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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Quasi - Quästor.

Quasi (lat.), gleichsam, als wie; bezeichnet in Zusammensetzungen mit andern Wörtern etwas, das nur den Schein von dem Genannten hat, es aber nicht wirklich oder nicht voll ist, z. B. Quasigelehrter, Quasifürst; in der Rechtssprache etwas einer Sache Analoges und wie diese zu Behandelndes, z. B. Quasikontrakt.

Quasimodogeniti (lat., "Gleichwie die Neugebornen"), Bezeichnung des ersten Sonntags nach Ostern, an welchem die Messe mit 1. Petri 2, 2 anfing.

Quasir (Kwaser), eine Gestalt der nordischen Mythologie, ward geschaffen, um Schiedsrichter zwischen den in Streit miteinander liegenden Asen und Wanen zu werden, und war so weise, daß er jede ihm vorgelegte Frage zu beantworten vermochte. Nach vollbrachtem Schiedsamt reiste er in der Welt umher, um die Menschen Weisheit zu lehren; allein als er zu den Zwergen Fialar und Galar gelangte, schlachteten ihn diese und bereiteten aus seinem Blute, das sie mit Honig mischten, einen köstlichen Met, der jeden, welcher davon genoß, zum Weisen und Dichter machte. Der Metvorrat kam später in die Hände des Riesen Suttung, der ihn durch seine Tochter Gunnlöd (s. d.) sorgsam bewachen ließ, bis es Odin durch List gelang, sich desselben zu bemächtigen.

Quasi re bene gesta (lat.), gleichsam als wäre alles vortrefflich gethan.

Quaesitor (lat.), im alten Rom der Etymologie nach s. v. w. Quästor (a quaerendo), der mit der Leitung einer Kriminalsache beauftragte Richter.

Quasselou, afrikan. Landschaft, s. Wassala.

Quassia Dec. (Quassie, Bitterholzbaum, Bitteresche), Gattung aus der Familie der Simarubeen mit der einzigen Art Q. amara L., einem Strauch oder kleinen Baum mit dreizähligen oder zweijochig unpaarig gefiederten Blättern, gegliedert geflügelter und, wie die Mittelnerven der Blättchen, purpurroter Blattspindel, großen, scharlachroten Blüten in einfachen, terminalen Trauben und zu je 4-5 auf dem Stempelträger stehenden, länglichen, schwarzen Steinfrüchten, wächst in Surinam und auf den Antillen und wird in Brasilien und Guayana kultiviert. Er liefert das offizinelle Quassienholz (Fliegenholz), welches im Handel meist noch mit der schmutzig graubraunen, mehr spröden als zähen Rinde bekleidet vorkommt und leicht, gelblichweiß, gut spaltbar und von dichtem Gefüge ist. Das Quassienholz ist geruchlos, schmeckt stark und rein bitter und enthält als wesentlichen Bestandteil Quassiin C10H12O3 ^[C_{10}H_{12}O_{3}], welches in farb- und geruchlosen luftbeständigen Säulen kristallisiert, äußerst bitter schmeckt, in Alkohol, Wasser und Äther löslich ist, neutral reagiert, beim Erhitzen schmilzt und an der Luft wie Harz verbrennt. Es besitzt schwach narkotische Eigenschaften und ist namentlich auch für Insekten (Fliegen) giftig. Die Eingebornen benutzen das Holz und die Blüte medizinisch. 1730 gelangte die Rinde zuerst nach Amsterdam. Man benutzt das Holz mit der Rinde als Bittermittel wie Enzian und Fieberklee, vor welchen es keinen Vorzug zu besitzen scheint, außerdem eine Abkochung desselben als Fliegengift und, wie man sagt, als Hopfensurrogat in Brauereien. Das sehr ähnliche Jamaicaquassienholz, welches ebenfalls Quassiin enthält, stammt von Picraena excelsa Lindl., einem bis 20 m hohen Baum aus der Familie der Simarubeen, von eschenartigem Ansehen, mit unpaarig gefiederten Blättern und erbsengroßen, glatten, schwarzen Steinfrüchten.

