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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Raventuch; Ravesteijn; Ravignan; Ravigote; Ravin; Ravioli; Rawa; Rawalpindi; Rawi; Rawitsch; Rawlinson

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Raventuch - Rawlinson.

Gymnasium daselbst, dann das Städelsche Institut, ging 1852 nach London (zu Petermann) und erhielt 1855 eine Anstellung im topographisch-statistischen Amt des Kriegsministeriums daselbst. Bei Umgestaltung dieses Amtes trat R. 1875 ins Privatleben zurück. Er publizierte: "The Russians on the Amur" (Lond. 1861); "The laws of migration" (das. 1876); "Geographie und Statistik des britischen Reichs" (in Wappäus' "Handbuch der Geographie", Leipz. 1862); "London" (in Meyers Reisebüchern, 3. Aufl., das. 1876); "Cyprus" (1878); außerdem zahlreiche Aufsätze in Fachzeitschriften und verschiedene Karten, z. B. von Afrika (3 Blätter) und Amerika (7 Blätter) für Meyers "Handatlas" u. a.; auch die Karten im Londoner "Geographical Magazine". 1883 vollendete er das grundlegende Kartenwerk "A map of Eastern Equatorial Africa" in 25 Blättern und arbeitet jetzt an der entsprechenden Karte von Westafrika. - Sein jüngerer Bruder, Ludwig, ebenfalls Kartograph, Besitzer einer kartographischen Anstalt in Frankfurt a. M., hat sich besonders durch eine vom Bibliographischen Institut veröffentlichte "Karte von Deutschland" in 12 Blättern (1:850,000) und die "Karte der Ostalpen" in 9 Blättern (1:250,000) bekannt gemacht.

Raventuch, leichtes Segeltuch, z. B. für Bramsegel.

Ravesteijn, Jan van, holländ. Maler, geboren zwischen 1570 und 1580 im Haag, wurde 1615 in die dortige Lukasgilde aufgenommen und starb im Juni 1657 daselbst. Er hat sowohl Einzelporträte als Gruppenbildnisse (Schützenstücke, Magistratspersonen etc.) gemalt, die sich durch klare, aber etwas rötliche Färbung und energische Charakteristik auszeichnen. Seine Hauptwerke sind: ein Schützenstück und zwei Magistratsbilder im Haag und das Bildnis seiner Familie in Braunschweig.

Ravignan (spr. rawinjáng), Gustave François Xavier Delacroix de, berühmter franz. Kanzelredner, geb. 2. Dez. 1795 zu Bayonne, war seit 1816 Auditor am königlichen Obergericht, trat aber zur Theologie über und ging zu den Jesuiten in Montrouge, ward hier zum Priester geweiht und zum Professor der Dogmatik ernannt. Seinen Ruhm begründete er seit 1837 als Prediger an Notre Dame zu Paris. Er starb 26. Febr. 1858 daselbst. Unter seinen Schriften sind hervorzuheben: "De l'existence et de l'institut des Jésuites" (7. Aufl., Par. 1855; mehrfach deutsch); "Clément XIII et Clément XIV" (2. Aufl. 1856, 2 Bde.; deutsch, Münst. 1855); "Conférences prêchées à Notre-Dame de Paris" (2. Aufl. 1867, 4 Bde.); "Entretiens spirituels" (2 Tle., zuletzt 1867 u. 1871). Seine Biographie schrieb Poujoulat (2. Aufl. 1862).

Ravigote (franz., spr. -wigott), eine kalte, pikante grüne Sauce, aus Essig, Öl, Pfeffer, Estragon, Kerbel, Petersilie, Pimpernelle, Schnittlauch, Brunnenkresse, Schalotten, Eidotter und Coulis (eingedampfte, gewürzige Fleischbrühe) bereitet.

Ravin (franz., spr. rawäng), Schlucht, Hohlweg.

Ravioli (ital.), mit Geflügel- oder Fischfarce gefülltes Gebäck aus Nudelteig, welches in klaren Fleischbrühsuppen genossen wird.

Rawa, 1) Kreisstadt im russisch-poln. Gouvernement Petrokow, an der Rawka, hat verfallene Festungswerke, ein altes Schloß und (1885) 6560 Einw. R. war einst Hauptstadt der masovischen Herzöge von Plozk, dann der großpolnischen Woiwodschaft. - 2) (R. ruska) Stadt in Galizien, an der Rata, Kreuzungspunkt der Eisenbahnen Jaroslau-Sokal und Lemberg-Belzec, Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichts, hat ein Reformatenkloster und (1880) 6018 Einw. (Ruthenen und 3878 Juden).

