Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Rachegöttinnen; Rachel; Rachen; Rachenbräune; Rachenkatarrh; Rachimburgen; Rachitis

532

Rachegöttinnen - Rachitis.

ethischen Vergeltung dadurch, daß die letztere zwar das Maß der Vergeltung (der Billigkeit gemäß) bestimmt, die Person des Beleidigten (und der Seinen) aber vom Vergelteramt ausschließt. Letzteres aus dem Grund, weil der Beleidigte (und die Seinen) durch die erfahrene Beleidigung in Affekt versetzt und dadurch einer unparteiischen Erwägung und Einhaltung der erlaubten Grenzen der Wiedervergeltung unfähig geworden sind.

Rachegöttinnen, s. v. w. Erinnyen.

Rachel, Berg im Böhmerwald, in Bayern, nahe der böhmischen Grenze gelegen, 1454 m hoch. An seinem Fuß liegt der malerische Rachelsee.

Rachel, Joachim, Satiriker, geb. 28. Febr. 1618 zu Lunden in Norderdithmarschen, besuchte die Schule zu Hamburg, studierte in Rostock und Dorpat und übernahm dann eine Hauslehrerstelle in Livland. 1652 heimgekehrt, wurde er Rektor zu Heide in Dithmarschen, dann (1660) zu Norden in Ostfriesland, zuletzt (1667) in Schleswig, wo er 3. Mai 1669 starb. R. war neben Lauremberg der namhafteste Satiriker seiner Zeit, bildet aber zu diesem den entschiedensten Gegensatz. Seine ganz allgemein gehaltenen Satiren, nach den Grundsätzen der Opitzschen Poetik abgefaßt, atmen wohl eine ernste und würdige Gesinnung, leiden aber unter der breiten und trocknen, mit klassischer Gelehrsamkeit prunkenden Darstellung und ermangeln der poetischen Wärme. Sie sind als "Satirische Gedichte" (Frankf. 1664 u. öfter; neue Ausg. von Schröder, Altona 1828) gesammelt erschienen. Vgl. Sach, Joachim R. (Schlesw. 1869).

Rachel (spr. -schell), Elisa, genannt Félix, berühmte franz. Schauspielerin, geb. 28. Febr. 1820 zu Mumpf im Kanton Aargau als Tochter eines elsässischen israelitischen Hausierers, ernährte sich seit 1830 mit ihrer Schwester Sarah durch Singen in den Pariser Kaffeehäusern, kam sodann ins Konservatorium, wo sie erst musikalische Studien trieb, ging aber bald zum Schauspiel über und hatte hier Saint-Aulaire und Samson zu Lehrern in der Deklamation. 1837-38 im Gymnase engagiert, debütierte sie im Sommer 1838 auf dem Théâtre français als Camilla in den "Horatiern", und bald erkannte die gesamte Pariser Kritik sie als diejenige an, welche mit den scharfen Accenten und brennenden Farben ihres leidenschaftlichen und doch streng gezügelten Vortrags die eingeschlafenen Geister der alten Tragödie Frankreichs ins Leben zurückzurufen bestimmt sei. Ohne gerade schön zu sein, besaß sie zweierlei Vorzüge in hohem Grad, ein dunkel strahlendes, geistbeseeltes Auge und ein gewaltiges, volltönendes, durchdringendes Altorgan. Dazu kamen eine vollendete Mimik und ein Gebärdenspiel, welches stets die ruhige Schönheit der Antike bewahrte, vor allem aber eine fast beispiellose Technik in der Darstellung der finstern und erhabenen Leidenschaften. Durch diese Eigenschaften steht die R. im Bereich der französischen klassischen Tragödie unerreicht da. 1840 gastierte sie in England; 1855 verließ sie die Comédie française, der sie bis dahin angehört hatte, und ging nach Amerika, ohne so großen Beifall zu finden, wie sie gehofft. Leidend zurückgekehrt, erlag sie einem Brustübel 3. Jan. 1858 auf ihrem Landgut bei Cannes. Sie war unvermählt geblieben, hinterließ jedoch zwei Söhne, deren älterer vom Grafen Morny anerkannt und von Napoleon III. in den Adelstand erhoben wurde. Vgl. Janin, R. et la tragédie (Par. 1858); d'Heylli, R. d'après sa correspondance (das. 1882). Außer ihrer ältern Schwester, Sarah (gest. 12. Jan. 1877), haben auch die übrigen Geschwister, Lia, Rebekka (gest. 1854) und Dinah, sowie ihr Bruder Raphael Félix, später Direktor des Théâtre Porte St.-Martin, der Bühne längere oder kürzere Zeit mit Erfolg angehört.

