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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Rad; Rad an der Welle; Radagaisus; Radakinseln; Radaune; Radautz; Radcliffe; Radd.; Raddampfer; Radde

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Rad - Radde.

Wagenräder wird aus (in der Regel sechs) bogenförmig zugeschnittenen Stücken aus Buchen- oder Eichenholz (Felgen, Radfelgen) zusammengesetzt, die unter sich durch eingesetzte Zapfen verbunden und durch einen warm aufgezogenen und durch Radnägel befestigten schmiedeeisernen Radreifen zusammengehalten werden. Bei Luxuswagen umgibt man vielfach das R. noch mit einem Gummiring, um den Lärm beim Fahren zu vermeiden. Bei den Felgen ist die Richtung der Holzfasern parallel mit der Sehne des Bogens, welchen der Abschnitt des Kranzes bildet. Das Verfahren, den ganzen Radkranz aus Einem Stück Holz herzustellen, welches in Wasserdampf erweicht und in eisernen Formen gebogen wird, hat sich nicht in dem Maß bewährt, als man erwartet hatte. Die Speichen sind mit der Rabe einerseits und den Felgen anderseits durch Zapfen verbunden. Bei eisernen Naben sind diese Zapfen sektorenförmig und so breit ausgebildet, daß sie sich ohne Zwischenräume aneinander legen, wobei sie an zwei zu beiden Seiten angebrachten Scheiben der Mutter mittels durchgehender Schraubenbolzen befestigt werden. Radkränze aus Eisen oder Stahl kommen nur selten bei ganz schweren oder ganz leichten Fuhrwerken (z. B. Velocipeden) oder in der Form von kleinen Scheibenrädern (z. B. bei transportabeln Schmiedefeuern etc.) vor, weil sie für gewöhnliches Fuhrwerk bei genügender Steifigkeit zu schwer ausfallen würden. Es ist vorteilhaft, die Radkränze breit zu machen, weil dadurch einerseits die Straßen geschont werden (ein breiter Kranz wirkt weniger einschneidend), anderseits der Beschlag des Rades mehr geschont und der Widerstand gegen die Bewegung nicht unerheblich vermindert wird, weil ein breiter Radkranz die Unebenheiten der Straßen einigermaßen zudeckt. Der Durchmesser (die Höhe) der Räder soll thunlichst groß genommen werden, weil höhere Räder weniger Achsenreibung hervorbringen und Unebenheiten der Straße leichter überwinden; doch muß die Radhöhe innerhalb solcher Grenzen liegen, daß die Stabilität und das Gewicht der Fuhrwerke nicht wesentlich beeinträchtigt werden. Die Herstellung der Wagenräder geschieht jetzt vielfach mittels Spezialmaschinen. Die Räder der Eisenbahn-, Pferdebahn- und Straßenbahnwagen werden in der Regel ganz aus Eisen und Stahl hergestellt. Doch lassen sich auch bei ihnen Naben, Kränze und Speichen unterscheiden, welch letztere hier häufiger durch Scheiben ersetzt werden. Die Naben werden auf ganz schwach konische Ansätze der Achsen mittels hydraulischer Pressen gewaltsam aufgetrieben und durch die dadurch erzeugte enorme Reibung festgehalten, so daß immer zwei Räder mit einer Achse ein zusammenhängendes Stück bilden. In ähnlicher Weise werden die zweckmäßig profilierten Radreifen (hier Bandagen oder Tyres genannt) auf den Rädern befestigt.

Rad (Strafe des Rades), s. Rädern.

Radagaisus (Radegast), Anführer eines über 200,000 Mann starken Heers von Sueven, Vandalen, Burgundern etc., das 405 oder 406 n. Chr. über die Alpen einbrach und Oberitalien verwüstete. Schon belagerte R. zum Schrecken Roms mit seinen Horden Florenz, als Stilicho mit einem geringen Heer ihm entgegenzog, die Stadt entsetzte, das Barbarenheer in den Bergen von Fäsulä durch Verschanzungen so einschloß, daß ein großer Teil Hungers starb, und es endlich fast völlig in einer Schlacht vernichtete. R. selbst ward gefangen und enthauptet; einen Teil der Gefangenen verkaufte man als Sklaven. 12,000 auserlesene Krieger nahm Stilicho in Sold.

