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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Reimar; Reimarus; Reimchroniken; Reimer

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Reimar - Reimer.

der Mittelreim in der Mitte zweier Langzeilen, z. B.:

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Nun ist's dem alten Recken ein lieber Zeitvertreib,

Zu waschen und zu strecken den narbenvollen Leib. (Uhland);

der Binnenreim innerhalb einer einzelnen Verszeile, z. B.:

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Durch Korn und Dorn, durch Heid' und Stoppel (Bürger);

der Kettenreim, wenn sich das Endwort eines Verses mit der Mitte des folgenden reimt, z. B.:

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Wenn langsam Welle sich an Welle schließet,

Im breiten Bette fließet still das Leben. (F. v. Schlegel);

das Reimecho, wenn das mit dem Ende des Verses reimende Echo erfolgt; z. B.:

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Hier bin ich einsam, keiner hört die Klage? - Klage!

Wie lang harr' ich umsonst, daß mir es tage? - Tage.

Wem liegt wohl dran, mein Leben zu verschönen? - Schönen.

So wird das holde Glück mich endlich krönen? - Krönen. (A. W. v. Schlegel.)

Eine komische Wirkung sucht man durch den R. mit einem gebrochenen Wort zu erzielen, z. B.:

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Wenn du ein Konversations-

Lexikon brauchst statt Postillions. (Rückert.)

Über den Kehrreim s. Refrain. - Der R. entstand in der Poesie wie von selbst aus einem fast instinktartigen Bestreben, den innern Trieb nach Begrenzung auch äußerlich und zwar zunächst für das Ohr darzustellen, wie man denn schon bei Kindern die Neigung findet, gleichklingende Wörter miteinander zu verbinden. Er findet sich bereits bei den alten Indern, vereinzelt bei Griechen und Römern und bot den romanischen Völkern im Anfang des Mittelalters gewissermaßen einen Ersatz für das immer mehr absterbende Gefühl der sprachlichen Quantität. Die römische Geistlichkeit pflegte ihn als ein auf christlichem Boden erwachsenes Element im Gegensatz zu der reimlosen Poesie des Altertums und verschaffte ihm in allen christlichen Litteraturen Eingang. So findet er sich bei den Angelsachsen schon im 6. Jahrh., in der Edda der nordischen Germanen im 8. Jahrh. und in Deutschland zuerst in Otfrids "Krist" (868), wo er seitdem den altheidnischen Stabreim oder die Allitteration verdrängte. Überall aber erscheint der R. zuerst als unmittelbar gebunden (rimes plates) und als stumpfer oder männlicher, und erst mit der Ausbildung der Kunstpoesie wurden auch die weiblichen und gleitenden Reime sowie die verschiedenen Gattungen der verschränkten Reime (rimes croisées) eingeführt. Durch die höfische Kunstlyrik, namentlich durch die der Troubadoure, und später die deutschen Meistersänger kamen neben den einreimigen Tiraden und den Reimpaaren der Volkslieder die künstlich verschlungenen, genau gebundenen Reimsysteme in die Poesie, und je mehr die Poesie selbst in Verfall kam, um so größern Wert legte man auf die gesucht schweren Reime; es entstanden die Binnen- und Mittelreime (versus leonini), die reichen Reime etc. und die Reimspiele. Zur Erleichterung des Aufsuchens von Reimen entstanden Reimlexika, Zusammenstellungen aller in einem Sprachschatz enthaltenen Reimendungen, von denen wir, von ältern Versuchen absehend, nur das "Allgemeine deutsche Reimlexikon" von Peregrinus Syntax (Ferd. Hempel, Leipz. 1826, 2 Bde.) anführen. Vgl. Poggel, Grundzüge einer Theorie des Reims (Hamm 1834); W. Grimm, Zur Geschichte des Reims (Berl. 1851).

Reimar, Freimund, Pseudonym des Dichters Friedrich Rückert (s. d.).

