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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Rafraîchisseur; Ragaz; Rage; Ragewin; Ragion; Raglan; Ragnarök; Ragnit; Ragoût; Ragoutpulver; Raguhn; Ragūsa

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Rafraîchisseur - Ragusa.

3 Bde.), eine Sammlung der Sagen des alten Nordens in dänischer Übersetzung nach alten isländischen Handschriften, und "Antiquitates americanae" (das. 1837), eine Sammlung der in altnordischen Schriften enthaltenen Nachrichten über die Entdeckungsreisen der alten Nordmänner nach Amerika vom 10. bis 14. Jahrh., von welcher einzelne Abschnitte in mehrere Sprachen übersetzt worden sind (z. B. "Die Entdeckung von Amerika im 10. Jahrhundert", deutsch von Mohnike, Strals. 1838).

Rafraîchisseur (franz., spr. -fräschißör, "Erfrischer"), s. Zerstäubungsapparate.

Ragaz, Badeort im schweizer. Kanton St. Gallen, 521 m ü. M., mit (1880) 1996 Einw., liegt vor der engen Schlucht, in welcher das Heilwasser von Pfäfers (s. d.) hervorquillt, und empfängt seit 1842 einen Teil dieser Thermen durch eine 3,75 km lange Röhrenleitung, welche dem Lauf der Tamina folgt. Früher ein Dorf von ärmlichem Aussehen, hat sich R. seitdem zu einem stattlichen Kurort emporgeschwungen, besonders seit es (über Sargans) mit Zürich und dem Bodensee (Rorschach), anderseits mit Chur durch Eisenbahnlinien verbunden ist. Die ursprünglich dem Staat gehörige "Domäne R." ging 1868 durch Verkauf in Privathände über und wurde nun für Kurzwecke von neuem erweitert und verschönert. Zu den Hauptgebäuden gehören das neue großartige Hotel "Quellenhof" (mit 200 Zimmern), das Kursaalgebäude mit Bibliothek und Konzertsaal, das neuhergestellte "Dorfbad" etc. - Geschichtliches Interesse hat R. durch einen Sieg der Schweizer über die Österreicher im März 1446. Auf dem dortigen Kirchhof steht das Grabmal des hier verstorbenen Philosophen Schelling, vom König Maximilian II. von Bayern errichtet. Vgl. Kaiser, Die Thermen von R. (5. Aufl., St. Gallen 1869).

Rage (franz., spr. rahsch), Wut, Tobsucht.

Ragewin (Radewin), Schüler und seit 1147 Notar Ottos von Freising (s. d.), aus Bayern gebürtig und wahrscheinlich in Paris vortrefflich philologisch gebildet, wovon mehrere lateinische Gedichte Zeugnis geben (vgl. W. Meyer, Ragewins Gedicht über Theophilus, Münch. 1873), lebte nach Ottos Tod eine Zeitlang am kaiserlichen Hof, war dann Propst in Freising, starb daselbst zwischen 1170 und 1177. Er setzte Ottos Chronik bis 1160 in meisterhafter Sprache und Darstellung und mit echt historischem Sinn fort. Ausgabe von Wilmans in "Monumenta Germaniae historica", Bd. 20. Vgl. Prutz, Ragewins Fortsetzung der "Gesta Friderici" (Danz. 1873); G. Jordan, Ragewins "Gesta Friderici imperatoris" (Straßb. 1881); Martens, Ein Beitrag zur Kritik Ragewins (Greifsw. 1877).

Ragion (ital. ragione, spr. radschone, v. lat. ratio), veralteter Ausdruck für Firma.

Raglan (spr. rägglen), Fitzroy James Henry Somerset, Lord, engl. Feldherr, geb. 30. Sept. 1788 als jüngster Sohn des fünften Herzogs von Beaufort, trat 1804 in ein Dragonerregiment, nahm 1807 als Kapitän im Stab Wellingtons teil an der Expedition gegen Dänemark, war dann auf der Pyrenäischen Halbinsel Adjutant des Herzogs, kämpfte in den Schlachten bei Quatrebras und Waterloo und verlor in letzterer den rechten Arm. 1816-19 britischer Gesandtschaftssekretär zu Paris, begleitete er 1822 Wellington zum Kongreß nach Verona. 1830 ward er zum Obersten, 1838 zum Generalleutnant befördert und 1852, nach dem Tod Wellingtons, als Baron R. zum Peer erhoben sowie zum Generalfeldzeugmeister (Master general of the ordnance) ernannt, welches seitdem abgeschaffte Amt er zuletzt bekleidete. Im Februar 1854 übernahm er das Kommando der nach dem Orient bestimmten Truppen, landete im September in der Krim, gewann mit Saint-Arnaud die Schlacht an der Alma, starb aber, zum Feldmarschall ernannt, 28. Juni 1855 vor Sebastopol an der Cholera. - Sein Sohn Richard Henry Fitzroy Somerset, zweiter Lord R., geb. 24. Mai 1817, war unter Derby 1858-59 u. 1866 Kammerherr der Königin und starb 4. Mai 1884 in London.

