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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Radscha; Radschloß; Radschputāna

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Radscha - Radschputana.

"Neuen Gespräche aus der Gegenwart" (Erfurt 1851, 2 Bde.), welche die Reorganisation Deutschlands behandelten. Der König berief ihn im August 1852 wieder in seine Nähe, indem er ihn zum Direktor des Militärstudienwesens ernannte; doch beschränkte sich R.' Wirken hauptsächlich auf litterarische Arbeiten, unter denen die "Fragmente" (Bd. 4 u. 5 der "Gesammelten Schriften", Berl. 1852-53, 5 Bde.) Aufsehen machten. Er starb 25. Dez. 1853. Von seinen Schriften sind noch zu nennen: "Ikonographie der Heiligen, ein Beitrag zur Kunstgeschichte" (Berl. 1834) und "Die Devisen und Mottos des spätern Mittelalters" (das. 1850). Vgl. Frensdorff, Jos. v. R. (Leipz. 1850); F. Fischer, R., im "Historischen Taschenbuch" 1874. - R. hinterließ zwei Söhne, von denen der eine bis 1887 General und Kommandant von Altona war, der andre, Joseph Maria von R., geb. 19. Mai 1839, seit 1873 Gesandter in Athen und vortragender Rat im Auswärtigen Amte des Deutschen Reichs, seit 1882 Botschafter in Konstantinopel ist.

Radscha (Raja, v. sanskrit. râjan, "Fürst, König"), in Vorderindien uralter Titel der dortigen Fürsten (jetzt Vasallen der Engländer); Maharadscha ("Großkönig"), derjenige R., dem die Oberherrschaft über mehrere Radschas zusteht; meist nur Titel.

Radschloß (deutsches Schloß), in Nürnberg 1517 erfundenes Feuergewehrschloß, dessen stählernes Zahnrad, von unten durch die Zündpfanne a (s. Fig.) greifend, um drei Viertel seines Umfanges mittels Schlüssel an der Achse b gedreht wird, wobei sich eine Kette um seine Achse windet, deren andres Ende, mit der Schlagfeder verbunden, diese spannt. Ein vor der Zündpfanne stehender Hahn c trägt in seinem Maul ein Stück Schwefelkies oder Feuerstein, das beim Umlegen des Hahns auf das Zahnrad zu liegen kommt. Durch die schnelle Drehung des Rades beim Auslösen der Schlagfeder werden von dem Feuerstein Funken losgerissen, welche die Entzündung des Zündkrauts in der Pfanne bewirken. S. Handfeuerwaffen.

^[Abb.: Radschloß.]

Radschputāna, der offizielle Name für ein großes Gebiet im nordwestlichen Teil des britisch-ind. Kaiserreichs, zwischen 23-30° nördl. Br. und 69° 30'-78° 15' östl. L. v. Gr., welches 20 unter einheimischen Fürsten stehende Staaten (s. Tabelle, S. 546) und den britischen Distrikt Adschmir-Mhairwara einschließt und als ein Aufsichtsbezirk von einem Generalagenten mit sieben Unteragenten beaufsichtigt und teilweise verwaltet wird. Die Bewohnerzahl beträgt 10,102,049; dazu kommen noch 166,343 Bhil in Mewar, Partabgarh, Dungarpur und Banswara, deren Zahl nicht durch Zählung, sondern durch Schätzung ermittelt wurde, so daß die Gesamtbevölkerung von R. die Zahl 10,268,392 erreicht. Unter sämtlichen 20 Staaten ist Tonk der einzige mohammedanische, zwei (Bhartpur und Dholpur) werden von Dschaina, die übrigen 17 von Radschputen bewohnt. Nach dem Religionsbekenntnis schied sich die Bevölkerung in 8,839,243 Hindu, 861,747 Mohammedaner, 378,672 Dschaina, 1294 Christen u. a. Nach Bodengestaltung und Klima zerfällt R. in vier Teile: 1) die unfruchtbaren Sandsteppen und Wüsten nördlich und westlich der Arawalikette, die mehr als die Hälfte des ganzen Areals bedecken, mit den Staaten Marwar, Bikanir und Dschessalmir; 2) die Gebirgsstaaten, in welche die von NO. nach SW. streichenden Arawaliberge mit 1767 m höchster Erhebung hineinreichen, ein größtenteils gut bewässerter und in den Flußthälern fruchtbarer Landstrich; 3) die Südostgruppe mit den Staaten Bundi, Kotah und Dschallawar, welche vom Hauptfluß des Landes, dem aus Zentralindien kommenden, in die Dschamna sich ergießenden Tschambal, durchströmt werden; 4) das östliche und mittlere R., von Alwar bis Karauli. Die östliche Hälfte zwischen den Arawali- im W. und den Khotribergen im O. ist ein Tafelland von durchschnittlich 450 m Höhe; zwischen den Grasplätzen und Feldern breiten sich unfruchtbare Sandflächen im Umfang bis zu 10 qkm aus. Das Klima ist trocken und heiß, aber gesünder als sonst in Indien. Doch verursacht der Mangel an Trinkwasser, das überdies sehr schlecht ist, häufig Krankheiten (Cholera). Auch sucht Hungersnot infolge von Dürre und Verwüstung durch Heuschreckenschwärme die Bevölkerung periodisch heim. Da der Regenfall ein unsicherer ist und die große Tiefe der Brunnen in den meisten Landesteilen künstliche Bewässerung verbietet, so sind die Ernten, einige fruchtbare Distrikte ausgenommen, dürftig. Dafür ist die Viehzucht desto bedeutender. In den weiten wüsten Strichen weiden große Herden von Kamelen, die beim Ackerbau vielseitig verwendet werden, von Rindern und Schafen, welche ebenso wie die sehr ausdauernden Pferde in den Nachbargebieten guten Absatz finden. Die vorhandenen Mineralschätze (Kobalt, Zink, Blei, Kupfer, Eisen, Alaun) werden sehr wenig ausgebeutet. Ungeheuer ist aber der Reichtum an Salz, welches teils aus dem Wasser des großen Sambharsees durch die britisch-indische Regierung, die den See in Pacht genommen hat, teils aus andern Salzseen und aus Brunnen gewonnen wird. Außer der Bereitung von Salz beschränkt sich die gewerbliche Thätigkeit auf sehr schöne Emailarbeiten (Dschaipur, Partabgarh), Gold- und Silberschmiedearbeiten, feines Tuch, Leder. Der Handel mit Salz, Wolle, Opium, Vieh ist bedeutend. Die Umsätze der Banken und Gelddarleiher waren aber, ehe die jetzt das ganze Land durchziehende Eisenbahn vollendet wurde, viel größer. Die wichtigste und schönste Stadt ist Dschaipur (s. d.). England unterhält mit den Fürsten Beziehungen seit 1803; während des Pindarikriegs (1818) nahmen letztere englischen Schutz an. Die Aufsichtsbeamten sorgen zunächst für Beilegung aller Thronstreitigkeiten und innern Fehden, was unter anderm durch ein aus Fürsten und englischen Beamten gebildetes Schiedsgericht erreicht wird. Außerdem überwachen sie Verwaltung und Rechts-^[folgende Seite]