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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Reimser Evangelienbuch; Rein; Reinaud; Reinbeck; Reinbold; Reinbot von Turn; Reindel

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Reimser Evangelienbuch - Reindel.

ein. Seitdem wurden die französischen Könige in R. gekrönt (s. oben). 813 (von Karl d. Gr.) und 1049 (von Papst Leo IX.) wurden hier Konzile gehalten. 1421 wurde R. von den Engländern, 1429 von Jeanne d'Arc erobert. Am 13. März 1814 fand bei R. ein Gefecht zwischen den Russen unter Saint-Priest (welcher blieb) und den Franzosen statt, worin letztere Sieger waren. Im deutsch-französischen Krieg ward R. als wichtiger Eisenbahnknotenpunkt im September 1870 von den Deutschen besetzt und Sitz des Generalgouvernements R., zu welchem sämtliche nicht zum Generalgouvernement Elsaß-Lothringen gehörige deutscherseits besetzte Departements gehörten. Vgl. Marlot (gest. 1667), Histoire de R. (Reims 1843-45, 3 Bde.); Galeron, Journal historique de R. (das. 1854, 2 Bde.); Justinus (Baron J. Taylor), R., la ville des sacres (das. 1860).

Reimser Evangelienbuch, alte Pergamenthandschrift der Evangelien in slawischer Übersetzung (teils in cyrillischer, teils in glagolitischer Schrift), die seit 1574 in der Kathedrale von Reims als ein Geschenk des Kardinals Karl von Lothringen aufbewahrt wurde und daselbst als vermeintlich orientalische Handschrift bei der Krönung der französischen Könige eine Rolle spielte, insofern dieselben den Eid auf sie ablegen mußten. Erst Peter d. Gr. bei seiner Anwesenheit in Reims 1717 erkannte das Werk als slawisches Schriftstück. In der französischen Revolution wurde der prächtige, mit Edelsteinen geschmückte Band zerstört und seiner Kostbarkeiten beraubt; die noch vorhandenen Bruchstücke befinden sich jetzt auf der Stadtbibliothek in Reims und wurden von Silvestre faksimiliert und mit einer historischen Einleitung von Kopitar herausgegeben (Par. 1843). Hiernach stammt die Handschrift aus dem 1347 gegründeten Emauskloster zu Prag, fiel in der Folge den Hussiten in die Hände und gelangte schließlich nach Konstantinopel, wo sie Karl von Lothringen käuflich erwarb.

Rein, Johannes Justus, Geograph, geb. 27. Jan. 1835 zu Raunheim a. M., studierte in Gießen Mathematik und Naturwissenschaften, war 1858-1860 Lehrer am Gymnasium zu Reval und wurde, nachdem er Finnland und Skandinavien bereist, zwei Jahre auf den Bermudas geweilt und von da aus die Oststaaten der Union wie auch Neubraunschweig und Neuschottland besucht hatte, 1864 Lehrer an der Gewerbeschule, 1869 an der Musterschule in Frankfurt a. M. und zweimal Direktor der Senckenbergschen naturwissenschaftlichen Gesellschaft daselbst. Er reiste 1872 mit K. v. Fritsch nach den Kanarischen Inseln und ins Atlasgebiet und wurde 1873 von der preußischen Regierung nach Japan geschickt, um daselbst zwei Jahre die industriellen und Handelsverhältnisse zu studieren. Er bereiste, die entferntern Inseln ausgenommen, das ganze Reich, zunächst die Insel Nippon, dann Kiusiu und Amakusa, und bestieg auch 1874 den Vulkan Fujinoyama. 1876 wurde R. Professor der Geographie an der Universität Marburg, von wo er 1883 in gleicher Eigenschaft nach Bonn berufen wurde. Er schrieb: "Der Nakasendo in Japan" (Ergänzungshefte zu "Petermanns Mitteilungen", Nr. 59, Gotha 1880); "Japan, nach Reisen und Studien dargestellt" (Leipz. 1881-86, 2 Bde.).