Radakinseln, s. Ratakinseln.

Rad an der Welle (Wellrad), eine von den sogen. einfachen Maschinen oder mechanischen Potenzen, besteht aus einem um seine Achse drehbar gelagerten Cylinder (Welle), auf welchem ein Rad von größerm Durchmesser befestigt ist. Um Rad und Welle sind zwei Seile so geschlungen, daß an ihnen wirkende Kräfte in entgegengesetzter Richtung zu drehen bestrebt sind. Das R. ist als ein erweiterter kontinuierlich wirkender Hebel anzusehen, bei welchem die Radien der Scheibe und der Welle die Hebelarme bilden, so daß auch hier, wie beim Hebel, Gleichgewicht eintritt, wenn die an den Seilen ziehenden Kräfte, abgesehen von den Reibungswiderständen, sich umgekehrt wie die Radien verhalten. Das Wellrad wird zum Tretrad, wenn an seinem Umfang Tritte, zum Sprossenrad, wenn Sprossen angebracht sind. Das Laufrad ist eine Trommel, in deren Innerm ein Mann geht, um dadurch ihre Welle in Umdrehung zu versetzen. Auf dem Prinzip des Wellrades beruhen der Haspel, die Winden, Göpel sowie überhaupt alle Räderwerke.

Radaune, linksseitiger Nebenfluß der Weichsel in Westpreußen, entfließt auf der Hochfläche von Karthaus dem 15 km langen Radaunesee und teilt sich bei Praust in die Alte und Neue R., von denen jene im Danziger Werder bei Nonnenhof in die Mottlau mündet, während diese, ein kanalisierter Arm, am Fuß der Hochfläche hinfließt und sich in Danzig mit der Mottlau verbindet; 75 km lang.

Radautz, Stadt in der Bukowina, an der Flügelbahn R.-Hadikfalva der Lemberg-Czernowitzer Bahn, hat eine Bezirkshauptmannschaft, ein Bezirksgericht, ein Obergymnasium, ein Staatsgestüt (mit 1200 Pferden), eine Maschinenbauwerkstätte, Papiermühle, Brauerei, Branntweinbrennerei, Gerberei, Wagenbau und (1880) 11,162 Einw. R. war bis 1786 Sitz des jetzt in Czernowitz befindlichen griechisch-nichtunierten Bistums und hat aus jener Zeit eine Kathedrale mit Grabmonumenten moldauischer Fürsten.

Radcliffe (spr. réddkliff), Stadt in Lancashire (England), am Irwell, 8 km östlich von Bolton, mit (1881) 16,263 Einw.

Radcliffe (spr. réddkliff), Anna, geborne Ward, engl. Romandichterin, geb. 9. Juli 1764 zu London, verheiratete sich 1787 mit dem Rechtsgelehrten William R. (später Herausgeber der Zeitschrift "The English Chronicle"), unternahm 1794 eine Reise auf den Kontinent und lebte dann zu London, wo sie 7. Febr. 1823 starb. Ihre zahlreichen Romane, z. B. "A Sicilian romance" (1790), "The romance of the forest" (1791), die von Sheridan und Fox so gerühmten "Mysteries of Udolpho" (1794), "The Italian" (1797) etc., begründeten die Litteratur, welche die Engländer später mit dem Namen "German horrors" bezeichneten; doch zeichnen sie sich durch anziehende Schilderungen und korrekten Stil aus. Ihre dichterischen Versuche, darunter "St. Alban's abbey", erschienen gesammelt als "Poetical works" (1824 u. 1834, 2 Bde.). Ihr Leben beschrieb Walter Scott in den "Biographical notices of eminent novelists".

Radd., bei botan. Namen Abkürzung für G. Raddi, geb. 1770 zu Florenz, bereiste Brasilien, starb 1829 auf Rhodos. Farne, Flora Brasiliens.

Raddampfer, s. Dampfschiff.

Radde, Gustav Ferdinand Richard, Reisender und Naturforscher, geb. 27. Nov. 1831 zu Danzig, wurde Apotheker und machte 1852 mit Unterstützung der Danziger Naturforschenden Gesellschaft eine Reise nach der Krim, wo er drei Jahre blieb. 1855 bereiste