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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Reisen - Reiß.

die Welt angeregt, kleinere Schülergesellschaften zur Erlernung fremder Sprachen sind von dort bereits mehrfach in fremde Länder geschickt worden. Zur Vorbereitung für die Reise und Führung bei derselben dienen die Reisebücher, deren erste lateinisch und deutsch erschienen, und von denen namentlich zu nennen sind: "Reisbüchlein" von G. Pictorius (3. Aufl. 1565); "Instructions and directions for farren travell by Howell" (Lond. 1650); "M. Zeilleri getrewer Reisgefert" (Ulm 1666); "Unentbehrlicher dreifacher Leitstern der Reisenden" (Leipz. 1724); Schlözer, "Entwurf zu einem Reisecollegio" (Götting. 1777); Reichards "Guide des voyageurs en Europe" (Wien 1793, auch deutsch als "Passagier und Tourist" in vielen Auflagen erschienen); speziell für die Schweiz berechnet: Ebel, "Anleitung, die Schweiz zu bereisen" (Zürich 1804-1805, 4 Bde.); vgl. Peyer, Geschichte des Reisens in der Schweiz (Basel 1884); Schwarz, Die Erschließung der Gebirge bis auf Saussure (Leipz. 1885). Nach dem Vorbild der englischen Railway Library werden zur Unterhaltung der Reisenden auch in Deutschland Reisebibliotheken herausgegeben. Die besten Reisehandbücher sind in Deutschland die von Bädeker und Meyer, in England von Murray, in Frankreich von Joanne; dem Eisenbahn-, Dampfschiff- und Postverkehr dienen das "Kursbuch des Reichspostamtes" und Hendschels "Telegraph" (Frankf.). Vgl. Georg, Die Reiselitteratur Deutschlands (Leipz. 1872); Michelis, Reiseschule (3. Aufl., das. 1876).

Reisen (Rydzyna), Stadt im preuß. Regierungsbezirk Posen, Kreis Lissa, an der Linie Breslau-Posen der preußischen Staatsbahn, dem Fürsten Sulkowski gehörig, hat eine evangelische und eine kath. Kirche, eine Synagoge, ein ehemaliges Piaristenkloster, ein Schloß mit Park und Orangerie, Zigarrenfabrikation und (1885) 1202 Einw.

Reiseroute (Zwangspaß), s. Paß.

Reiseunfallversicherung, s. Unfallversicherung.

Reisglas, s. Alabasterglas.

Reisig, Karl, namhafter Philolog, geb. 17. Nov. 1792 zu Weißensee in Thüringen, gebildet zu Roßleben, studierte seit 1809 in Leipzig und Göttingen, machte die Freiheitskriege mit, habilitierte sich 1818 in Jena, wurde 1820 außerordentlicher und 1824 ordentlicher Professor in Halle, starb aber schon 17. Jan. 1829 aus einer Reise in Venedig. Wir verdanken ihm besonders zu Aristophanes "Conjectaneorum in Aristophanem libri II" (Leipz. 1816), "De constructione antistrophica etc." (Jena 1818) und eine Ausgabe der "Nubes" (Leipz. 1820), zu Sophokles eine Ausgabe des "Oedipus Coloneus" (Jena 1820) und "Commentationes criticae in Sophoclis Oedipum Coloneum" (das. 1822-23, 2 Bde.). Seine wertvollen "Vorlesungen über lateinische Sprachwissenschaft" wurden mit Zusätzen herausgegeben von Haase (Leipz. 1839; neue Ausg., Berl. 1881 ff.). Vgl. Paldamus, Narratio de C. Reisigio (Greifsw. 1839); Ritschl, Kleine philologische Schriften, Bd. 5, S. 95 ff.

Reisige (reisige Knechte), im Mittelalter gewappnete Dienstleute, von "reisen" ("Reise" früher s. v. w. Kriegsfahrt); daher Reismanni (Reisläufer, Reisleute), solche, die auf des Herrn Geheiß Reisen (Kriegszüge) machen müssen. Im 16. Jahrh. s. v. w. Reiter im Gegensatz zum Fußvolk. Vgl. Reislaufen.

Reiskäfer, s. Kornwurm.