Rawalpindi, Distriktshauptstadt in der britisch-ind. Provinz Pandschab, am Fluß Leh und an der Eisenbahnlinie Lahor-Peschawar, mit (1881) 52,975 Einw. inkl. einer starken Garnison von 6 Regimentern Infanterie und Kavallerie nebst 5 Batterien. Die ganz neue Stadt hat einige hübsche Verwaltungsgebäude, großen öffentlichen Park, große Markthalle, Modellschule, ein Fort mit Arsenal und treibt ansehnlichen Handel mit Kaschmir.

Rawi (Ravi, bei den Alten Hydraotes), einer der fünf Ströme des Pandschab, entspringt auf dem Südwestabhang des Himalaja, in dem kleinen Tributärstaat Tschamba, fließt südöstlich an Lahor vorüber, wo er bereits schiffbar ist, und mündet nach einem Laufe von 724 km bei Fazilschah, nordöstlich von Multan, in den Tschenab. Die linke Seite des Flusses begleitet der 594 km lange, 1849 begonnene, 1871 mit einem Aufwand von 25 Mill. Mk. vollendete schiffbare Bari-Duabkanal.

Rawitsch (Rawicz), Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Posen, an der Linie Breslau-Posen der Preußischen Staatsbahn, 97 m ü. M., hat eine schöne evangelische und eine kath. Kirche, eine Synagoge, ein Realgymnasium, ein Schullehrerseminar, eine Strafanstalt, ein Amtsgericht, eine Reichsbanknebenstelle, Zigarren-, Schnupftabak-, Maschinen-, Möbel- und Holzbereitungsfabrikation, Roßhaarspinnerei, Bierbrauerei, eine Dampfsäge- und eine Dampfölmühle, Gerberei, lebhaften Getreide-, Woll- und Produktenhandel und (1885) mit der Garnison (2 Infanteriebat. Nr. 50) 12,919 meist evang. Einwohner (1059 Juden). R. ward erst 1632 angelegt.

Rawlinson (spr. rahlins'n), 1) Sir Henry Creswicke, berühmter engl. Archäolog, geb. 1810 zu Chadlington in Oxfordshire, erhielt seine Erziehung zu Ealing in Middlesex, trat 1826 in den Militärdienst der Englisch-Ostindischen Kompanie und 1833 als Major in persischen Kriegsdienst, ward 1840 zum politischen Agenten zu Kandahar in Afghanistan, 1843 zum Agenten in Arabien, 1844 zum britischen Konsul in Bagdad berufen und in dieser Eigenschaft 1851 zum Generalkonsul und Oberstleutnant ernannt. R. benutzte diese Stellung zu archäologischen Forschungen und erwarb sich zunächst ein großes Verdienst durch die mit Lebensgefahr verbundene genaue Kopierung der hoch oben an einem isolierten Felsen angebrachten Keilinschrift von Bisutun (Behistan) in Persien. Ohne die inzwischen in Deutschland gemachten Fortschritte in der Keilschriftentzifferung zu kennen, bestimmte er den Lautwert der altpersischen Keilzeichen bis auf ein Zeichen genau so wie Lassen in Bonn; nicht minder bedeutend war das historische Ergebnis seiner Forschungen, da sich die Inschrift von Bisutun als ein ausführlicher Bericht des Königs Dareios über seine ersten Unternehmungen und Feldzüge zu erkennen gab. Ein noch größeres Feld für seine Thätigkeit fand aber R. auf den Trümmerfeldern von Ninive und Babylon, wo er eine außerordentlich große Anzahl assyrisch-babylonische Keilinschriften entdeckte und in Gemeinschaft mit andern englischen Archäologen entzifferte. 1856 nach England zurückgekehrt, ward er hier von Reigate ins Parlament gesandt und gleichzeitig zum Rate der Ostindischen Kompanie erwählt, welche Stellung er auch bei der Neuorganisation der indischen Verwaltung 1858, nun im Namen der Krone, behielt. 1859 erhielt er die Stelle eines britischen Gesandten am Hof zu Teheran, legte dieselbe aber schon 1860 wieder nieder. Von