Reinaud (spr. räno), Joseph Toussaint, franz. Orientalist, geb. 4. Dez. 1795, widmete sich namentlich dem Studium des Arabischen, Persischen und Türkischen, ward 1824 im Kabinett der orientalischen Handschriften der königlichen Bibliothek angestellt, 1832 Mitglied der Akademie der Inschriften und 1838 Professor des Arabischen an der École spéciale des langues orientales. Seine Hauptwerke, auf Geschichte und Altertumskunde des mohammedanischen Orients bezüglich, sind: "Monuments arabes, persans et turcs du cabinet de M. le duc de Blacas" (Par. 1828, 2 Bde.), ein für die Entzifferung der Inschriften auf geschnittenen Steinen etc. des Orients epochemachendes Werk; "Extraits des historiens arabes relatifs aux guerres des croisades" (das. 1829); "Roman de Mahomet" und "Livre de la loi au Sarrazin" (mit F. Michel, das. 1831); "Invasions des Sarrasins en France etc." (das. 1836); "Fragments arabes et persans, relatifs à l'Inde" (das. 1845); "Relation des voyages faits par les Arabes et les Persans dans l'Inde et à la Chine dans le XII. siècle" (das. 1846, 2 Bde.) u. a. Auch besorgte R. Ausgaben der Geographie des Abulfeda (mit Slane, Par. 1837-48, 3 Tle.) und des Hariri (2. Aufl., das. 1847-53, 4 Bde.). 1854 ward er zum Konservator der orientalischen Manuskripte in der kaiserlichen Bibliothek ernannt und betrieb nun eifrig die Herstellung der lange vorbereiteten Handschriftenkataloge. Zugleich schrieb er Artikel für die "Nouvelle biographie générale" (z. B. über Mohammed, separat 1860) und eine Anzahl historisch-geographischer Schriften und Aufsätze, z. B. "Relations politiques et commerciales de l'empire romain avec l'Asie orientale" (1863) u. a. Er starb 14. Mai 1867.

Reinbeck (Reinbek), Dorf in der preuß. Provinz Schleswig-Holstein, Kreis Stormarn, an der Bille und der Linie Wittenberge-Hamburg der Preußischen Staatsbahn, hat ein Schloß (ehemals Cistercienser-Nonnenkloster, jetzt Hotel), eine Wasserheilanstalt (Sophienbad), ein katholisches Krankenhaus und (1885) 1165 meist evang. Einwohner. In der schönen Umgegend viele Landhäuser der Hamburger.

Reinbold, Adelheid, unter dem Namen Franz Berthold bekannte Schriftstellerin, geb. 1802 zu Hannover, war Erzieherin im Haus des Bankiers Pereira zu Wien, ging dann nach Dresden, um sich ausschließlich litterarischer Beschäftigung zu widmen, und fand an Tieck einen warmen Gönner und Förderer. Ihre in der "Urania" für 1830 erschienene Novelle "Irrwisch-Fritze" erfreute sich großen Beifalls und verschaffte ihren andern Arbeiten ("Novellen und Erzählungen", eingeführt von L. Tieck; Bunzl. 1836-37, 2 Bde.) rasch Beachtung. Inmitten regen Schaffens starb sie plötzlich 14. Febr. 1839 in Dresden. Nach ihrem Tod erschienen, ebenfalls von Tieck herausgegeben, der trefflich angelegte historische Roman "König Sebastian" (Leipz. 1839, 2 Bde.) und "Gesammelte Novellen" (das. 1842, 2 Bde.).

Reinbot von Turn (Dorne, Durne), mittelhochdeutscher Dichter aus der Schule Wolframs von Eschenbach, ein Bayer von Geburt, vermutlich nach dem Schloß Thurn in Oberfranken zubenannt, verfaßte auf Veranlassung des Herzogs Otto des Erlauchten von Bayern (1231-53), wahrscheinlich nach französischer Quelle, ein geistliches Rittergedicht vom heil. Georg mit eingeflochtenen, schwungvollen Gebeten, auch sonst nicht ohne anmutige Stellen, aber durch die krasse Schilderung der Martern abstoßend. Wir besitzen dasselbe in einer jüngern, dem Niederdeutschen sich zuneigenden Handschrift vom Jahr 1446, welche, früher im Besitz Mösers, von v. d. Hagen im 1. Bande der "Gedichte des deutschen Mittelalters" (Berl. 1808) herausgegeben wurde. Eine kritische Ausgabe bereitet Vetter vor.

Reindel, Albert, Kupferstecher, geb. 25. Juli 1784 zu Nürnberg, ward 1798 Schüler Heinrich Guttenbergs, dem er 1803 nach Paris folgte, wo er sich im