Quast, Ferdinand von, Architekt, geb. 23. Juni 1807 zu Radensleben bei Ruppin, bezog 1825 die Universität Berlin, widmete sich dann der Architektur, wurde 1843 Baurat u. Generalkonservator der Kunstdenkmäler des preußischen Staats und starb 11. März 1877 auf seinem Gut Radensleben. In seiner amtlichen Eigenschaft prüfte und verbesserte Q. die Restaurationsprojekte, fertigte auch selbst derartige Pläne und leitete speziell die Restaurationen der Liebfrauenkirche zu Halberstadt und der Kirche zu Gernrode. Sein Grundsatz war, das historisch gewordene Bauwerk als solches in seiner Erscheinung zu erhalten, einzelne Teile nur dann zu beseitigen, wenn sie ältere und bessere verdeckten. Er gab Agincourts "Sammlung von Denkmälern" (Berl. 1840) und Inwoods "Erechtheion" (Potsd. 1843) deutsch heraus und schrieb unter anderm: "Die altchristlichen Bauwerke von Ravenna" (Berl. 1842); "Die romanischen Dome des Mittelalters zu Mainz, Speier, Worms" (das. 1853); "Die Entwickelung der kirchlichen Baukunst des Mittelalters" (das. 1858). Von den "Denkmalen der Baukunst in Preußen" erschien nur eine Abteilung: Das Ermeland (Berl. 1862-64, 24 Tafeln). Mit H. Otte gab er die "Zeitschrift für christliche Archäologie und Kunst" (Leipz. 1857-60, 2 Bde.) heraus.

Quaste (Quast), ein Büschel von herabhängenden, an den obern Enden vereinigten Schnuren oder Fransen zur Verzierung an Kleidern, Vorhängen etc.

Quaestio (lat.), Frage, Streitfrage, Befragung, Untersuchung, und zwar sowohl gerichtliche (zuweilen mit der Folter verbunden) als auch gelehrte Untersuchung. Quaestiones perpetuae, bei den alten Römern die zur Untersuchung und Bestrafung bestimmter Verbrechen eingesetzten ständigen Gerichte, neben welchen zur Untersuchung einzelner Fälle auch außerordentliche Kommissionen, Quaestiones extraordinariae, eingesetzt wurden.

Quaestio facti (lat., "Thatfrage"), in der Rechtssprache die Beurteilung eines thatsächlichen, für die rechtliche Entscheidung erheblichen Umstandes, im Gegensatz zu Q. juris ("Rechtsfrage").

Quaestionarii (lat.), Beiname derjenigen Scholastiker des 13. Jahrh., die eine Menge dogmatischer oder kirchenrechtlicher schwieriger, für die Praxis unwesentlicher Fragen in der Theologie aufwarfen.

Quästor (lat.), ein altröm. Magistrat, dem unter den Königen die Kriminalgerichtsbarkeit (daher der Name Quaestores parricidii), später die Verwaltung der Staatskasse (des aerarium) übertragen war. Ursprünglich waren es 2 Quästoren; 421 v. Chr. stieg ihre Zahl auf 4, 267 auf 8, durch Sulla auf 20, durch Cäsar auf 40; ihre Zahl unter den Kaisern ist unbekannt. Zwei derselben (die Quaestores urbani) blieben immer in Rom, wo sie unter Beihilfe von Unterbeamten (scribae) die Einnahmen und Ausgaben des Staats zu besorgen, die Rechnungen darüber zu führen, Kontrakte abschließen und sonstige finanzielle Geschäfte wahrzunehmen hatten; auch lag es ihnen ob, die Senatsbeschlüsse im Tempel des Saturn, wo sich das Ärar befand, niederzulegen und aufzubewahren. Die neu hinzukommenden übrigen Quästoren begleiteten teils die Statthalter in die Provinzen als deren Finanzbeamte, teils waren sie an einigen für die Finanzverwaltung besonders wichtigen Punkten in Italien, wie in Ostia, in Cales und im cisalpinischen Gallien, stationiert. Anfangs war auch dieses Amt nur den Patriziern, seit 421 aber auch den Plebejern zugänglich; die Wahl geschah in den ersten Jahrzehnten der Republik in den Kuriatkomitien, später, wahrscheinlich seit 449, in den Tributkomitien; das Normaljahr für den Antritt des Amtes war in der spätern Zeit der Republik wahrscheinlich das vollendete 30. Lebensjahr; mit ihm,