auf dem Q. wird das Morgengebet abgehalten, Befehle verkündigt etc.

Quarteronen (span.), Abkömmlinge von einem Weißen mit einer Terzerone oder Mestize; s. Farbige.

Quartett (Quatuor, ital. Quartetto), eine Komposition für vier Instrumente oder Singstimmen. Da der vierstimmige Satz sich bereits seit dem 15. Jahrh. als derjenige herausgestellt hat, welcher Einfachheit der Faktur und Leichtigkeit der Exekution mit harmonischer Vollstimmigkeit und Deutlichkeit bestens vereinigt, so ist das Q. auf vokalem wie instrumentalem Gebiet eine bevorzugte Kunstform geworden. Die Mehrzahl der Meisterwerke der Kontrapunktik des 16. Jahrh. ist vierstimmig geschrieben, sowohl die Messen und Motetten eines Josquin als die deutschen Lieder eines Heinr. Isaak sowie die französischen Chansons und die italienischen Kanzonetten (nur die Madrigale sind überwiegend fünfstimmig); auch die Tanzstücke des 16. Jahrh. sind zumeist vierstimmig gehalten. Die sich im 17. Jahrh. etwa gleichzeitig nebeneinander entwickelnde vielstimmige (doppelchörige) Setzweise des a cappella-Stils der venezianischen und römischen Schule einerseits und die begleitende Monodie (stilo rappresentativo) anderseits drängte allerdings zeitweilig den vierstimmigen Satz in den Hintergrund; doch gelangte zu Ende des vorigen Jahrhunderts das instrumentale Q., besonders das Streichquartett (Grétry, Gossec, van Malder, Sammartini, Haydn, Boccherini), u. in unserm Jahrhundert das vierstimmige Chorlied (Männerquartett, gemischtes Q.) wieder zu allgemeiner Beliebtheit. Das Streichquartett erhielt durch Haydn seine vollständige Ausbildung und eigne Stilart (reiche Polyphonie, Teilnehmen aller Stimmen an der Melodieführung), welche Mozart und besonders Beethoven nur vertiefen konnten. Von neuern Quartettkomponisten sind besonders Spohr, Schubert, Onslow, Mendelssohn, Schumann, Brahms hervorzuheben. Eine Abart des Streichquartetts ist das für eine solistisch behandelte Violine geschriebene, der gegenüber die andern Instrumente nur begleitend auftreten (Soloquartett). Es gibt Quartette verschiedenartigster Besetzung, z. B. Hornquartette (4 Hörner); Klavierquartette (meist für Klavier, Violine, Bratsche und Cello), Flötenquartette (meist Flöte, Violine, Bratsche und Cello, doch auch andre Zusammenstellungen). Begleitete Gesangstücke heißen Q., wenn, abgesehen von den Instrumenten, vier Stimmen beteiligt sind.

Quartgeige (ital. Violino piccolo oder Poccetta, franz. Pochette, engl. Kit), Taschengeige, Sackgeige, die langhalsige Miniaturgeige der frühern Tanzmeister, mit drei Saiten bezogen in der Stimmung: ^[img]

Quartidi (franz.), der vierte Tag einer Dekade im französischen Revolutionskalender.

Quartier, früheres Flüssigkeitsmaß in Norddeutschland, meist = ¼ Quart, in Hamburg = 0,906 Lit., Braunschweig = 0,937 L., Lübeck = 0,909 L.

Quartier (franz., "Viertel"), s. v. w. Stadtviertel (z. B. Q. latin, das Studentenviertel in Paris), dann auch für Wohnung gebraucht, insbesondere im Militärwesen für die Unterkunft von Truppen in Kasernen oder bei Einwohnern des Ortes (s. Einquartierung). Man unterscheidet Standquartiere (s. v. w. Garnison), Marsch-, Kantonierungs- und Winterquartiere. Letztere waren früher von größter Wichtigkeit, fallen bei der jetzigen Kriegführung aber fort, da es nicht mehr notwendig ist, die Operationen im Winter zu unterbrechen. Im Alarmquartier liegen die Truppen dicht bei einander, um stets zum Ausrücken bereit zu sein. Im Seewesen ist Q. Bezeichnung für die vierstündige Schiffswache; in der Heraldik s. v. w. Wappenfeld.

Quartier geben, s. v. w. Pardon geben.

Quartiermacher, s. v. w. Furier (s. d.).

Quartiermeister, bei der Eskadron etc. derjenige Unteroffizier, welcher das Bekleidungswesen, Waffen und Munition zu beaufsichtigen, die Naturalverpflegung der Mannschaften und den Furageempfang zu besorgen hat; im Seedienst der erste Bootsmannsgehilfe, welcher die Aufsicht über die Schiffswache hat. Generalquartiermeister heißt in einzelnen Armeen der dem Chef des Generalstabs zunächst stehende Generalstabsoffizier; Generalquartiermeisterstab, s. v. w. Generalstab.

Quartilho (spr. -tiljo), Flüssigkeitsmaß in Portugal, = 1/48 Almudi; in Brasilien = ¼ Medida = 0,694 Lit.

Quartodezimaner, s. Ostern.

Quartole, eine Figur von vier Noten, die zusammen denselben Wert haben sollen wie drei (a) oder sechs (b) derselben Gestalt:

^[Abb.: Notenfolgen]

Quarto Sant' Elena, Flecken in der ital. Provinz Cagliari, unweit der Südostküste der Insel Sardinien und des gleichnamigen Strandsees, hat Wein- und Getreidebau und (1881) 6638 Einw.

Quartsextakkord, eine von der Generalbaßbezifferung herstammende Benennung, welche zunächst ganz allgemein bedeutet, daß zu dem mit ^ überschriebenen Baßton dessen Quarte und Sexte (nach dem Vorzeichen der Tonart) genommen werden sollen; in C dur bedeutet also f mit der bezeichneten Überschrift den Akkord f h d. Gewöhnlich meint man aber, wenn vom Q., von der gebotenen vorsichtigen Einführung desselben und seiner eigentümlichen Bedeutung für den Satz gesprochen wird, den Dur- oder Mollakkord in derjenigen Umkehrung, welche die Quinte zum Baßton macht (dritte Lage); in C dur also g c e. Vgl. Konsonanz.

Quartus (lat.), der Vierte.