Reimarus, Hermann Samuel, Popularphilosoph, geb. 22. Dez. 1694 zu Hamburg, studierte in Jena Theologie, ward 1723 als Rektor nach Wismar und 1728 als Lehrer der orientalischen Sprachen an das Gymnasium illustre seiner Vaterstadt berufen, wo er 1. März 1768 starb. R., ein Anhänger der Wolfschen Schule, ist durch seine Verdienste um die natürliche Theologie, die er als Physikoteleologie behandelte, sowie durch seine "Schutzschrift für die vernünftigen Verehrer Gottes", die berühmten (Wolfenbütteler) "Fragmente eines Ungenannten", welche Lessings klassische Streitschriften gegen Goeze hervorgerufen haben und die bis heute noch nicht vollständig gedruckt sind, bedeutend geworden. Das Original des ganzen Werkes findet sich in der Hamburger Stadtbibliothek; das Wesentlichste des Inhalts hat David Fr. Strauß in seinem Buch "Hermann Samuel R. und seine Schutzschrift etc." (2. Aufl., Bonn 1878) herausgegeben. Von den sonstigen Schriften des R. sind auszuzeichnen die "Abhandlungen von den vornehmsten Wahrheiten der natürlichen Religion" (Hamb. 1755) und die "Allgemeinen Betrachtungen über die Triebe der Tiere" (das. 1760).

Reimchroniken, eine Art historischer Gedichte, welche gewöhnlich einen längern Zeitraum der Geschichte darstellen. Sie haben weniger poetischen als historischen Wert, da die Verfasser derselben oft Quellen zu benutzen vermochten, die nicht mehr zugänglich sind, auch vieles, was ihre Zeit betrifft, aus lebendiger persönlicher Erfahrung geben konnten. Zu den ältesten dieser Werke, soweit sie bekannt sind, gehören die gegen Ende des 13. Jahrh. verfaßte "Livländische Reimchronik" (hrsg. von Fr. Pfeifer, Stuttg. 1844; von Leo Meyer, Paderb. 1876; vgl. Wachsmuth, Über die Quellen und den Verfasser der livländischen Reimchronik, Mitau 1878); die "Reimchronik der Stadt Köln" von Gottfr. Hagen (13. Jahrh., hrsg. von Groote, Köln 1834); die "Österreichische Reimchronik" von Ottokar von Steier (früher Ottokar von Horneck genannt), die Jahre 1250-1309 umfassend (hrsg. von Pez in "Scriptores rerum austriacarum", Bd. 3). Andre sind: die "Deutschordenschronik" des Nikolaus von Jeroschin (Mitte des 14. Jahrh. nach der lateinischen Chronik des Peter von Dusburg verfaßt; im Auszug hrsg. von Fr. Pfeifer, Stuttg. 1854; vollständig von Strehlke in "Scriptores rerum prussicarum", Bd. 1, Leipz. 1861); die "Mecklenburgische Reimchronik" des Ernst von Kirchberg (1378 verfaßt; gedruckt in Westphals "Monumenta inedita", Bd. 4); die "Reimchronik" des Wigand von Marburg (bis 1394; gedruckt in den "Scriptores rerum prussicarum", Bd. 2, Leipz. 1863); die "Appenzeller Reimchronik" (um 1400; hrsg. von Ildefons v. Arx, St. Gallen 1830); ferner die "Holsteinische Reimchronik", die Chroniken der Städte Gandersheim, Braunschweig, Goslar, Neuß u. a.

Reimer, Georg Andreas, Buchhändler, geb. 27. Aug. 1776 zu Greifswald, übernahm 1800 die 1750 gegründete Realschulbuchhandlung zu Berlin, die er durch zahlreiche wichtige Unternehmungen, sowohl auf dem Gebiet der schönen als der wissenschaftlichen Litteratur, zu einer der ersten Buchhandlungen Deutschlands erhob. In den Jahren 1805-13 bethätigte er sich hervorragend als warmherziger Patriot und folgte im letztern Jahr dem Aufruf des Königs in den Befreiungskampf gegen Frankreich. Sein Haus war ein Verkehrsmittelpunkt von Männern wie Fichte, Arndt, Schleiermacher, Niebuhr und Peter Cornelius. 1819 begann er sein Berliner Geschäft, das er auch durch eine Druckerei erweiterte, nach seinem Namen zu firmieren und erwarb 1822 die berühmte Weidmannsche Buchhandlung in Leipzig, deren Leitung er 1830 seinem ältesten Sohn, Karl August R., und seinem Schwiegersohn Salomon Hirzel (s. d. 2) übergab. Er starb 26. April 1842,