Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

640

Reduktion - Redwitz.

Kern sie bilden (Kernwerk; s. Festung, S. 182 f.). Sie sind besonders der neupreußischen Befestigung eigen, wo sie in der Kehle der Forts liegen; da sie aber durch die neuern Geschütze schon zerstört werden können, werden sie jetzt nicht mehr gebaut.

Reduktion (lat., "Zurückführung"), in der Chemie ein Prozeß, durch welchen aus Sauerstoff-, Chlor-, Brom-, Jod-, Schwefelverbindungen etc. der Sauerstoff, das Chlor, Brom, Jod oder der Schwefel ganz oder zum Teil von dem andern Bestandteil der Verbindung getrennt wird. Die R. der Sauerstoffverbindungen, besonders die unvollständige, heißt auch Desoxydation. Am häufigsten (auch in der Praxis) reduziert man Metalloxyde, und aus oxydischen Erzen werden die Metalle in den Hüttenprozessen durch R. gewonnen. Die Oxyde der edlen Metalle, wie Silber, Palladium, Iridium, Gold und Platin, werden schon durch hohe Temperaturen zerlegt; sehr kräftig wirkt die galvanische Säule, unter deren Einfluß selbst Kaliumoxyd reduziert wird. Licht, besonders das blaue, reduziert Gold- und Silberoxyde unter Abscheidung von regulinischem Metall. Als reduzierende Mittel werden solche Elemente oder Verbindungen angewandt, welche große Neigung besitzen, sich mit Sauerstoff, Chlor, Brom, Jod, Schwefel etc. zu verbinden, und am häufigsten benutzt man bei Sauerstoffverbindungen Kohle und Wasserstoff, weil die Produkte, welche sie mit Sauerstoff bilden, gasförmig sind und deshalb nicht bei den reduzieren Körpern zurückbleiben. Die Kohle wird beim Erhitzen mit den Metalloxyde je nach der Leichtigkeit, mit welcher diese den Sauerstoff abgeben, in Kohlenoxyd oder Kohlensäure verwandelt, und der Wasserstoff verbindet sich mit dem Sauerstoff der Oxyde zu Wasser. Statt des Wasserstoffs kann man bei hoher Temperatur auch Kohlenwasserstoff anwenden und statt der Kohle organische Substanzen, wie Mehl, Harz, Cremor tartari, welche beim Erhitzen verkohlen und dann durch die Kohle reduzierend wirken. Zahlreiche Metallverbindungen kann man reduzieren durch Metalle, die zu den elektronegativen Bestandteilen der Verbindungen größere Verwandtschaft haben (Kupfer fällt aus Silbersalzen Silber, Eisen aus Kupfersalzen Kupfer). Ein sehr brauchbares Reduktionsmittel ist Zinkstaub, und am kräftigsten reduziert Kalium. Manche Metallverbindungen werden durch ihr eignes Metall reduziert, z. B. Zinnchlorür durch Zinn, Kupfernitrat durch Kupfer. Ammoniak reduziert Metalloxyde häufig wie Wasserstoff; auch Chlorverbindungen werden durch Ammoniak reduziert, und häufig benutzt man Salmiak als Reduktionsmittel. Sehr kräftige Reduktionsmittel sind Eisenvitriol, Zinnchlorür, phosphorige und schweflige Säure, Kohlenoxyd. Cyankalium wirkt in der Hitze ungemein kräftig reduzierend, indem es mit den meisten Sauerstoffverbindungen cyansaures Kali, mit Schwefelmetallen Schwefelcyankalium bildet. Schwefelsäuresalze werden beim Erhitzen mit Kohle zu Schwefelmetallen reduziert, aber letztere sind durch Kohle nicht reduzierbar. - Im Münz-, Maß- und Gewichtswesen heißt R. der Ausdruck einer nach einem Maß gemessenen Größe in einem andern Maß, zu welchem Behuf es Reduktionstabellen, Reduktionsmaßstäbe etc. gibt. In der Mathematik ist R. Verkleinerung nach Maßgabe eines bestimmten Verhältnisses und allgemeiner s. v. w. Verengerung, Einschränkung.

Reduktionsventil, s. Druckregulatoren.

