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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Quatricinium; Quatriduum; Quattrino; Quattrocento; Quatuor; Quebec

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Quatricinium - Quebec.

3) Etienne Marc, franz. Orientalist, geb. 12. Juli 1782 zu Paris, ward 1809 Professor der griechischen Litteratur an der Fakultät zu Rouen, 1815 Mitglied der Akademie der Inschriften und 1819 Professor der semitischen Sprachen am Collège de France zu Paris; starb 18. Sept. 1857 daselbst. Q. zeichnete sich als Gelehrter durch staunenswürdige Vielseitigkeit in der Kenntnis morgenländischer und abendländischer Sprachen sowie durch eminenten Scharfsinn in der Erwägung der Einzelheiten aus. Von seinen Schriften verdienen besondere Erwähnung: "Recherches sur la langue et la littérature de l'Égypte" (Par. 1808); "Mémoires géographiques et historiques sur l'Égypte" (1811, 2 Bde.); "Observations sur quelques points de la géographie de l'Égypte" (1812). Auch übersetzte er Makrisis "Geschichte der Mamlucken in Ägypten" (1837-40, 4 Bde.) und gab Reschid-Eddins "Geschichte der Mongolen" in der "Collection orientale" (1837) heraus. Seine "Mélanges d'histoire et de philologie orientale" gab Barthélemy Saint-Hilaire heraus (1861).

Quatricinium (lat.), vierstimmiges Tonstück für Gesang oder Instrumente (Quartett).

Quatriduum (lat.), Zeitraum von vier Tagen.

Quattrino, alte ital. Münze, = 1/5 Bajocco (s. d.).

Quattrocento (ital., spr. -tschénto, "vierhundert"), in der Geschichte der ital. Kunst Bezeichnung für das 15. Jahrh. und den dasselbe beherrschenden Stil der Frührenaissance. Quattrocentisten sind die Künstler, welche diesen Stil vertreten, insbesondere die Bildhauer Ghiberti, Donatello, Luca della Robbia und ihre Schüler, der Architekt Brunellesco und die Maler Masaccio, Giovanni da Fiesole, Ghirlandajo, Filippo Lippi, Mantegna u. a.

Quatuor (lat.), vier; auch s. v. w. Quartett.

