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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Rahel; Rahl; Rahm; Rahmanieh; Rahmen

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Rahel - Rahmen.

Chef des Stabes in der Armee Cabreras dem ruhmvollen Feldzug von 1839 bei. Schwerverwundet kehrte er mit dem Rang eines Brigadegenerals nach Deutschland zurück, wo er sich litterarischen Arbeiten widmete. Von 1845 bis 1849 lebte er bei der Fürstin Sagan, ergriff aber dann wieder die Waffen, erst für Schleswig, dann gegen die badischen Insurgenten. Seit 1849 lebte er auf dem gothaischen Schloß Friedenstein in der Umgebung des Herzogs von Koburg-Gotha; er starb 2. Nov. 1860 daselbst. Von seinen Schriften sind hervorzuheben: "Cabrera, Erinnerungen aus dem spanischen Bürgerkrieg" (Frankf. 1840) und "Wanderungen eines alten Soldaten" (Berl. 1846-51, 3 Bde.; Suppl.: "Miguel Gomez", 1859).

Rahel, in der Bibel die jüngste Tochter des aramäischen Herdenbesitzers Laban, welche Jakob, ihr naher Verwandter, nach zweimal siebenjährigem Dienst zur Gattin bekam (1. Mos. 29, 18 ff.). Sie wurde nach langer Unfruchtbarkeit die Mutter Josephs und Benjamins, bei dessen Geburt sie starb. Ihr angebliches Grab, ein unansehnliche Kuppelgebäude zwischen Jerusalem und Bethlehem, steht noch heute bei Juden und Mohammedanern in großer Verehrung.

Rahel, Gattin von Varnhagen von Ense (s. d.).

Rahl, Karl, Maler, Sohn des Kupferstechers Karl Heinrich R. (1779-1843), geb. 13. Aug. 1812 zu Wien, besuchte die dortige Akademie und gewann, 19 Jahre alt, einen Preis. Dann ging er nach München, Stuttgart und Ungarn und 1836 nach Italien, wo er bis 1843 blieb und namentlich nach den Venezianern und den Vertretern der römischen Schule studierte, aus welchen er sich seinen zugleich auf Größe der Auffassung und koloristische Reize gegründeten Stil bildete. Nach zweijährigem Aufenthalt in Wien führte er ein Wanderleben, während dessen er unter anderm in Holstein, Paris, Rom, Kopenhagen und München meist als Porträtmaler thätig war. Von Historienbildern gehören dieser ersten Periode an: die Auffindung von Manfreds Leiche (1836), Manfreds Einzug in Luceria (1846), die Christenverfolgung in den Katakomben (Galerie zu Hamburg, eine Wiederholung in der Nationalgalerie zu Berlin) u. a. 1850 wurde er als Professor an die Wiener Kunstakademie berufen, aber aus politischen Gründen bald wieder seiner Stellung enthoben. Er eröffnete nun eine Privatschule, welche bald eine große Ausdehnung annahm und zur Pflanzstätte der monumentalen Malerei wurde, der sich R. fortan mit großem Erfolg widmete. Im Auftrag des Barons Sina malte er die Bilder an der Fassade und im Vestibül der Kirche am Alten Fleischmarkt in Wien, ferner vier Bilder aus der griechischen Heroenzeit und die vier Elemente für den Palast des Barons. Den Heinrichshof schmückte er 1861 mit den Personifikationen der Künste des Friedens und der Kultur und den Palast Todesco mit Darstellungen aus der Parismythe. 1864 malte er im Treppenhaus des Waffenmuseums eine Reihe großartiger allegorischer Gestalten. In diese Periode gehören auch das Freskobild: Mädchen aus der Fremde, in einer Villa zu Gmunden, die Kompositionen für einen Festsaal des Schlosses in Oldenburg und für einen Cyklus aus dem Argonautenzug. In der letzten Zeit fertigte er Kartons für die Neue Oper zu Wien, die nach seinem Tod von seinen Schülern ausgeführt wurden. Er starb 9. Juli 1865. R. verband ein reiches, nach Rubens und Tizian gebildetes Kolorit mit monumentaler Haltung. Doch war seine Formenbehandlung bisweilen zu derb und überkräftig, wobei sich der Einfluß des von R. hochgeschätzten Genelli bemerklich machte. Von seinen Schülern sind Bitterlich, Eisenmenger, Lotz, Griepenkerl, Gaul u. Than zu nennen. Vgl. George-Mayer, Erinnerungen an K. R. (Wien 1882).