Ragnarök (nord.), s. Götterdämmerung.

Ragnit, Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Gumbinnen, an der Memel, hat 2 evang. Kirchen, ein altes Schloß, ein evang. Schullehrerseminar, eine Präparandenanstalt, eine landwirtschaftliche Lehranstalt (Lehrhof), ein Amtsgericht, Dampfschneidemühlen, Eisengießerei, Ziegeleien, Bierbrauerei, eine Obstbaumschule, Obstbau und (1885) 3746 meist evang. Einwohner. In der Nähe die Domäne Neuhof-R. mit Remontedepot, der sagenreiche Hügel Rombinus an der Memel und weiter aufwärts das seiner schönen Lage wegen vielbesuchte Dorf Obereisseln.

Ragoût (franz., spr. -guh), ein aus Fleischschnitten bereitetes Gericht mit pikanter Sauce, in welchem namentlich die französische Küche ihre Triumphe feiert. Man verarbeitet zu Ragouts alle Fleischsorten, Fisch, Gänseleber, Hummer etc., aber auch Gemüse und Pilze ohne Fleisch (macédoine). Die Füllung warmer Pasteten (vol-au-vents) und Timbalen besteht aus feinem R. R. fin wird aus Kalbsmilch, Kalbsgehirn, Zunge oder auch Fisch, mit Champignons oder Trüffeln in Muscheln gefüllt (en coquille), bereitet, mit Parmesankäse bestreut, mit Krebsbutter beträufelt und dann mit Oberhitze gebacken oder in ein Vol-au-vent gefüllt. Vgl. Sieur de la Varenne, L'école des ragouts (1730); Kutschera und Klein, Buch der Ragouts (Leipz. 1880).

Ragoutpulver, s. Curry-powder.

Raguhn, Stadt im Herzogtum Anhalt, Kreis Dessau, an der Mulde und der Linie Zerbst-Bitterfeld der Preußischen Staatsbahn, hat eine schöne Pfarrkirche, eine bedeutende Mahlmühle, Ziegeleien, Fabrikation von Drahtsieben und ätherischen Ölen und (1885) 2054 evang. Einwohner.

Ragūsa, 1) (slaw. Dubrownik) Stadt in Dalmatien, liegt an der Südseite einer ins Adriatische Meer vorspringenden Halbinsel am Fuß des Bergs Sergio und ist auf der Land- und Seeseite mit Mauern, Bastionen und fünf Forts befestigt, welche bis auf das von den Franzosen 1808-13 erbaute Fort Impérial aus dem 11.-16. Jahrh. stammen. Die Stadt hat zwei Vorstädte (Pille und Ploce) und einen kleinen, durch einen Molo geschützten Hafen. Die meisten Straßen steigen terrassenförmig auf und sind durch Stiegen miteinander verbunden. Hervorragende Gebäude sind: die 1763 aufgeführte Kathedrale, die kleine Kirche St. Blasii, die byzantinische Franziskaner- und die Dominikanerkirche (mit einer Magdalena von Tizian), das vormalige Jesuitenkloster mit daranstoßender Kirche, der ehemalige Regierungspalast, die Dogana, endlich das neue Theater. R. ist der Sitz einer Bezirkshauptmannschaft, eines Kreisgerichts, einer Handels- und Gewerbekammer, einer Finanzbezirksdirektion, eines Hafen- und Seesanitätskapitanats, eines Hauptzollamtes, eines deutschen Konsuls, eines römisch-katholischen Bischofs mit Domkapitel, hat 3 Klöster, ein Diözesanseminar, ein Obergymnasium, eine Lehrerinnenbildungsanstalt, dann eine Lehr- und Erziehungsanstalt, eine nautische Schule, ein Museum, ein Spital,