Quebec, Provinz der britisch-amerikan. Dominion of Canada, früher Unterkanada genannt, umfaßt das auf beiden Seiten des St. Lorenzstroms und östlich von seinem Nebenfluß Ottawa gelegene Gebiet samt der im St. Lorenzbusen gelegenen Insel Anticosti. Die Nordgrenze erstreckt sich von der Belle Isle-Straße an längs der Wasserscheide bis 79° 35' westl. L. v. Gr.; im S. grenzt die Provinz an die Vereinigten Staaten und an Neubraunschweig. Den südlichen Teil der Provinz durchziehen die aus Vermont herübertretenden Notre Dame-Berge, die in den Shickshockbergen, auf der Gaspéhalbinsel, mit dem Mount Logan (1148 m) kulminieren. Das Nordufer des St. Lorenzstroms begleiten die von kanadischen Geologen mit dem Namen Laurentides bezeichneten Höhen, die indes schon unterhalb der Stadt Q. vom Fluß zurücktreten, so daß dieser obere Teil der Provinz ziemlich eben ist und für den Ackerbau die günstigsten Bedingungen bietet. Das seenreiche Innere ist großenteils noch Urwald, dessen Föhren, Tannen, Eschen, Birken, Ahorne, Ulmen und Tamaracs eine Hauptquelle des Wohlstandes der Provinz bilden. Neben dem St. Lorenzstrom sind die bedeutendsten Flüsse der Ottawa und Saguenay im N., der Richelieu, St. Francis und Chaudière im S. Das Klima zeichnet sich durch strenge Winter und heiße Sommer aus. In Q. ist bei einer Jahrestemperatur von 5,5° die mittlere Temperatur des Januars -11,7, die des Juli 21,8° C.; dagegen sind für Montreal die entsprechenden Zahlen 7,6, 9,4 und 23,1° C. Q. hat ein Areal von 500,769 qkm (9094,5 QM.) mit 1871: 1,195,519, 1881: 1,366,542 Einw. mit Einschluß von 7515 Indianern. Die Bevölkerung ist noch vorwiegend französisch und katholisch und ihren alten Sitten treu geblieben; doch ist in jüngerer Zeit das französische Element, nicht ohne Vorteil für den materiellen Wohlstand der Provinz, durch massenhafte Auswanderung von "Habitans" nach den Vereinigten Staaten geschwächt worden. Für öffentliche Bildung sorgen neben 3 Universitäten und 15 höhern Schulen noch Elementarschulen, welche unter der Verwaltung von Schulräten stehen, die von den Steuerzahlern gewählt werden. Von Nonnen geleitete mildthätige Anstalten sind sehr zahlreich. Von der gesamten Bevölkerung beschäftigen sich 63,5 Proz. mit Landwirtschaft und Viehzucht, 0,1 mit Bergbau, 25,6 mit Industrie, 10,8 Proz. mit Handel. Etwa 17,000 qkm sind angebaut, 10,000 bestehen aus Wiesen und Weiden, der Rest ist fast ganz Urwald. Angebaut werden vornehmlich Hafer, Gerste, Weizen, Roggen und Mais, Kartoffeln, Rüben und Erbsen, auch Hanf, Flachs und Tabak. An Vieh zählte man 1880: 273,852 Pferde, 1,030,333 Rinder, 889,833 Schafe, 329,199 Schweine. Die von den Franzosen eingeführt Feudalwirtschaft mit ihren 223 Seignorien ist seit 1855, nicht ohne einigen Widerstand von seiten der Beteiligten, aufgehoben worden. Sehr wichtig sind die Fischereien auf Salme, Kabeljaus, Heringe und Makrelen. Die Wälder liefern noch immer einen reichen Ertrag an Bau- und Nutzholz, das auf zahlreichen Säge- und Hobelmühlen zugerichtet wird. Dagegen liegt der Bergbau noch in seiner Kindheit. Gold, Kupfer und Eisen werden gewonnen, und außerdem findet man Blei, Silber, Platin und Zink. Die Industrie ist bereits ziemlich entwickelt und befaßt sich vornehmlich mit Herstellung von wollenen, baumwollenen und leinenen Waren, landwirtschaftlichen Geräten, Chemikalien, Leder, Stiefeln, Seife etc. Zur Ausfuhr (1886/87: 40,364,720 Dollar) kommen namentlich Holz, Korn und Mehl, Pottasche, Vieh, wogegen die Einfuhr (50,153,673 Doll.) vorwiegend aus Fabrikwaren besteht. Die Haupthäfen sind Quebec und Montreal. Die Verwaltung ruht in den Händen eines von der Krone ernannten Gouverneurs, dem zwei gesetzgebende Versammlungen (ein Council und eine Assembly) zur Seite stehen, und deren Mitglieder vom Volk gewählt werden. Bei einer Einnahme von 5,931,824 Doll. im J. 1885 belief sich die Provinzialschuld auf 11,271,592 Doll.

Quebec, Hauptstadt der gleichnamigen britisch-amerikan. Provinz und bis 1857 von ganz Kanada, eine der malerischten Städte der Welt, an der Mündung des St. Charles-Flusses in den hier nur 1200 m breiten St. Lorenzstrom. Die Oberstadt liegt etwa 60 m über dem Fluß und steigt westlich bis zur gewaltigen, die Landspitze Diamond (101 m) krönenden Citadelle an, die, von 400 Geschützen verteidigt, für das "amerikanische Gibraltar" gilt. Die Unterstadt zieht sich am Fuß der Höhen hin und ist Sitz des Handels und der Industrie. In ihrem Aussehen erinnert Q. lebhaft an die Normandie und sticht sehr von allen andern Städten Amerikas ab. Die schönsten öffentlichen Gebäude liegen in der Oberstadt, wie die 1666 eingeweihte katholische Kathedrale, die anglikanische Kathedrale, das neue Parlamentsgebäude, die Laval-Universität (aus einem 1663 von Laval gegründeten Seminar hervorgegangen) mit Museum und Bibliothek, Morin College mit Museum, das Kloster der Ursulinerinnen (mit Grabmal Montcalms), große Kaserne im alten Jesuitencollege (1646 erbaut) etc. Q. hat (1881) 62,446 meist katholisch-franz. Einwohner. Sein sicherer Hafen ist infolge des Eisganges nur von April bis Ende November offen. Die Ausfuhr betrug 1887: 3,668,129 Doll., die Einfuhr 5,318,533 Doll. Q. ist Sitz eines deutschen Konsuls. - ^[GEDANKENSTRICH!]