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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Rappell; Rappen; Rappenau; Rapperswyl; Rappert; Rappfink; Rappīer; Rappoldi; Rappoltstein; Rappoltsweiler

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Rappell - Rappoltsweiler.

2) Jean, Graf von, franz. General, geb. 27. April 1772 zu Kolmar, trat 1788 in ein französisches Kavallerieregiment, machte die Feldzüge am Rhein und als Adjutant Desaix' die Feldzüge in Italien und nach Ägypten mit und ward 1801 Adjutant des Ersten Konsuls. 1805 erwarb er sich bei Austerlitz den Rang eines Divisionsgenerals und befehligte 1806-1807 eine Dragonerdivision. Nachdem er kurze Zeit Kommandant zu Thorn gewesen, erhielt er nach Danzigs Fall das Kommando dieser Festung. In der Schlacht bei Aspern unternahm er in Vereinigung mit Lobau einen Bajonettangriff, der zur Sicherstellung des französischen Rückzugs viel beitrug. Er ward hierauf zum Grafen ernannt. Im Juni 1810 ward er wegen eines freimütigen Tadels über Napoleons Ehescheidung wieder nach Danzig beordert. Auf dem Rückzug aus Rußland 1812 sandte ihn Napoleon nach Danzig voraus, um den Rest der Armee neu zu organisieren, und R. verteidigte diese Festung, bis ihn Mangel an Proviant und Munition im Januar 1814 zur Kapitulation nötigte. Die Verbündeten erkannten jedoch dieselbe nicht an, und R. ward als Kriegsgefangener nach Wilna gebracht. Im Juli 1814 nach Paris zurückgekehrt, ward er von Ludwig XVIII. bei Napoleons Landung mit dem Kommando des 1. Armeekorps betraut. Der Abfall der Armee vereitelte jedoch allen Widerstand, und R. nahm hierauf von Napoleon das Kommando der Rheinarmee an, schloß aber bei Straßburg mit den Verbündeten einen Waffenstillstand ab. Der von Ludwig XVIII. ihm erteilte Befehl, die Armee zu entwaffnen, führte zu einer gefährlichen Meuterei, die R. aber durch energisches Einschreiten unterdrückte. Darauf zog er sich auf das Gut Wildenstein im Kanton Aargau zurück. 1818 von Ludwig XVIII. zum Pair und Obersthofmeister des Königs ernannt, starb er 8. Nov. 1821 auf seinem Gut Rheinweiler in Baden. 1853 wurde ihm in Kolmar eine Statue errichtet. Außer einer Beschreibung der Belagerung von Danzig hinterließ er "Mémoires" (Par. 1823; deutsch, Gotha 1824). Sein Leben beschrieb Spach in den "Biographies alsaciennes" (Nancy 1871).

Rappell (franz. rappel), Abruf, Zurückberufungsschreiben, insbesondere für Gesandte; kriegerisches Sammlungssignal ("das Ganze sammeln"); daher Rappel auch Name von Zeitschriften, besonders einer Pariser republikanischen Zeitung, von Victor Hugo u. a. 1869 gegründet.

Rappen (Centime, Centesimo), kleinste schweizer. Bronzemünze, = 1/100 Frank oder ⅘ Pf. Sie wurden zuerst im 15. Jahrh. in Freiburg geschlagen und trugen einen Rabenkopf; daher der Name.

Rappenau, Dorf im bad. Kreis Heidelberg, an der Linie Neckargemünd-Jagstfeld der Badischen Staatsbahn, hat eine evang. Kirche, ein Schloß, Maschinen- und Korsettfabrikation, eine Saline, ein Solbad mit Kinderheilanstalt Siloha ^[richtig: Siloah] und (1885) 1422 Einw.