Redundanz (lat.), Überfülle, besonders an Worten.

Reduplikation (lat., Doppelung), Wiederholung eines Wortes oder einer Silbe, um dadurch gewisse formelle Beziehungen zum Ausdruck zu bringen. Im allgemeinen drückt die R. den Begriff der Verstärkung aus, z. B. in "rasch, rasch!" und dergleichen Ausdrücken, an denen vornehmlich die Sprache der Kinder reich ist. In niedriger stehenden Sprachen, namentlich den afrikanischen, spielt die R. auch in der Grammatik eine große Rolle; so drückt sie im Buschmännischen die Mehrzahl aus, indem z. B. ku "Arm", kukun "Arme" bedeutet. Manche Überreste der R., wobei aber in der Regel nur noch eine Silbe oder ein Teil einer Silbe wiederholt wird, haben sich auch in der Formenbildung der indogermanischen Sprachen erhalten; so wird das Perfekt der Verba im Sanskrit und im Griechischen, teilweise auch im Lateinischen und Gotischen durch R. gebildet. Vgl. Pott, Doppelung, als eins der wichtigsten Bildungsmittel der Sprache etc. (Detm. 1862).

Redutkalé, stark befestigter Flecken im russisch-kaukas. Gouvernement Kutaïs, an der Mündung des Chopi in das Schwarze Meer, mit schlechtem Hafen und ungesund wegen der herrschenden Fieber; wurde im Mai 1854 von den Engländern unter Admiral Lyons genommen, 1855 von den Türken und im August 1856 wieder von den Russen besetzt. R. war früher Hauptstapelplatz des Handels mit tscherkessischen Mädchen nach der Türkei.

Reduvia (lat.), Neid-, Nietnagel.

Reduvini (Schreitwanzen), Familie aus der Ordnung der Halbflügler, s. Wanzen.

Reduzieren (lat.), zurückführen, einschränken etc. (s. Reduktion); reduziert, vulgär s. v. w. herunter-, zurückgekommen, ärmlich (aussehend).

Redwing, Stadt im nordamerikan. Staat Minnesota, Grafschaft Goodhue, am obern Ende der als Pepinsee bekannten Verbreiterung des Mississippi, hat lebhaften Getreidehandel und (1885) 6870 Einw.

Redwitz (Markt-R.), Flecken im bayr. Regierungsbezirk Oberfranken, Bezirksamt Wunsiedel, an der Kössein, Knotenpunkt der Linien München-Oberkotzau und Nürnberg-Eger der Bayrischen Staatsbahn, hat eine evangelische und eine kath. Kirche, Woll-, Baumwoll- und Leinweberei, eine chemische Fabrik, Glas-, Metallwaren- und Maschinenfabrikation, Eisengießerei, einen Kupferhammer, Leimsiederei und (1885) 2354 Einw.

Redwitz, Oskar, Freiherr von, Dichter, geb. 23. Juni 1823 zu Lichtenau bei Ansbach, siedelte in früher Jugend mit seinen Eltern nach Kaiserslautern über, wohin sein Vater als Direktor des Zentralgefängnisses berufen ward, besuchte die Gymnasien zu Zweibrücken und Speier, dann das französische Collège zu Weißenburg im Elsaß und widmete sich seit 1841 mit Ausnahme eines Semesters, das er zu Erlangen verbrachte, fünf Jahre hindurch zu München philosophischen und juristischen Studien, worauf er sich von 1846 bis 1848 in Speier und Kaiserslautern auf die juristische und administrative Praxis vorbereitete. Obwohl er die Staatsprüfung rühmlich bestand, gab er doch die juristische Laufbahn auf, um sich litterarischen und schönwissenschaftlichen Studien zu widmen. Von 1850 bis 1851 beschäftigte er sich zu München und Bonn mit der mittelhochdeutschen und klassischen Litteratur. Im Herbste des letzten Jahrs folgte er einem Ruf als außerordentlicher Professor der Ästhetik nach Wien. Er las hier im Sommer 1852 über griechische Tragödie (besonders über "Antigone"), gab jedoch seine Professur wieder auf, um sich in unabhängiger Stellung der poetischen Produktion zu widmen, lebte sodann meist auf dem Landgut