Rachen (Fauces), der vordere Teil des Schlundkopfes (s. d.). Er liegt hinter der Mundhöhle und wird von dieser durch den weichen Gaumen und durch die Gaumenbogen abgegrenzt; außer mit ihr hängt er auch noch durch die Choanen (s. d.) mit der Nasenhöhle, nach unten mit der Kehlkopfhöhle zusammen und geht, ebenfalls nach unten, in den Schlund über (s. Tafel "Mundhöhle etc.", Fig. 2). Der R. ist von einer Schleimhaut ausgekleidet, welche zum Teil mit Flimmerzellen versehen ist; die äußere Schicht seiner Wandungen besteht aus einer Muskelhaut (constrictores pharyngis, Rachenschnürer), welche die Rachenhöhle verengert und beim Schlingen in Thätigkeit tritt. Die wichtigsten Erkrankungen des Rachens sind der Katarrh, Krupp und die Diphtheritis.

Rachenbräune, s. v. w. akuter Rachenkatarrh; über die bösartige R. s. Diphtheritis.

Rachenkatarrh, chronischer, findet sich besonders bei Leuten, welche viel sprechen (Lehrern), auch bei Rauchern und ist mehr lästig als gefährlich, ruft aber oft schwere Hypochondrie hervor. Bei demselben ist die Schleimhaut des Rachens gerötet und körnig verdickt, die Venen sind erweitert, und wenn der Katarrh auf den Kehlkopf übergreift, tritt Heiserkeit und Klanglosigkeit der Stimme ein. Dazu veranlaßt die Schleimabsonderung häufiges Räuspern und Hüsteln. Ruhe, reine Luft, Bepinseln mit verdünnter Alaun- oder Höllensteinlösung, Inhalationen, Trinkkuren, vor allem auch kalte Bäder und Abreibungen schaffen in der Regel Besserung. Verdickungen und Wucherungen der hintern Rachenwand behandelt man mit Höllenstein oder galvanokaustisch. Über den akuten R. (Rachenbräune) s. Bräune 1). Vgl. Bresgen, Der chronische Nasen- und Rachenkatarrh (Wien 1883).

Rachimburgen (mittellat. Rachimburgi), zur Zeit der Merowinger und Karolinger die Beisitzer des Richters, gewöhnlich sieben an der Zahl, aus welchen die nachmaligen Schöffen hervorgingen.

Rachitis (schott. räkits, "Höcker", nicht v. griech. rhachis, Wirbelsäule, abgeleitet; Englische Krankheit, Zwiewuchs), eine Knochenkrankheit, die, dem Kindesalter vom zweiten bis etwa zum sechsten Jahr eigentümlich, hauptsächlich unter schlecht ernährten und mangelhaft gepflegten Kindern gefunden wird. In manchen Teilen Deutschlands ist dieselbe außerordentlich häufig. Sie findet sich gleichzeitig an allen Knochen des Skeletts, äußerlich am meisten auffallend an den Extremitäten. An den letztern tritt eine exzessive Wucherung der Knorpelscheiben (Epiphysenknorpel) ein, welche zwischen die Gelenkenden und das Röhrenstück der Knochen eingeschaltet sind; desgleichen verdickt sich die Knochenhaut ganz bedeutend. Die knorpeligen und fibrösen Massen aber, welche durch die übermäßige Wucherung der Epiphysenknorpel und des Periosts entstehen, werden unvollständiger und später als beim normalen Knochenwachstum in knöcherne Substanz umgewandelt. Es handelt sich also bei der R. nicht um ein krankhaftes Weichwerden von Gebilden, welche früher hart waren (wie bei der Knochenerweichung, s. d.), sondern um ein abnormes Weichbleiben von Gebilden, welche unter normalen Verhältnissen durch Einlagerung der nötigen Menge von Kalksalzen hart geworden sein würden. Die Markhöhle vergrößert sich in dem rachitischen Knochen in gleicher Weise wie im gesunden