Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Rank; Ranke

573

Rank - Ranke.

falscher Verstauung der Ladung, wenn der Schwerpunkt des Schiffs zu hoch gelegt ist.

Rank, Joseph, Schriftsteller, geb. 10. Juli 1815 zu Friedrichsthal bei Neumark im Böhmerwald, studierte zu Wien die Rechte und widmete sich sodann ganz der Litteratur. Nach wechselnden Aufenthalt 1848 in das Frankfurter Parlament gewählt, hielt er sich zur gemäßigten Linken; in der Folge lebte er in Weimar und Nürnberg und folgte dann einer Berufung als Sekretär des Hoftheaters nach Wien, welche Stellung er 1876 mit dem Generalsekretariat des Stadttheaters und später mit dem Direktionssekretariat der Hofoper vertauschte. Zugleich trat er 1882 in die Redaktion der Wiener Zeitschrift "Die Heimat" ein. Seinem Werk "Aus dem Böhmerwald" (Leipz. 1843; erweiterte Ausg., das. 1851, 3 Bde.), wodurch er seinen Ruf begründete, folgten eine lange Reihe andrer Romane und Novellen, darunter "Geschichten armer Leute" (Stuttg. 1853); "Florian" (Leipz. 1853); "Die Freunde" (Prag 1854, 2 Bde.); "Achtspännig" (Glog. 1856, 2 Bde.); "Sage u. Leben" (Prag 1854, mit den trefflichen Erzählungen: "Behäbige Menschen" und "Klärchen, die Wirtin von Dreieichen"); "Hoferkäthchen" (Leipz. 1854); "Schön Minnele" (das. 1854); "Sein Ideal" (Zwick. 1856); "Ein Dorfbrutus" (Glog. 1861); "Von Haus zu Haus" (das. 1856); "Aus Dorf und Stadt" (das. 1860, 2 Bde.); "Aus meinen Wandertagen" (Wien 1864); "Steinnelken" (Leipz. 1867); "Burgei, oder die drei Wünsche" (das. 1865); "Im Klosterhof" (Stuttg. 1875, 2 Bde.); "Der Seelenfänger" (das. 1876); "Das Birkengräflein etc." (Leipz. 1878); "Auf Um- und Irrwegen", Lebensbilder (das. 1880). Auch im Drama ("Der Herzog von Athen", "Unter fremder Fahne", "Heidenstück" etc.) hat sich R. versucht und ein "Wörterbuch der böhmischen und deutschen Sprache" (3. Aufl., Prag 1874) herausgegeben. Seine "Ausgewählten Werke" erschienen in 14 Bänden (Glog. 1859-62).

Ranke (Cirrus), fadenförmiges einfaches oder verzweigtes Organ an den oberirdischen Teilen der stammbildenden Pflanzen, welches benachbarte Gegenstände spiralig umschlingt und so die Pflanze an ihren Umgebungen befestigt, bisweilen auch unterhalb der befestigten Stelle sich spiralförmig zusammenrollt und dadurch die Pflanze näher an die Stütze heranzieht. Die R. ist ein umgewandelter Zweig, Blatt oder Blattteil und hat daher stets die regelmäßige Stellung, welche diesen Teilen eigen ist. Zu den erstern (Stengelranken) gehört die R. des Weinstocks, desgleichen die von Passiflora, während die Ranken der Kukurbitaceen als umgewandelt Vorblätter zu deuten sind. Blattranken finden sich bei vielen Papilionaceen, wo entweder nur die Spitze des gefiederten Blattes rankenförmig wird, oder, wenn die Fiederblättchen fehlschlagen, das ganze Blatt auf eine R. reduziert ist. Als umgewandelte Nebenblätter treten die Ranken auf bei Smilax. Pflanzen mit Ranken werden kletternde genannt. Über die Bewegungen der R. s. Pflanzenbewegungen.