Reiske, Johann Jakob, berühmter Gräzist und Orientalist, geb. 25. Dez. 1716 zu Zörbig, gebildet auf der lateinischen Schule zu Halle, studierte seit 1733 in Leipzig die alten Sprachen, seit 1738 in Leiden besonders das Arabische, daneben auch Medizin, so daß er 1746 die medizinische Doktorwürde erlangte, kehrte 1746 nach Leipzig zurück, wurde daselbst 1748 außerordentlicher Professor, 1758 nach vielfachen Nahrungssorgen und Anfeindungen Rektor der Nikolaischule und starb 14. Aug. 1774. R. ist ausgezeichnet durch "kolossale Belesenheit und geniale Leichtigkeit des Konjizierens". Er edierte des Konstantinos Porphyrogennetos "De cerimoniis aulae byzantinae" (mit Leich, Leipz. 1751-54, 2 Bde.), Theokrit (das. 1765 bis 1766, 2 Bde.), die griechischen Redner (das. 1770 bis 1775, 12 Bde.), Plutarch (das. 1774-82, 12 Bde.), Dionysios von Halikarnaß (das. 1774-77, 6 Bde.), Maximus Tyrius (das. 1774-75, 2 Bde.), die Reden des Dion Chrysostomos (das. 1784 u. 1798, 2 Bde.) und des Libanios (Altenb. 1791-97, 4 Bde.), übersetzte die Reden bei Thukydides (Leipz. 1761) sowie die Reden des Demosthenes und Äschines (Lemgo 1764-68, 5 Bde.), gab "Animadversiones in graecos auctores" (Leipz. 1759-66, 6 Bde.) heraus und bearbeitete die "Annales moslemici" des Abulfeda (hrsg. von Vogel, Kopenh. 1789-94, 5 Bde.). Seine Selbstbiographie (Leipz. 1783) wurde von seiner gelehrten Gattin Ernestine Christine, einer Tochter des Superintendenten Müller in Kemberg (geb. 1735, verheiratet 1764, gest. 1798), die ihn bei seinen Arbeiten vielfach unterstützte, veröffentlicht. Vgl. außerdem Morus, De vita Reiskii (Leipz. 1777).

Reiskörperchen (Corpora oryzoidea), knorpelartige, reiskornähnliche Körperchen, die zuweilen in Sehnenscheiden, Schleimbeuteln und Gelenken vorkommen und wahrscheinlich aus Wucherungen der Synovialmembran oder aus entzündlichen albuminösen Gerinnungsprodukten entstehen.

Reislaufen, in der Schweiz das Zusammentreten junger Leute zum Solddienst für fremde Staaten, in denen aus ihnen die "Schweizer-Regimenter" (Frankreich) oder "Schweizer-Garden" (Kirchenstaat) gebildet wurden; kam im 15. Jahrh. auf, ward öfters, aber vergeblich von Staats wegen verboten und erst in neuester Zeit gänzlich beseitigt (vgl. Reisige).

Reismelde, s. v. w. Chenopodium Quinoa.

Reisporzellan, chines. Gefäße (meist Theeservice), welche mit einem Überzug in durchbrochener Arbeit oder mit einem die letztere nachahmenden Relief dekoriert sind. Die durchbrochene Arbeit ist mit Glasur überzogen, so daß die Ornamente transparent erscheinen.

Reiß, Wilhelm, Reisender, geb. 1838 zu Mannheim, machte seit 1855 wissenschaftliche Reisen durch Sizilien, nach der Insel Madeira, den Azoren, Kanaren und Südportugal, habilitierte sich 1864 als Dozent in Heidelberg, bereiste 1866 Griechenland und unternahm 1868 eine sehr erfolgreiche Reise nach Südamerika in Gemeinschaft mit Stübel, von welcher er erst 1876 zurückkehrte. Letztere Reise führte ihn zuerst nach Martinique, sodann bei Santa Marta nach dem Kontinent. Das Gebirge von Tubará und Sabanalarga wurde besucht und sodann der Magdalenenstrom befahren. Von Bogotá aus wurde Kolumbien nach allen Richtungen hin durchforscht. Dann überstieg R. die Zentralkordilleren zwischen Lerida und Manizales, ging durch das Cáucathal nach Popayan und traf in Pasto wieder mit Stübel zusammen. Fünf Jahre lang bildete sodann Quito das Hauptquartier. R. bestieg als erster Europäer den Cotopaxi, was 1873 auch Stübel gelang. Beide fuhren dann den Amazonas hinab und besuchten längs der brasilischen Küste fast alle bedeutenden Städte bis nach Rio de Janeiro. Aus Gesundheitsrücksichten im Frühjahr 1876 nach Europa zurückgekehrt, nahm R. seinen