Rapperswyl (Rapperschwyl), Landstädtchen im schweizer. Kanton St. Gallen, auf einer in den Züricher See vordringenden Landzunge, mit altem Schloß, ist eine der belebtesten Dampferstationen des Züricher Sees, der Knotenpunkt, wo die Kurse des Obersees mit denen des Hauptteils sich verknüpfen, zugleich Station der Bahnlinie Zürich-Sargans-Chur und Ausgangspunkt für den Verkehr über Etzel und Schindellegi (speziell für Einsiedeln). Diesem Verkehr diente bis 1878 eine fast 1½ km lange geländerlose Holzbrücke, deren erste Anlage in das 14. Jahrh. fällt. Gegenwärtig ist dieser Übergang durch eine Eisenbahn ersetzt, welche als eine der Zufahrten der Gotthardroute fortgesetzt werden soll. Eine Merkwürdigkeit besitzt R. in dem vom Grafen Plater gegründeten polnischen Nationalmuseum, dem seit Juli 1869 die alte Grafenburg mietweise überlassen ist. R., der Hauptort des Seebezirks, zählt (1880) 2637 Einw. In der Seegegend von R. laufen die Grenzen der Kantone Zürich, St. Gallen und Schwyz in einen Punkt zusammen, der seit 1873 durch einen 8 m hohen Obelisken, den Dreiländerstein, bezeichnet ist. - R. ist eine jüngere Gründung der Grafen von R., deren Stammschloß R. auf der linken Seeseite, auf einem Hügel bei Altendorf, stand und im alten Zürichkrieg (1350) durch die Züricher zerstört wurde. Nach dem Aussterben des Mannesstamms (1284) kam die Grafschaft an das Haus Österreich. 1450 begab sich die Stadt unter den Schutz der Kantone Uri, Schwyz, Unterwalden und Glarus und machte von da an gewissermaßen einen schutzverwandten Ort der Eidgenossenschaft aus, bis sie mit der Neugestaltung (1803) ein Teil des neugeschaffenen Kantons St. Gallen wurde. Vgl. Rickenmann, Geschichte der Stadt R. (2. Aufl., Rappersw. 1879).

Rappert (Rollpferd), in Österreich die Oberlafette der Schiffsrahmenlafetten.

Rappfink, s. Grünfink.

Rappīer, s. Rapier.

Rappoldi, Eduard, Violinspieler, geb. 21. Febr. 1839 zu Wien, Schüler von Jansa und Böhm daselbst, war von 1854 bis 1861 Mitglied der kaiserlichen Hofoper in Wien, 1861-66 Konzertmeister der Deutschen Oper in Rotterdam, 1866-71 nacheinander Opernkapellmeister in Lübeck, Stettin und Prag, ward 1871 Lehrer an der königlichen Hochschule für Musik in Berlin und 1877 königlicher Konzertmeister in Dresden. - Seine Gattin Laura, geborne Kahrer, geb. 14. Jan. 1853 zu Mistelbach bei Wien, ist eine ausgezeichnete Klavierspielerin, die auf dem Wiener Konservatorium und bei Liszt in Wien ihre Ausbildung erhielt.

Rappoltstein, ehedem eine angesehene Herrschaft im Oberelsaß. Der Stammhalter des Geschlechts war Egelolf von Urslingen, der bei dem Römerzug Friedrich Barbarossas kaiserlicher Statthalter von Spoleto gewesen und vom Bischof von Basel 1168 mit der Herrschaft R. belehnt wurde. Die Blütezeit der Herren von R. fällt ins 15. und in die erste Hälfte des 16. Jahrh. Nach dem Aussterben derselben 1673 kam die Herrschaft an die Pfalzgrafen von Birkenfeld, 1734 an die Herzöge von Zweibrücken, die sie in der französischen Revolution verloren. Der letzte Herr von R. war Maximilian Joseph, nachmaliger König von Bayern. Die Herrschaft bestand aus acht Ämtern: Bergheim, Gemar, Heiterheim (Heitern), Hohnack mit dem romantischen Val d'Orbey, Markirch, Rappoltsweiler (s. d.), Weyer im Gregorienthal, Zellenberg. Vgl. Rathgeber, Die Herrschaft R. (Straßb. 1874).

Rappoltsweiler (franz. Ribeauvillé), Kreisstadt im deutschen Bezirk Oberelsaß, am Fuß der Vogesen und am Ausgang des reizenden Strengbachthals, 5 km westlich vom Bahnhof R. der Eisenbahn Straßburg-Basel und mit diesem durch eine Straßenbahn verbunden, 185 m ü. M., hat eine evangelische und eine neu restaurierte gotische kath. Pfarrkirche, eine Synagoge, eine Realschule, ein Mutterhaus der Lehrschwestern der göttlichen Vorsehung, ein Amtsgericht, eine Oberförsterei, ansehnliche Baumwollindustrie und Kattunfabrikation, Getreide-, Öl- und Sägemühlen, Steinbrüche, vortrefflichen Weinbau und regelmäßige Weinmärkte und (1885) 5902 meist kath. Einwohner. Westlich über der Stadt die Ruinen der Schlösser