Ranke, 1) Leopold von, ausgezeichneter Geschichtschreiber, geb. 21. Dez. 1795 zu Wiehe in Thüringen, wurde in Schulpforta erzogen, studierte zu Halle und Berlin Theologie und Philologie und bekleidete seit 1818 die Stelle eines Oberlehrers am Gymnasium zu Frankfurt a. O., widmete sich aber schon damals auch geschichtlichen Studien und bewirkte sogleich durch die ersten Früchte derselben, die "Geschichten der romanischen und germanischen Völker von 1494 bis 1535" (Bd. 1, Berl. 1824) und die dazu gehörige Schrift "Zur Kritik neuerer Geschichtschreiber" (das. 1824; von beiden 3. Aufl., Leipz. 1885), 1825 die Berufung als Professor der Geschichte an die Universität Berlin. 1827 sandte ihn die Regierung nach Wien, Venedig, Rom und Florenz, um in den dortigen Archiven nach historischem Material zu suchen. Auf dieser vierjährigen Reise entdeckte er die von ihm erfolgreich verwerteten venezianischen Gesandtschaftsberichte. Die Resultate seiner Forschungen legte R. nieder in den Werken: "Fürsten und Völker von Südeuropa im 16. und 17. Jahrhundert" (1. Bd.: "Die Osmanen und die spanische Monarchie", Hamb. 1827, 4. Aufl. 1877); "Die serbische Revolution" (das. 1829; 3. Aufl. u. d. T.: "Serbien und die Türkei im 19. Jahrhundert", Leipz. 1879); "Über die Verschwörung gegen Venedig 1618" (Hamb. 1831) und "Vorlesungen zur Geschichte der italienischen Poesie" (das. 1837). In seiner damals begonnenen "Historisch-politischen Zeitschrift" (Bd. 1, Hamb. 1832; Bd. 2, Berl. 1833-36) suchte er durch ein auf Einsicht in die geschichtlichen Vorbedingungen des Staatslebens gebautes Programm den Liberalismus zu bekämpfen. Großen Beifall fand das erste seiner Hauptwerke, zugleich Fortsetzung der "Fürsten und Völker": "Die römischen Päpste, ihre Kirche und ihr Staat im 16. und 17. Jahrhundert" (Berl. 1834-36, 3 Bde.; 8. Aufl. 1885). Die andre Seite des europäischen Lebens im 16. und 17. Jahrh., die Gründung des Protestantismus, behandelte er in seinem zweiten Hauptwerk, der "Deutschen Geschichte im Zeitalter der Reformation" (Berl. 1839 bis 1840, Bd. 1-3; 6. Aufl., Leipz. 1880, 6 Bde.). 1841 zum Historiographen des preußischen Staats ernannt, schrieb er "Neun Bücher preußischer Geschichten" (Berl. 1847-48, 3 Bde.; neue Ausg. als "Zwölf Bücher preußischer Geschichte", Leipz. 1874, 5 Bde.). Er wandte sich darauf der französischen und englischen Geschichte zu und lieferte die "Französische Geschichte, vornehmlich im 16. und 17. Jahrhundert" (Stuttg. 1852-61, 5 Bde.; 3. Aufl. 1877-79) und "Englische Geschichte, vornehmlich im 17. Jahrhundert" (Berl. 1859 ff., 9 Bde.; 4. u. 3. Aufl. 1877-79), bei welcher er ebenfalls neueröffnete Quellen benutzte. Ferner erschienen: "Geschichte Wallensteins" (4. Aufl., Leipz. 1880); "Zur deutschen Geschichte. Vom Religionsfrieden bis zum Dreißigjährigen Krieg" (das. 1869, 3. Aufl. 1888); "Der Ursprung des Siebenjährigen Kriegs" (2. Aufl., das. 1874); "Die deutschen Mächte und der Fürstenbund" (das. 1871, 2 Bde.; 2. Aufl. 1876); "Abhandlungen und Versuche" (das. 1872, 2. Aufl. 1878; neue Sammlung 1888); "Aus dem Briefwechsel Friedrich Wilhelms IV. mit Bunsen" (das. 1873, 2. Aufl. 1874); "Ursprung und Beginn der Revolutionskriege 1791 und 1792" (das. 1875, 2. Aufl. 1879); "Zur Geschichte von Österreich und Preußen zwischen den Friedensschlüssen zu Aachen und Hubertsburg" (das. 1876); "Denkwürdigkeiten des Staatskanzlers Fürsten von Hardenberg" (das. 1877-78, 5 Bde.), woraus als Auszug erschien: "Hardenberg und die Geschichte des preußischen Staats von 1793 bis 1813" (das. 1880-81, 2 Bde.); ferner: "Friedrich d. Gr.; Friedrich Wilhelm IV. Zwei Biographien" (das. 1878); "Historisch-biographische Studien" (das. 1878); "Zur venezianischen Geschichte" (das. 1878); "Weltgeschichte" (das. 1881-88, 9 Bde.); "Zur Geschichte Deutschlands und Frankreichs im 19. Jahrhundert" (hrsg. von A. Dove, das. 1887). Eine Gesamtausgabe seiner Werke erschien seit 1868 zu Leipzig in 47 Bänden. Rankes akademische Wirksamkeit (bis 1872), die außer seinen Vorlesungen auch in historischen Übungen bestand, welche er mit den Studierenden anstellte, war eine höchst anregende und fruchtbringende. Aus