Rahm (Sahne, Schmant), die beim Stehen der Milch sich bildende obere fettreiche Schicht; s. Milch.

Rahmanieh, kleine Stadt in Unterägypten, am Nilarm von Rosette, von Alexandria drei Tagemärsche entfernt. Hier fand bei Bonapartes Vorrücken von Alexandria 12. Juli 1798 das erste bedeutendere Gefecht mit den Mamelucken statt, in welchem die letztern geschlagen wurden.

Rahmen, die äußere Einfassung von Bildern und Spiegeln. Bilderrahmen waren ursprünglich architektonischen Charakters und nur bei Altar- und sonstigen Kirchenbildern gebräuchlich. Sie waren teils aus Holz, teils aus Marmor, seltener aus Metall angefertigt. Ersteres wurde bemalt, erst teilweise und zuletzt ganz vergoldet, während der Marmor anfangs bemalt und vergoldet, auch mit farbigen Inkrustationen versehen und erst seit dem Ende des 16. Jahrh. allgemein weiß gehalten wurde. An gotischen Altarbildern haben sich gleichzeitige R. noch am meisten erhalten. Häufiger sind die R. aus dem 16. Jahrh., unter denen besonders derjenige zu Dürers Allerheiligenbild (nach der Zeichnung des Meisters im Germanischen Museum zu Nürnberg) hervorzuheben ist. Im 16. Jahrh. erfährt der R. auch für den profanen Gebrauch eine hohe künstlerische Ausbildung, welche den frühern architektonischen Charakter allmählich aufgibt und mehr allgemeinen dekorativen Gesetzen folgt. Die Barockkunst des 17. und die Rokokokunst des 18. Jahrh. bevorzugten ausschließlich Goldrahmen mit reichen, schweren, bis zur grenzenlosen Üppigkeit getriebenen Ornamenten in Holzschnitzerei. In den Niederlanden und in Deutschland waren um dieselbe Zeit (nach der Überlieferung des 15. Jahrh.) immer noch schwarze und braune R., bisweilen mit schmalen Goldleisten an den innern Seiten, im Gebrauch. Der Geschmack des vorigen Jahrhunderts ersetzte in öffentlichen Gemäldegalerien die ältern R. meist durch Produkte der Zeit. Vgl. Lessing, Vorbilderhefte aus dem königlichen Kunstgewerbemuseum in Berlin. R. (Berl. 1888, 4 Hefte). Der Goldrahmen ist bis auf die Gegenwart für Einrahmung von Bildern und Spiegeln herrschend geblieben und hat seit dem Aufschwung der Kunstindustrie zu Anfang der 70er Jahre eine reiche Ausbildung im Anschluß an die Muster der Renaissance, des Barock- und Rokokostils erfahren. Der Hauptsitz der deutschen Rahmenindustrie ist Berlin, welches auch das Ausland (England, Amerika, Australien) mit Bilder- und Spiegelrahmen versorgt. Neben geschnitzten R. spielen in der Massenfabrikation R., deren Ornamente aus Papiermaché, Galipot und andern Kompositionen gepreßt und auf das Holz aufgesetzt werden, eine Hauptrolle. Bei der Vorliebe für die deutsche Renaissance werden jetzt auch Bilderrahmen aus braun gebeiztem Eichenholz und schwarzem polierten Holz angefertigt. Neben Holzrahmen gibt es R. aus Bronze, Cuivre poli, gestanztem und gepreßtem Blech, Schmiede- und Gußeisen, solche, deren Holzgestell mit Seide, Atlas, Samt, Plüsch, Leder und andern Stoffen überzogen und mit allerlei Zierat (Stickereien) versehen sind. Die moderne Industrie hat sich in der Gestaltung der R. wie in der Dekoration derselben die größten Stillosigkeiten erlaubt. Venezianische und böhmische Spiegel sind meist mit R. aus geschaffenen und gravierten Glasplatten und aus farbigen und farblosen Glasblumen versehen. - Im